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AfD-Kandidat schlägt Däbritz

Pegida-Vize Siegfried Däbritz wird abgewatscht. Druck auf Mitglieder habe es aber nicht gegeben, so die AfD.

© René Plaul

Von Peter Anderson.

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Eine Frage der Ehre

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Moritzburg. Er habe sich einen sehr schwierigen Wahlkreis ausgesucht. Dementsprechend gut würden er und sein Team sich vorbereiten. Das sagte gestern der frisch gewählte AfD-Bundestagskandidat für Meißen Carsten Hütter. Er wolle dem CDU-Kandidaten Thomas de Maizière sachlich, aber hart begegnen und den Bundesinnenminister mit der nach Ansicht Hütters verfehlten Politik Merkels konfrontieren.

Bei der AfD im Kreis als Bundestags-Direktkandidat nicht erwünscht: Pegida-Vize Siegfried Däbritz.
Bei der AfD im Kreis als Bundestags-Direktkandidat nicht erwünscht: Pegida-Vize Siegfried Däbritz. © Archiv/Robert Michael

Den Wahl- und Landkreis Meißen hat sich der Erzgebirgler eigenen Angaben zufolge ausgesucht, weil ihn Mitglieder des Meißner Kreisverbandes um eine Kandidatur gebeten hätten. „Ich habe mir lange damit Zeit gelassen. Aber spätestens nach der Ansage von Siegfried Däbritz, hier antreten zu wollen, stand mein Entschluss fest“, so Hütter. Er setzte sich in Moritzburg mit 65 Prozent gegen den Pegida-Vize durch, auf den lediglich 24 Prozent der Stimmen entfielen. Elf Prozent erhielt das Meißner AfD-Mitglied Kai Marder.

Der 52-jährige Hütter gilt nicht gerade als Freund von Pegida-Chef Lutz Bachmann und dessen Stellvertreter. So lehnte der Autohändler im Oktober eine Einladung als Redner bei einer der Montagskundgebungen ab. Mit der Pegida-Parteigründung sei Bachmann politischer Gegner. Ob die AfD Einladungen einer künftigen Pegida-Führung ohne die bisherigen Köpfe annehmen würde, ließ Hütter offen, „weil wir nicht wissen, wie das Orgateam aussehen würde ohne Herrn Bachmann.“

Im Vorfeld des Wahlparteitages hatten Anrufer gegenüber der SZ und Pegida-Orga-Vize Siegfried Däbritz davon berichtet, als AfD-Mitglieder massiv zur Wahl Hütters gedrängt worden zu sein. „Ich konnte es kaum glauben, als es mir der erste Anrufer berichtete, dann kamen noch einige dazu, da sich die Schilderungen glichen, muss ich leider von einem hohen Wahrheitsgehalt ausgehen“, so Däbritz auf seiner Facebookseite.

Der stellvertretende Vorsitzende des Meißner AfD-Kreisverbandes Mario Aßmann wies am Sonntag die Vorwürfe als falsche Unterstellung zurück. „Ich kann das nicht bestätigen und kann es mir auch nicht vorstellen“, so Aßmann. Den Ausschluss der Öffentlichkeit begründete er mit dem Bedürfnis der Mitglieder, die Diskussion in Ruhe führen zu wollen. Die Mitglieder hätten dem mit 100 Prozent zugestimmt. Die Auseinandersetzung auf dem Parteitag habe er als sehr sachlich erlebt, so Aßmann. Im Nachhinein betrachtet sei der Ausschluss der Öffentlichkeit eigentlich nicht nötig gewesen.

Geboren wurde Carsten Hütter in Unna in Nordrhein-Westfalen. Nach einer Lehre zum Kraftfahrzeugelektriker diente er elf Jahre lang bei der Bundeswehr. Anschließend absolvierte er einen Meisterkurs als Kraftfahrzeugmechaniker. Seit 1994 ist Hütter als selbstständiger Kaufmann im Kfz-Gewerbe tätig. Im Internet wird er im Zusammenhang mit Abmahnungen erwähnt. Die Düsseldorfer Anwaltskanzelei Faustmann und Neumann warnt vor ihm. Gegenstand der Abmahnung seien Wettbewerbsverstöße auf der Internetplattform Ebay im Marktsegment Kfz-Teile. Hütter selbst spricht lediglich von zwei Fällen in 22 Jahren Selbstständigkeit, welche vollkommen gerechtfertigt gewesen seien.

Im Jahr 2013 wurde der verheiratete Familienvater von fünf Kindern Mitglied der AfD in Sachsen. Eigenen Angaben zufolge hat der Autohändler mit seiner Arbeit maßgeblich die Finanzierung der Wahlkämpfe der Partei unterstützt. Auf sein Chemnitzer Landtagsbüro wurde ein Anschlag mit Pflastersteinen verübt. Zudem erhielt der Parlamentarier Morddrohungen.

Im Landkreis Meißen war Hütter bisher kaum präsent. Lediglich Anfang November tauchte er plötzlich zu einem Elternabend in der Meißner Pestalozzi-Oberschule auf. Die Schule wollte über eine tätliche Auseinandersetzung zwischen ausländischen und einheimischen Schülern informieren, bei der ein Messer im Spiel gewesen sein sollte. Auf Wunsch von Eltern wurde der Erzgebirgler jedoch des Raumes verwiesen.