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Politik

Affäre um Botschafter-Leaks eskaliert 

USA sorgen für Ärger zwischen London und Washington. Darin nennt der Diplomat die Trump-Regierung "unfähig". Der US-Präsident schlägt auf Twitter zurück.

Im Juni diesen Jahres war US-Präsident Donald Trump in London zu Gast und sprach mit Premierministerin Teresa May auch über den Brexit. © Frank Augustein/PA Wire/dpa

London/Washington. Die Affäre um kritische interne Berichte des britischen Botschafters in Washington über die Regierung von Donald Trump ist weiter eskaliert. Trump legte am Dienstag per Kurznachrichtendienst noch einmal nach und bezeichnete den britischen Diplomaten Kim Darroch als "dummen Kerl" und "aufgeblasenen Depp". Auch die britische Premierministerin Theresa May nahm Trump wieder aufs Korn. Ihr Bemühungen um den EU-Austritt seien ein Desaster gewesen, so der US-Präsident. Auslöser für die Tiraden waren durchgesickerte interne Berichte, wonach der britische Botschafter die Trump-Regierung unter anderem als "unfähig" bezeichnet hatte.

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Die britische Regierungschefin bekräftigte unterdessen ihr Vertrauen in den Spitzendiplomaten. "Der Botschafter bleibt im Amt und wird seine Aufgaben weiterhin mit der vollen Unterstützung der Premierministerin ausführen", sagte ein Regierungssprecher nach einer Kabinettssitzung in London am Dienstag. Doch britische Medien zeigten sich skeptisch, ob Darroch seine Dienstzeit noch wie geplant bis Ende des Jahres durchhalten kann.

Trump hatte angekündigt, nicht mehr mit ihm zusammenzuarbeiten. Einem Bericht der BBC zufolge wurde Darroch von einem Staatsbankett zu Ehren des Emirs von Katar am Montag ausgeladen. Ein Treffen mit Trump-Tochter Ivanka und dem britischen Handelsminister Liam Fox am Dienstag soll er selbst abgesagt haben.

Für London geht es offensichtlich darum, weder die Beziehungen zu den USA zu beschädigen, noch unterwürfig zu erscheinen. Bereits am Montag hatte die britische Regierung daher beschwichtigt. Die in die Öffentlichkeit gelangten Auszüge aus den internen Berichten gäben die Intensität der Beziehungen und deren Wertschätzung durch Großbritannien nicht angemessen wieder, sagte ein Sprecher. "Das Vereinigte Königreich hat eine besondere und beständige Beziehung zu den USA, die auf unserer langen Geschichte und unserem Bekenntnis zu gemeinsamen Werten beruht, und das wird auch weiter so sein", betonte der Sprecher.

Unterdessen wurden die Forderungen in London immer lauter, den Verantwortlichen für die Weitergabe der vertraulichen Botschafterberichte zu finden. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im britischen Parlament, Tom Tugendhat, forderte sogar polizeiliche Ermittlungen.

Die britische Zeitung "Mail on Sunday" hatte am Wochenende aus vertraulichen Memos des Botschafters zitiert. Darin wird die Regierung von US-Präsident Donald Trump als "unfähig" bezeichnet. Der Präsident strahle Unsicherheit aus und agiere ungeschickt, schrieb Darroch demnach. Die Einschätzungen stammen den Angaben zufolge aus dem Zeitraum von 2017 bis in die Gegenwart.

Das Außenministerium in London bestritt die Authentizität nicht und erklärte, die britische Öffentlichkeit erwarte, dass Botschafter Ministern eine ehrliche und ungeschminkte Bewertung der Lage in ihren Ländern geben.

Trump reagierte wie üblich auf Twitter. Er kenne den Botschafter nicht, aber er sei nicht beliebt, schrieb er. Auch May und ihren Brexit-Kurs attackierte Trump mit scharfen Worten: "Was für ein Durcheinander sie und ihre Vertreter angerichtet haben. Ich habe ihr gesagt, wie man es machen sollte, aber sie hat sich entschieden, einen anderen Weg zu gehen." Aber es gebe da eine "wundervolle Nachricht": Bald werde Großbritannien einen neuen Premierminister haben.

Im Rennen um die Nachfolge von May stehen sich Ex-Außenminister Boris Johnson und Außenminister Jeremy Hunt gegenüber. Trump hat sich immer wieder lobend über Johnson geäußert.

Nur für die britische Königin Elizabeth II. fand Trump freundliche Worte. Bei seinem "herrlichen" Staatsbesuch in Großbritannien im vergangenen Monat sei er am meisten von der Queen beeindruckt gewesen, twitterte der US-Präsident am Montag. (dpa)