merken

Achtung Kinder

Die Verkehrswacht kennt die Gefahren auf dem Schulweg. Wo und wie viele Lotsen im Einsatz sind.

© Egbert Kamprath

Von Yvonne Popp

Freital/Dippoldiswalde. Steffen Binnewerg ist kein Mensch, der mit seinen Erfolgen prahlt. Eine Statistik hat der 60-Jährige aber immer parat. „An keinem Übergang, der von Schülerlotsen gesichert worden ist, hat sich in all den Jahren ein schwerer oder gar tödlicher Unfall ereignet“, sagt er nicht ohne Stolz. „Und das ist doch eine sehr schöne Sache, oder?“ Die Mädchen und Jungen von der Geschwister-Scholl-Grundschule in Freital-Hainsberg dürfen sich also etwas sicherer fühlen. Die Gebietsverkehrswacht Weißeritz, bei der Binnewerg als stellvertretender Leiter tätig ist, ist hier seit Kurzem mit Schülerlotsen aktiv.

Anzeige
Dresdner Biotechnologen lesen das Virus
Dresdner Biotechnologen lesen das Virus

Es sind ellenlange Reihen aus den Buchstaben A, G, C und T. Den CRTD-Forschern verraten sie Wichtiges, um SARS-CoV-2 zu verstehen.

Schulwegsicherheit ist nicht nur zu Beginn jedes neuen Schuljahres ein zentrales Thema. Auch jetzt, während der dunklen Jahreszeit rückt es bei Eltern, Lehrern und Schülern wieder verstärkt ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Längst nicht überall leitet eine Fußgängerampel die Kinder sicher über die Fahrbahn. Im Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge sind deshalb an drei Orten Schülerlotsen im Einsatz. Um deren Ausbildung kümmert sich die Gebietsverkehrswacht.

Ausgestattet mit neongelber Warnweste, Käppi und der rot leuchtenden Kelle, sind sie für alle Verkehrsteilnehmer weithin gut zu sehen. Ihre Aufgabe ist es, vor und nach der Schule jüngere und unerfahrenere Mitschüler über die Straße zu führen. „In den fließenden Verkehr dürfen sie dabei aber nicht eingreifen“, sagt Binnewerg, der hauptberuflich als Bürgerpolizist in Dippoldiswalde arbeitet. „Sie müssen warten, bis sich eine genügend große Lücke bildet. Erst dann können sie die Kleinen, möglichst in größeren Gruppen, über die Straße führen.“ Seit mehr als zwanzig Jahren bildet Binnewerg Schülerlotsen aus. In zehn Stunden erhalten die Jugendlichen bei ihm Einblick in die Straßenverkehrsordnung, lernen Bremswege zu berechnen, Geschwindigkeiten einzuschätzen und üben die Arbeit im Team. Denn an ihrem Einsatzort seien sie immer zu zweit tätig, erklärt Binnewerg.

Kinder werden von Autofahrern oft übersehen

Nach einer erfolgreich absolvierten Prüfung dürfen sie sich Schülerlotsen nennen und ihren Dienst antreten. „Aber nicht jeder kann Verkehrshelfer werden.“ Gute schulische Leistungen, die Zustimmung von Schule und Eltern, sowie natürlich das Interesse an der Arbeit sind Pflicht.

Ob und wo Lotsen zum Einsatz kommen, kann von Schulleitungen, Eltern oder den Schülern selbst vorgeschlagen werden. Gelegentlich geben aber auch die örtliche Polizei oder die Verkehrswachten Anregungen dazu. Entscheiden darüber muss aber letztlich der Schulträger, also in der Regel die jeweilige Gemeinde. Finanzielle Zuschüsse von den Kommunen oder des Landkreises gibt es keine. Die Verkehrswacht bildet die Lotsen kostenlos aus und stellt ihnen die Ausrüstung zur Verfügung. „Insgesamt sind derzeit an den Brennpunkten in Geising, Freital-Hainsberg und Schmiedeberg 30 Schülerlotsen tätig“, berichtet Binnewerg.

Die vielbefahrenen Straßen an den dortigen Schulen seien gefährlich. Weiter erklärt er, dass gerade die Jüngsten oft abgelenkt seien und dadurch weniger auf den Verkehr achteten. Auch würden sie wegen ihrer Größe vom Autofahrer oft zu spät gesehen – besonders dann, wenn sie plötzlich zwischen zwei geparkten Autos, hinter Hecken oder Zäunen hervortreten. Im Moment kommt noch hinzu, dass es morgens dunkel ist, wenn die Kinder unterwegs sind. „Wer da keinen Ranzen oder eine Jacke mit Reflektoren trägt, ist oft nur im allerletzten Moment für den Fahrer sichtbar“, warnt Binnewerg.

„Die Kraftfahrer dürfen sich aber nicht komplett auf die Arbeit der Schülerlotsen oder Fußgängerampeln verlassen.“ Ohne erhobenen Zeigefinger, sondern auf seine ruhige Art weist Binnewerg darauf hin, dass die Fahrzeugführer vor sämtlichen Kinder- aber auch Senioreneinrichtungen besonders aufmerksam sein und ihre Geschwindigkeit anpassen müssen. Im kommenden Jahr geht der Vater zweier erwachsener Kinder in Rente. Seiner Tätigkeit bei der Verkehrswacht wird er aber weiter nachgehen. „Denn junge Verkehrshelfer werden immer gebraucht“, sagt er.

Wer sich als Schülerlotse ausbilden lassen will oder findet, dass der Weg zur Schule seines Kindes zu gefährlich ist, kann sich per E-Mail [email protected] an die Gebietsverkehrswacht wenden.