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Ärzte im Umzugsfieber

Hinterm Bauzaun: Jana und Steffen U. Fiedler siedeln ihre Praxen in der Kamenzer Altstadt an. Das bringt einige Vorteile.

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© René Plaul

Von Ina Förster

Kamenz. Es ist Freitag. Der 16. September. Letzter Arbeitstag in der Praxis an der Macherstraße. Das Ärzte-Ehepaar Dr. Jana und Dr. Steffen U. Fiedler haben bis zum Schluss zu tun. Alltag eben. In einem Wartezimmer sitzen die kranken Kinder mit ihren besorgten Eltern. Im anderen die Patienten der Hausarztpraxis. Alles läuft wie am Schnürchen. Das Personal ist routiniert. Die Chefs sowieso. Dabei brodelt es im Hintergrund schon ein bisschen. Die Umzugswagen sind in wenigen Tagen bestellt. Viel Arbeit steht allen bevor. Da heißt es: Nerven bewahren!

Hinter den Bauzaun geschaut

Diese süßen handgemalten Opossums besiedeln die Kinderarztpraxis.
Diese süßen handgemalten Opossums besiedeln die Kinderarztpraxis.
Das Ärzte-Ehepaar versorgt seine Patienten seit vielen Jahren in der Lessingstadt. Vom Macherplatz zieht man jetzt an die Zwingerstraße um – mitten in die Altstadt.
Das Ärzte-Ehepaar versorgt seine Patienten seit vielen Jahren in der Lessingstadt. Vom Macherplatz zieht man jetzt an die Zwingerstraße um – mitten in die Altstadt.
Parkplätze sind wichtig in der City. Deshalb wird noch am großzügigen Hinterhof gebaut. Dieser wird natürlich auch begrünt. Sieben Bäume kommen.
Parkplätze sind wichtig in der City. Deshalb wird noch am großzügigen Hinterhof gebaut. Dieser wird natürlich auch begrünt. Sieben Bäume kommen.
Alle Wohnungen gehen im Dachgeschoss über zwei Etagen. Balkon inklusive.
Alle Wohnungen gehen im Dachgeschoss über zwei Etagen. Balkon inklusive.
Nicht nur in den Wartebereichen wird Alt und Neu miteinander verbunden.
Nicht nur in den Wartebereichen wird Alt und Neu miteinander verbunden.
In den vier hochwertigen Mietwohnungen wird noch mit Hochdruck gearbeitet.
In den vier hochwertigen Mietwohnungen wird noch mit Hochdruck gearbeitet.

Neustart am 4. Oktober

In bereits zwei Wochen sollen die neuen Praxen an der Zwingerstraße 3 und 5 in der Kamenzer Altstadt ihre Türen öffnen. „Ganz unspektakulär erst einmal“, sagt Steffen U. „Nach zwei Wochen Schließzeit stehen die Patienten wieder voll im Mittelpunkt! Gefeiert werden kann später noch“, schmunzelt er. Nach fast einjähriger Sanierung haben die alten Häuser ihren alten Glanz wieder. Oder sollte man sagen, einen noch besseren erhalten? Viele Kamenzer erinnern sich an die ehemalige Kreissparkasse in der Altstadt, so wie sie zuletzt aussah. Tristes Grau, grober Putz. Riesige Gitter vor den Fenstern. Jahrelang stand das Objekt nach der Wende leer. Bis Fiedlers sich erwärmen konnten. Mittlerweile brennen sie dafür. Auch wenn der Umbau einige schlaflose Nächte gekostet hat. Und sicherlich nicht nur das. Die Häuser wurden entkernt, nur wenige der alten Mauern stehen noch. Fast nichts ist mehr so, wie vorher. Aber dieser Mut hat sich gelohnt. Moderne im Inneren und Denkmalschutz außen verschmelzen miteinander. Die Geschichte des Hauses wird also nicht ganz verschwinden. Viele kleine Details hat man gerettet, wie beispielsweise die alte Eingangstür an der Zwingerstraße, welche eigentlich nicht als Eingang nutzbar ist. Aber nicht nur die Patienten dürfen sich auf großzügige Räumlichkeiten und Neuerungen freuen.

Auch für künftige Mieter stehen noch immer drei Dachwohnungen sowie eine im Erdgeschoss bereit. Letztere wurde barrierefrei gestaltet. Eine Wohnung im ersten Obergeschoss ist mittlerweile vermietet. Auf dem Balkon im Hinterhof wachsen Blumen und Grünpflanzen. Balkons oder eine Terrasse hat übrigens jede der Wohnungen nach hinten heraus. Und damit einen wunderschönen Blick auf das Wahrzeichen der Stadt – die Hauptkirche St. Marien. Die Vermietung und Verwaltung wird übrigens über die Städtischen Wohnungsgesellschaften Kamenz abgewickelt. „Noch ist eine der Wohnungen nicht ganz fertig. Priorität hatten nun einmal die Praxisräume“, erzählt Dr. Steffen U. Fiedler.

