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Adrian Sutil macht die 100 voll

Seine Karriere schien nach einer Disko-Schlägerei bereits beendet, doch der Pilot träumt weiter vom Gewinn der Weltmeisterschaft.

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© dpa

Von Thomas Weitekamp

Adrian Sutil möchte eigentlich keine große Nummer daraus machen. „Ein bisschen stolz“, das räumt der Gräfelfinger ein, mache so ein Jubiläum schon. Am Sonntag startet er in Budapest in seinen 100. Grand Prix. Aber das große Ganze, das will er nicht aus den Augen verlieren. „Einfach nur in der Formel 1 mitzufahren“, das mache es für ihn nicht aus: „Mein Ziel, ist es, Weltmeister zu werden. Am Ende der Karriere muss ich sicher sein, dass ich alles dafür gegeben habe.“ Nur dann, sagt er, „werde ich ein zufriedenes Leben haben.“

Es sind Worte, die aufhorchen lassen, das weiß Sutil. 30 Jahre ist er alt, er fährt für das Mittelfeld-Team Force India. Dennoch, für ihn sind diese, seine Ambitionen selbstverständlich, sozusagen die Grundlage der Königsklasse. „Die Besten der Besten sollen hier fahren“, sagt er, „und jeder muss den Anspruch haben, Rennen zu gewinnen. Wenn manche Leute es für Wunschträume halten, ist mir das deshalb nicht wichtig. Am Ende wird abgerechnet.“

Auch dieser Ehrgeiz ist es, der Sutil seinen 100. Grand Prix ermöglicht. Und das Vertrauen seines Rennstalls. Denn 2012 war Sutil ohne Cockpit, seine Karriere schien bereits beendet zu sein. All dies war Folge einer Nacht in Schanghai. Nach dem Rennen in China hatte Sutil im April 2011 in einer Nobeldisko gefeiert. Dort kam es zu einem Handgemenge, bei dem ein Teilhaber des Renault-Teams mit einem Champagnerglas am Hals verletzt wurde – seit diesem Vorfall ist Sutil vorbestraft.

Im Januar 2012 wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe und 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. „Jeder Mensch macht Fehler“, hat Sutil danach einmal gesagt, „ich hoffe, dass die Menschen diese fünf Sekunden von Schanghai nicht so bewerten, dass sie mein Wesen widerspiegeln.“

Force India tat dies nicht, gab Sutil zu Jahresbeginn die zweite Chance, und die nutzte er. Nach neun von 19 Rennen ist er im unterlegenen Force India auf dem Weg zum besten Ergebnis seiner bisherigen Karriere. Deutlich mehr als der momentan elfte Gesamtrang mit 23 Punkten wäre möglich gewesen, doch technische Defekte und Fehler des Teams in den ersten Saisonrennen kosteten Punkte. Der Trend zeigt jedoch nach oben, das Nahziel ist klar: „Ich will endlich das Podium erreichen“, sagt Sutil „ich war schon häufiger nahe dran.“

Der ganz große Wurf in der Zukunft, der Kampf um den WM-Titel, wird mit dem indischen Team allerdings kaum möglich sein. „Natürlich ist die Frage: Schafft es Force India jemals ganz nach vorne“, sagt Sutil. „Wenn ich irgendwann der Meinung bin, hier ist Endstation, ich kann nicht mehr rausholen, dann muss ich das Team wechseln. Im Moment sehe ich aber noch sehr viel Potenzial.“

Das Selbstbewusstsein für den Wechsel zu einem Topteam bringt Sutil jedenfalls mit. In einem Red Bull etwa, in dem Sebastian Vettel zu drei WM-Titeln in Folge fuhr, könnte auch Sutil ein permanenter Siegfahrer sein. Sagt er. (sid)

TV-Tipp, So., 14 Uhr, RTL: Formel-1-WM auf dem Hungaroring in Budapest.