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Dresden

Faustschläge im AfD-Wahlkampf-Endspurt

Weil er sich von einem AfD-Infostand provoziert gefühlt hatte, prügelte ein 32-Jähriger auf Sachsens Vize Joachim Keiler ein. Nun stand er vor Gericht.

Der Dresdner Rechtsanwalt Joachim Keiler ist Vize-Vorsitzender von Sachsens AfD. Der 61-Jährige wurde im August 2019 an einem Info-Stand seiner Partei in der Dresdner Neustadt angegriffen.
Der Dresdner Rechtsanwalt Joachim Keiler ist Vize-Vorsitzender von Sachsens AfD. Der 61-Jährige wurde im August 2019 an einem Info-Stand seiner Partei in der Dresdner Neustadt angegriffen. © AfD Landesverband Sachsen

Dresden. Einen größeren Gefallen hätte André K. seiner verhassten AfD gar nicht machen können. Der 32-jährige Wohnungslose prügelte an einem Wahlkampfstand auf den Vize-Landesvorsitzenden Joachim Keiler ein, machte die rechtspopulistische Partei zum Opfer seiner Gewalt und lieferte ihr mit seinem Angriff auch noch Videobilder für ihren Wahlkampf-Endspurt.

Der Angriff fand am 10. August 2019 am Albertplatz statt, wenige Wochen vor der sächsischen Landtagswahl am 1. September. Genau ein Jahr später stand der Angreifer nun am Dienstag vor dem Amtsgericht Dresden.

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Angeklagter gesteht

André K. hat die Vorwürfe gestanden. Er schob seine unvermittelten Ausbrüche auf den Alkohol. Er trinke schon seit knapp 20 Jahren regelmäßig. Den Wahlkampf-Stand der AfD in der Neustadt – geschützt von der Polizei – habe er als Provokation empfunden: „Die haben dort nichts zu suchen“, sagte er auch nun im Prozess. Er räumte auch ein, die Leute am Stand als Nazis und Schweine beschimpft zu haben.

Der Dresdner Rechtsanwalt Joachim Keiler ist seit einem Jahr Landtagsabgeordneter der AfD. Er nannte den Wahlkampfstand eine gute Erfahrung. Man habe angenehme Gespräche mit Passanten geführt. Mittags sei der Angeklagte gekommen, der sich furchtbar aufgeregt habe, so der 61-Jährige. „Er sagte, das sei sein Bezirk, wir wären alle Nazis und sollten verschwinden.“ Dann habe K. am Stand Flyer weggeschlagen, habe ihnen auch Kaffeetassen aus der Hand geschlagen.

„Wir versuchten, auf ihn einzureden, dass es so nicht geht“, so Keiler. Als K. mit einer Hand ausholte, habe er ihn weggestoßen. Keiler: „Ich dachte, der schlägt jetzt meine Frau“. Nun habe K. den Anwalt am Hemd gepackt, es habe ein Gerangel gegeben. Schließlich habe der Angeklagte ihn losgelassen und ihm unvermittelt mit der Faust gegen das linke Ohr geschlagen. Passanten hätten weitere Übergriffe verhindert. K. wurde eine knappe Stunde später am Bischofsplatz gestellt – er hatte rund zwei Promille Alkohol im Blut.

Neben der Auseinandersetzung vor dem AfD-Stand warf die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten auch vor, im März 2019 auf einen Busfahrer eingeschlagen zu haben. Auch diese Tat hatte K. provoziert. Der Fahrer hatte ihn aufgefordert, seine offene Bierflasche nicht mit in den Bus zu nehmen. Das hatte K. nicht gepasst, sodass er an der Endhaltestelle der Linie 74 in der Mathias-Oeder-Straße, Radeberger Vorstadt, auf den 42-Jährigen zuging und ihm zweimal ins Gesicht schlug. Der Busfahrer erlitt eine blutende Lippe.

Alkohol-Therapie notwendig

K. sitzt derzeit in Haft und verbüßt eine neunmonatige Strafe wegen Körperverletzung und Diebstahls vom März 2019 – er war nur eine Woche vor dem Angriff auf den Busfahrer verurteilt worden. Die Justiz hatte die Bewährung widerrufen, weil K. sich nicht an die Bewährungsauflagen gehalten und keine Alkoholtherapie begonnen hatte. Es wäre seine erste gewesen. K. hat keinen Beruf erlernt und sich als Produktionshelfer und am Bau durchgeschlagen. Er habe lange in Bayern gearbeitet, sei vor einigen Jahren nach Dresden zurückgekehrt. Eine Wohnung hat er nicht.  

Am Dienstag wurde der 32-Jährige zu einer weiteren Haftstrafe von sechs Monaten und einer Woche wegen Beleidigung und Körperverletzung verurteilt - ohne Bewährung. „Sie brauchen den Druck“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. K.s Verteidiger Andreas Gumprich sagte, sein Mandant habe jetzt erkannt, dass er eine stationäre Alkoholtherapie benötige.

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