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Neue Chance für AfD-Abgeordneten

André Barth wurde als Direktkandidat abgewählt. Nun kommt alles anders. Ein Zufall?

Von Maximilian Helm & Gunnar Klehm
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AfD-Landtagsabgeordneter André Barth (r.) ist bei der Nominierung der Direktkandidaten leer ausgegangen. Stattdessen wurde Michael Ullmann (i.) nominiert. Barth und seine wollen dies nun rückgängig machen.
AfD-Landtagsabgeordneter André Barth (r.) ist bei der Nominierung der Direktkandidaten leer ausgegangen. Stattdessen wurde Michael Ullmann (i.) nominiert. Barth und seine wollen dies nun rückgängig machen. © M: SZ

André Barth, der parlamentarische Geschäftsführer der sächsischen AfD-Landtagsfraktion, musste in den vergangenen Wochen um sein politisches Überleben bangen. Am Mittwochabend traf sich der AfD-Kreisverband in der Heidenauer Drogenmühle. Er hatte erneut zu einer Aufstellungsversammlung für einen eigenen Direktkandidaten eingeladen, auf der die Entscheidung für den Wahlkreis 49 (Altenberg, Dippoldiswalde) rückgängig gemacht werden. Diese Wahl blieb, neben einer Verlegung des AfD-Sitzes von Dippoldiswalde nach Pirna, der einzige Tagesordnungspunkt.

Der bisher öffentlich unbekannte Bundespolizist Michael Ullmann, Ende Oktober eigentlich mit drei Stimmen Vorsprung vor Barth zum neuen Direktkandidaten gewählt, wurde abgesetzt. Neuer Spitzenkandidat für den Wahlkreis wollte nun der ehemals Zweitplatzierte werden, der sich in seiner Rede als Hardliner präsentierte, wobei beide Männer zunächst erneut kandidierten. Ullmann nutzte seine Redezeit in der Drogenmühle für einen Frontalangriff auf den Kreisvorstand. „Ich dachte ich werde vom politischen Gegner attackiert, dabei sind die Feinde in der eigenen Partei“, sagte er. Er sprach außerdem von einer „Abwahlkampagne“ gegen ihn. Daraufhin legte er seine Kandidatur nieder und empfahl die Wahl von Martin Braukmann, dem dritten im Bunde. Ob André Barth oder Martin Braukmann die Wahl schließlich für sich entscheiden konnten, war zu Redaktionsschluss nicht bekannt.

Der Neunominierung war ein mittlerer Skandal bei der ersten Wahl der Direktkandidaten für die Landtagswahl 2019 vorausgegangen. Dort hatte die Parteibasis den bisherigen Spitzenkandidaten André Barth durchfallen lassen. Michael Ullmann hob den Landtagsabgeordneten im vergangenen November aus dem Sattel und wurde zum Direktkandidaten im Wahlkreis 49 gewählt. Barth ging leer aus. Doch das wollten dieser und seine Unterstützer nicht auf sich sitzenlassen. Zeitgleich wurde bekannt, dass Michael Ullmann in einer Privatinsolvenz steckt. Daraufhin traf er sich mit dem Landesvorstand, um zu klären, wie ein mögliches Mandat mit der Insolvenz vereinbar sei. Was genau in diesem Gespräch geschah, kann man nur spekulieren. Tatsache ist, dass Ullmann am nächsten Tag seinen Rücktritt von allen Ämtern und seinen Austritt aus der Partei bekanntgab. Selbst auf der AfD-Veranstaltung in der Drogenmühle gaben die Verantwortlichen zu, dass das Gespräch über Ullmanns Insolvenz ungewöhnlich heftig verlaufen worden war. Mittlerweile ist er wieder Parteimitglied, und stellte sich am Mittwochabend sogar ein zweites mal zu Wahl – auf ein Amt, in das er vor zweieinhalb Monaten schon einmal gewählt worden war.

Fraglich ist, welche Rolle der vormals unterlegene André Barth dabei spielte. Schließlich stellte er schon nach seinem Sturz in der Parteihierarchie die Eignung Ullmanns erheblich infrage. Möglich ist, dass Barth, der die Chance witterte, die Kandidatenentscheidung noch einmal zurückdrehen zu können, seinen Einfluss auf die Parteispitze nutzte. Mit welchen Mitteln Barth um die Fortführung seines Mandats kämpft, wurde schon bei der für Ullmann siegreichen Nominierung im November im Heidekrug Cotta deutlich. Dort sagte Ullmann öffentlich, dass ihm Barth „den Krieg erklärt“ habe, als er von seiner möglichen Gegenkandidatur hörte. Dieser Umgang sei für ihn im Endeffekt auch ein Grund gewesen, tatsächlich zu kandidieren. Dieser Krieg brach dann offenbar sehr schnell aus.

Bei der politischen Konkurrenz dürfte die Kandidatenposse Schadenfreude auslösen. Stelle sich die AfD doch stets auch als Alternative zum Postengeschacher und Gezänk der anderen Parteien dar. Ob Michael Ullmanns Angriff indes auf die AfD-Spitze gerechtfertigt ist, darüber waren sich die Parteimitglieder am Abend uneinig.