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Ärzte bleiben auf ihrem Impfstoff sitzen

Um die Schweinegrippe ist es im Kreis ruhig geworden. Die Zahl der Fälle geht zurück, kaum jemand will sich noch impfen lassen.

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Von Christiane Raatz

Erst herrschte Panik, dass der Impfstoff gegen die Schweinegrippe nicht für alle reicht. Nun stapeln sich in vielen Arztpraxen des Landkreises Meißen die Ampullen. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt und damit die Angst vor einer Ansteckung. Kaum einer möchte sich jetzt noch impfen lassen.

20 Ampullen übrig

„Wir bleiben nun auf unseren Dosen sitzen“, sagte Claus Pötzsch, Allgemeinarzt aus Riesa. Vorräte für 20 Impfungen lagern noch im Kühlschrank, gerade mal ein Patient hat sich in der vergangenen Woche für eine Impfung angekündigt. „Für ihn reißen wir eine Flasche an, finden sich keine weiteren Patienten, müssen wir den Impfstoff nach 24 Stunden entsorgen“, erklärt der Arzt. Eine Flasche des Impfstoffes reiche immer für zehn Dosen. Wie viele andere Impfärzte der Region zeigt sich Pötzsch entnervt von dem Hin- und Her: Erst war der Bedarf enorm, nun springen immer mehr Patienten ab. „Wir haben zur Zweifachimpfung geraten, wie vom Robert-Koch-Institut anfangs empfohlen“, sagt Pötzsch. Zur zweiten Impfung seien aber nur noch die Hälfte der Patienten erschienen.

Die Ärztin Rosemarie Kunde aus Großenhain hat zwar auch noch einige Impfdosen übrig, rechnet aber damit, dass die Ampullen in diesem Winter noch zum Einsatz kommen: „Es ist noch nicht ausgestanden, ich rechne mit einer weiteren Grippewelle“, so Kunde. Dann werden die Leute wieder verstärkt die Praxen aufsuchen. Die Amtsärztin des Landkreises Petra Albrecht erklärt die sinkende Nachfrage mit der abnehmenden Zahl der Schweinegrippe-Fälle im Kreis. „Damit ist auch die Impfmüdigkeit gestiegen“, erklärte sie. Zudem verliefen die Erkrankungen meistens leicht.

In den letzten beiden Dezemberwochen wurden im Kreis Meißen 15 Fälle von Schweinegrippe bestätigt, in der ersten Woche des neuen Jahres waren es zwei. Bestellt wurden ursprünglich 14 500 Dosen des Serums. „Aber wir haben rechtzeitig reagiert und geblockt“, so Albrecht. Nur rund 4000 Dosen wurden letztendlich ins Elbland geliefert. Davon hat allein das Gesundheitsamt 500 Dosen verimpft, weitere 2000 wurden von Arztpraxen, Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen verabreicht. „Die Restbestände können wir nur impfen, wenn auch Nachfrage besteht“, so Albrecht.

Auch bei den Apotheken ist es ruhig geworden. Bei ihnen melden die Ärzte ihren Bedarf, diese bestellen dann bei einer Zentralapotheke. „Seit Mitte Dezember gibt es fast keine Bestellungen mehr“, sagt Marina Wirsig von der Apotheke „Weißes Roß“ in Radebeul. Allerdings sei das derzeitige kalte und trockene Wetter keine Grippezeit, erst bei Schmuddelwetter könnte es wieder losgehen.

Weitere Grippewelle?

Auch wenn die Zahl der Erkrankten im Freistaat in den letzten Wochen gesunken ist, empfiehlt das Sächsische Sozialministerium eine Impfung. „Ein Schutz ist immer noch wichtig“, heißt es. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass bald eine neue Grippewelle auf Sachsen zurolle. Laut Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung hat die Weltgesundheitsorganisation WHO immer noch die höchste Warnstufe 6 zur neuen Influenza, der Schweinegrippe, ausgerufen. Es sei denkbar, dass auch in Deutschland die Anzahl der Neuerkrankungen wieder sprunghaft zunehme und auch Todesfälle auftreten, heißt es dort.