Diskretion wird großgeschrieben

Seine Allgemeinmedizin- und Hausarztpraxis befindet sich künftig im Erdgeschoss und ist über einen separaten Eingang vom Parkplatz aus erreichbar. Nach wie vor gibt es drei Behandlungszimmer, die großzügig projektiert wurden. Eine immense Verbesserung sieht der Mediziner im Anmeldebereich. Dieser hat ab sofort eine echte Diskretionszone. Will heißen, der Patient darf einzeln an die Anmeldung herantreten und sein Begehr im separaten Raum vortragen. Der nächste muss derweil vor einer Glasscheibe warten. „Das war schon lange unser Wunsch. Und auch einer der Patienten. So gibt es nun viel mehr Privatsphäre. Welche in unserem Metier wichtig ist“, sagt Steffen U. Fiedler. Bauleiter Torsten Petasch von der Cuwitec GmbH Baubetreuung aus Kamenz war jede Woche zur Besprechung mit anderen Gewerken und den Bauherren vor Ort. „Der Zeitplan wurde bestens eingehalten. Das kam uns entgegen“, lobt Jana Fiedler. Und die meisten Wünsche konnten umgesetzt, eigene Ideen eingebracht werden. Vor allem im Kellergeschoss hatte das Paar da so seine Wünsche. Hier lagerte die Kreissparkasse früher ihre Banknoten. In zwei Wochen darf das Personal im rustikal sanierten Gewölbe seine Pausen abhalten. Offen gelegtes Gemäuer gehört dazu. „Im Sommer ist es angenehm kühl, im Winter halten die dicken Mauern warm“, freut sich Jana Fiedler schon darauf. Tageslicht fällt dennoch genügend ein. Man soll sich wohlfühlen.

Tresor funktioniert wieder

Im Tresorraum nebenan gibt es künftig genügend Platz für die Patientenunterlagen. Den originalen, riesigen Tresor haben die Fiedlers von einem Fachmann in Schuss bringen lassen. „Wir machten dafür einen ehemaligen Mitarbeiter der Firma F.E. Baum in Chemnitz ausfindig und der hat uns das Schloss repariert. Das war nicht nur ein besonderes Erlebnis für ihn“, erzählt der Arzt. Liebe zum Detail gehört für die Bauherren dazu. Das spürt man an vielen Ecken und Enden im Haus. Auch die Kinderarztpraxis im 1. Obergeschoss wird ein Hingucker. Drei Behandlungsräume, ein nagelneues Labor, ein liebevoll gestaltetes Besucherzimmer mit offenen Mauersteinen und wunderschönen Wandmalereien von Uwe Gloge-Häntschel begeistern jetzt schon. Letzterer hatte bereits die Märchenmotive in der alten Praxis geschaffen. Auch diesmal kommt ein fröhlicher Ritter auf einem Esel ins Wartezimmer geritten. Das wird von manchem Schmerz ablenken, hofft man. Die Kinderärztin entschied sich in den Behandlungszimmern außerdem für lustige Tiermotive. Giraffen und Affen grinsen von den Wänden. Und niedliche Opossums schleichen sich heimlich um alle Ecken, schauen keck hinter Türen hervor. „Mir war wichtig, hier extra Platz für nicht kranke Kinder zu schaffen“, so Dr. Jana Fiedler. Immer wieder hat sie schließlich auch Patienten, die nur zur Impfung kommen oder Vorsorge-Untersuchungen. „So eine ‚gesunde‘ Zone ist ein totaler Luxus für uns, weil man Platz dafür braucht, aber wir erhoffen uns viel davon“, sagt sie.

Sieben Bäume für die Altstadt

Noch fehlt es am ein oder anderen. Ein Kinderhandlauf an der Treppe muss angebaut werden. Und die Einrichtung der Praxen ist nicht komplett. „Wir haben ja noch zwei Wochen“, meint Dr. Steffen U. Fiedler. Die Rezeptions-Tresen in kräftigen Farben stehen, auch vereinzelte Möbel und Behandlungstische. Doch allein die Verkabelung von diverser Technik wird Zeit kosten. In den kommenden Tagen rollt der Rest der Praxiseinrichtung an. Die Handwerker geben sich dabei die Klinke in die Hand. Das Haus gleicht einem Bienenstock. Anschließend müssen Unterlagen und Gerätschaften von der Macherstraße in die Altstadt umgelagert werden. Da packen alle an.

Im Hinterhof werden derweil riesige Haufen Split und Erde umgebaggert. Parkplätze in der City sind wichtig für die Patienten. Und die Gestaltung ist gelungen. Noch fehlen die sieben Bäume, die Familie Fiedler versprochen hat, zu pflanzen: vier Amberbäume und drei Dachplatanen. Landschaftsgestalter Sandro Gebler steht aber in den Startlöchern. Zwischen neu aufgearbeiteten Sparkassengittern, die den Hof als schicke Mauer begrenzen, wird es demnächst also noch sehr interessante Einblicke geben. Der Altstadt tut das Projekt auf jeden Fall im Ganzen gut.