Merken

Ärger mit Brücken in Rothenburg

Im Stadtpark soll eine Furt errichtet werden. Doch der Denkmalschutz lehnt das ab. Eine weitere Brücke verschwindet auch bald.

Teilen
Folgen
© André Schulze

Von Katja Schlenker

Zwei Gitter versperren den Weg. Wo früher eine Brücke gewesen ist, klafft eine Lücke. An dieser Stelle kommt keiner mehr trockenen Fußes über den Graben im Rothenburger Stadtpark. Die Brücke ist abgebaut worden, weil sie nicht mehr sicher für die Spaziergänger gewesen ist. Die Stadtverwaltung in Rothenburg ist für den Park zuständig. Und hat sich eine Alternative zum voraussichtlich eher teuren Neubau der Brücke überlegt. „Wir hatten die Idee einer Furt“, sagt Bürgermeisterin Heike Böhm (SPD). „Mit so einer Maßnahme würde in das landschaftliche Profil des Stadtparks eingegriffen werden. Diesen Eingriff lehnte die Denkmalschutzbehörde ab.“

Eine Furt würde so aussehen, dass große Trittsteine in den Graben gelegt werden. Das Wasser könnte drum herum fließen und Spaziergänger würden dann wieder trockenen Fußes darüber kommen. Zumal es an dieser Stelle früher gar keinen offenen Graben gegeben haben soll, sagt Heike Böhm. Insofern erscheint die Alternative zur Brücke einleuchtend. Dennoch lehnt die Denkmalschutzbehörde die Idee ab. Und die Stadtverwaltung stellt die geforderte Brücke vor ein Problem: Sie ist zu teuer. „Eine DIN-gerechte Brücke genießt zurzeit im Vergleich zu allen anderen städtischen Projekten nur eine niedrige Priorität“, erklärt die Stadtchefin.

Zum Beispiel soll in diesem Jahr der Umbau des Sportkomplexes beginnen. Der kostet insgesamt rund drei Millionen Euro und wird etwa zur Hälfte vom Freistaat Sachsen gefördert. „Das städtische Geld soll 2016 für andere, ebenso wichtige Projekte ausgegeben werden“, sagt Heike Böhm. Somit muss die Brücke im Stadtpark zurückstecken. Zumal noch andere Projekte im Stadtpark umgesetzt werden sollen. Neben dem Schlossplatz sollen zum Beispiel auch die Eingänge zum Park neu gestaltet werden. Ein Konzept dafür gibt es bereits. Und sogar zwei Entwürfe, wie der Schlossplatz gestaltet werden könnte. Nun fehlt es lediglich an einem passenden Förderprogramm, da die Stadt alleine nicht die finanziellen Mittel für solch ein Projekt hat. Besucher sollen künftig besser vom Schlossplatz, der momentan als Parkplatz genutzt wird, in den Park geleitet werden. Und das so, dass der Platz beim alljährlichen Sommerfest nach wie vor für den Rummel genutzt werden kann.

Eine weitere Brücke nahe der Stadt muss ebenfalls abgerissen werden. Es handelt sich um die Knochenmühlenbrücke am Radweg von Rothenburg nach Nieder-Neundorf. Das Bauwerk befindet sich nahe dem Biotop an der Tormersdorfer Allee. Aller sechs Jahre erfolgt eine sogenannte Hauptprüfung an einer Brücke. Für diese hat der Test im Oktober vergangenen Jahres stattgefunden. Dabei hat sich herausgestellt, dass Beton abgeplatzt ist, Teile der Brücke verrostet sind und das Bauwerk mittlerweile sehr marode ist. Deswegen muss die Brücke abgesperrt werden, lautet das Urteil des Prüfers, erklärt Bürgermeisterin Heike Böhm. Diese führt über den Mühlgraben. Sollte dieser nicht wieder in Betrieb genommen werden, kann die Brücke ersatzlos verschwinden.

Das Bauwerk selbst ist bereits seit Jahren nicht mehr in Betrieb. Unmittelbar rechts neben der Knochenmühlenbrücke ist der Mühlgraben mit Erde verfüllt. Dadurch ist eine Wiederinbetriebnahme des Gewässers unwahrscheinlich. Und die Flächen auf der anderen Seite des Grabens können auch ohne Brücke problemlos erreicht werden.