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Ärger am Rondell

Eine Bushaltestelle in Goppeln sorgt weiter für Kritik bei Anwohnern. Und das, obwohl es sie noch gar nicht gibt.

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© Stephan Klingbeil

Von Stephan Klingbeil

Goppeln. Die Bushaltestelle am Wendeplatz an der Goppelner Carl-Bantzer-Straße erregt weiter die Gemüter. Im Ortschaftsrat wurde der mögliche zweite Halt in dem Bannewitzer Ortsteil bereits heftig diskutiert. Nun sind die Anwohner selbst gefragt (SZ berichtete). In der oberen Siedlung an der Max-Pechstein-Straße und in der direkt betroffenen unteren Siedlung wird eine Haustürbefragung durchgeführt.

Ortschaftsratsmitglied Pierre Frotscher (CDU), der in der oberen Siedlung wohnt, hatte sich bereiterklärt, die Bewohner zu befragen. Bis Jahresende soll eine Entscheidung her. Stimmt die Mehrheit für die neue Haltestelle, wird sie im Rondell errichtet. Doch das Vorhaben ist umstritten.

Gegner des Projekts befürchten, dass es mehr Lärm gibt, wenn Busse durch die idyllische Siedlung fahren. Womöglich kämen irgendwann sogar noch mehr Busse als derzeit angedacht, geben sie zu bedenken. Die Kritiker bezweifeln, dass der dortige Straßenuntergrund den zusätzlichen Verkehr ohne Weiteres aushalten würde. Sie machen sich zudem Sorgen, dass der Bus beim Abbiegen gefährlich nah an anliegende Grundstücke herankommen könnte. Auch das Parken auf dem Wendeplatz wäre dann künftig sicherlich schwieriger. Die Debatte war emotional – sie ist es noch immer. Und die Gegner machen mobil. Ein Anwohner hat sogar einen offenen Brief an die Haushalte des direkt vom Busverkehr betroffenen Gebiets Carl-Bantzer-Straße verteilt. Er wolle über Konsequenzen informieren, warnt davor, dass der Platz für den Bus zum Wenden nicht reiche, dass „Park- und Grünflächen infrage gestellt und deren Rückbau vorgeschlagen“ wurde.

Woher er die Information hat, schreibt er nicht. Manch Kritikern sprach der offene Brief aber aus dem Herzen. Ob die Behauptungen stimmen, sei dahin gestellt. Ordnungsamtsleiterin Sylvia Stiller versichert jedenfalls, dass private Grundstücke nicht betroffen seien, wenn in dem Rondell eine Haltestelle eingerichtet würde. Vorgärten blieben definitiv verschont, betont sie.

Der Bus des RVD sei auch kleiner als die normalen Fahrzeuge. Dieses Busmodell könne in dem Rondell wenden. Probleme habe es bei einer vorherigen Testfahrt von Gemeindemitarbeitern nicht gegeben.

Die Bannewitzer Verwaltung hatte vorgeschlagen, den zusätzlichen Halt in dem Rondell in der unteren Siedlung einrichten zu lassen. Der bisherige zweite Stopp an der Ortsdurchfahrtstraße ist weggefallen, da mittlerweile die weiterführende alte Staatsstraße S 191 nach Rippien für den Autoverkehr gesperrt ist. Busse der Linie 351 vom Regionalverkehr Dresden (RVD) können daher nach dem einzig verbliebenen Stopp an der Schleife am Alten Gasthof nicht mehr drehen. Der als „Silberpfeil“ im Ort bekannte Kleinbus fährt zudem nicht mehr durch die Wohngebiete mit mehreren Ein- und Mehrfamilienhäusern. Der Busstopp am Alten Gasthof liegt mehrere Hundert Meter entfernt bergab in Richtung Dresden. Dort können die Busse wenden.

Umfrage verzögert sich

Die neue Haltestelle in der unteren Siedlung soll vorzugsweise Schülern zugutekommen, damit sie nicht so lange zu der nächsten Haltestelle laufen müssen. Ortsvorsteherin Elke Schleife, die das Projekt befürwortet, betonte darüber hinaus: „Es geht auch um die Zukunft und um ein Angebot für die älteren Leute, die nicht mehr so gut zu Fuß sind.“ Mit ihrer Meinung steht sie nicht alleine da. Es gibt allerdings auch viele kritische Stimmen. Vor allem direkt vom neuen Halt betroffene Anwohner aus der Carl-Bantzer-Straße sind frustriert.

Sie bemängeln nicht nur das Vorhaben, sondern auch die Befragung. „Der Befrager ist nicht unabhängig, und die Befragung an Haustüren ist nicht demokratisch“, ärgert sich zum Beispiel Maik Wetzel. Er und Uwe Heber, der ebenfalls in der Straße wohnt, wundern sich vor allem, warum die Befragung in der oberen Siedlung mit klarem Votum für den Halt schon gelaufen ist, in der unteren Siedlung jedoch bislang ausblieb. „Ich war im Urlaub und es war Ferienzeit“, erklärt Frotscher, der die Umfrage mit seiner Frau nach der Arbeit und am Wochenende durchführt. „Außerdem dauert das seine Zeit, ich habe den Aufwand etwas unterschätzt.“ Er habe bei der emotionalen Debatte im Ortschaftsrat zu dem Thema eigentlich nur etwas das Feuer herausnehmen wollen, als er sich bereiterklärte, die Befragung zu übernehmen. Jetzt ziehe er das durch. Die Umfrage solle möglichst bis Ende August abgeschlossen sein.

Sind die Gegner in der Mehrzahl, wird das Vorhaben gekippt. Stimmt die untere Siedlung aber wie die obere Siedlung ebenfalls mehrheitlich dafür, kommt die zweite Haltestelle. Zusätzliche Kosten dafür entstünden der Gemeinde zufolge nicht.

Angedacht ist, dass lediglich der Bus der RVD-Linie 351 am Wendeplatz an der Carl-Bantzer-Straße halten würde – unter der Woche täglich zweimal morgens, zweimal nachmittags. „Mehr ist nicht geplant“, versichert Sylvia Stiller. Sie versucht auch, andere Bedenken zur Seite zu wischen: Anders als befürchtet, werde der Schnee im Winter dort weggeschoben, notfalls sogar weggefahren. Sie betont, dass die Gemeinde sowieso für den Winterdienst – auch in diesem Bereich – zuständig sei. Darüber hinaus müssten Kosten für etwaige Straßensanierungen in Goppeln wie im übrigen Gemeindegebiet nicht von Bewohnern bezahlt werden. „Hier gibt es doch gar keine Straßenausbaubeiträge“, sagt Sylvia Stiller.

Nun ist es an den Anwohnern. Sie müssen entscheiden, ob der neue Halt kommt.