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Afrikanerin kann jetzt Sächsisch

Eine Deutsch-Lehrerin aus Togo ist zu Besuch in Marschwitz. Sie genießt die Ruhe. Im Unterricht steht sie teilweise vor 106 Schülern in einer Klasse.

© André Braun

Von Sylvia Jentzsch

Leisnig. Sie ist aufgeschlossen, witzig und sehr intelligent – Adjoa Tamandta (38) aus Togo. Die Afrikanerin unterrichtet Deutsch an einem Gymnasium und ist für vier Wochen in Deutschland. Hier fühlt sie sich, wie sie sagt, wie Alice im Wunderland.

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Nach Deutschland gekommen ist sie mithilfe der gemeinnützigen Austauschorganisation „Experiment“ in Kooperation mit dem Goethe-Institut. Zwei Wochen war Adjoa Tamandta am Goethe-Institut in Dresden. Hier lernte sie unter anderem Methoden, wie sie in größeren Gruppen effektiv unterrichten kann. Das ist auch wichtig, denn die Deutschlehrerin hat in den Gymnasisalklassen mehr als 100 Schüler in einer Klasse. In der Sekundarstufe sind es zwischen 80 und 90. Die Schulpflicht geht bis zur sechsten Klasse. Anschließend muss für die Bildung in der Realschule oder im Gymnasium bezahlt werden.

„Außerdem wurde uns im Institut vermittelt, wie wir unsere Schüler noch besser für das Lernen der deutschen Sprache motivieren können“, sagte Adjoa Tamandta, die selbst sehr gut Deutsch spricht und noch besser lesen und schreiben kann. Auch die Grammatik sei perfekt, bestätigt Marina Heider.

Adjoa Tamandta will sich mit ihren Kollegen treffen, um ihnen das in Deutschland Gelernte zu vermitteln und vom Leben hier zu erzählen. Die ersten zwei Wochen hat sie viel mit den Mitarbeitern des Goethe-Institutes unternommen. Ausflüge führten sie unter anderem ins Grüne Gewölbe in Dresden, zur Bastei, in die Semperoper, nach Leipzig und Berlin. Adjoa Tamandta ist vor allem von den vielen alten und mächtigen Gebäuden begeistert.

Seit vergangener Woche ist sie für zwei Wochen zu Gast bei Marina Heider in Marschwitz. Sie hat sich sozusagen als Gastgeberin bei der Austauschorganisation gemeldet. Und ist sehr froh, diesen Entschluss gefasst zu haben. „Wir haben uns sofort verstanden und haben den gleichen Humor“, sagte Marina Heider. Ihre vier Kinder seien aus dem Haus, der Platz also da. „Außerdem ist meine Tochter ein Sprachgenie und hat viele Jahre in verschiedenen Ländern verbracht, um sich die Sprache anzueignen. Auch sie wurde von Gastfamilien aufgenommen. Ich wollte etwas zurückgeben“, so Marina Heider. Sie habe sich auf dem Internetportal der Austauschorganisation angemeldet. Dort stellen sich auch diejenigen vor, die eine Gastfamilie suchen. Und so fanden sich Marina Heider aus Marschwitz und die aus dem fast 5 000 Kilometer entfernt stammende Adjoa Tamandta aus Notsö in Togo.

„Es ist einwandfrei, so als hätten wir uns gesucht und gefunden“, sagte die Marschwitzerin. Sie habe viel mit ihren Freunden und Adjoa Tamandta unternommen. Wichtig sei ihr gewesen, die Schönheiten von Sachsen zu zeigen, aber auch darauf hinzuweisen, dass es in Deutschland nicht nur Wunder gibt.

„Wir waren auf der Burg Mildenstein, in der Porzellanmanufaktur und im Leipziger Zoo“, sagte Marina Heider. Das Witzige sei gewesen, dass obwohl Adjoa Tamandta aus Afrika komme, sie noch keinen Löwen oder Giraffen aus der Nähe gesehen habe. „Das war ein tolles Erlebnis“, sagte die Deutschlehrerin. Sie fand auch die Musicaldarbietung auf der Seebühne fantastisch und hatte viel Spaß mit Marina Heider beim Einkaufen. „Adjoa liest gern, vor allem Märchen. Deshalb habe ich ihr ein Märchenbuch der Brüder Grimm gekauft“, sagte die Marschwitzerin. Überhaupt hat Adjoa Tamandta viel mit Lesen zu tun. In ihrer Heimat betreibt sie mit drei Kolleginnen eine kleine Bibliothek. Die Bücher dafür stammen von einer Freundin aus Frankreich. Französisch ist die Amtssprache, die alle Schüler lernen müssen. Die Muttersprache Lamba hat 42 Dialekte.

Und weil Adjoa Tamandta gern wissen wollte, wie in Deutschland eine Bibliothek funktioniert, hat sie zwei Tage lang den Bibliothekarinnen der Leisniger Bibliothek bei der Arbeit über die Schultern geschaut. Auch von hier nimmt sie einige Anregungen für ihre Arbeit mit. Überhaupt liebt die Frau aus Togo alles, was mit Kommunikation zu tun hat. So moderiert sie jeden Sonntag eine Stunde lang im lokalen Radiosender.

Nicht nur Adjoa Tamandta profitiert vom Austausch. Auch Marina Heider nimmt etwas für sich und die Zukunft mit. Das beginnt beim Genießen der Speisen und bei der gesunden Ernährung und geht über das Loslassen von strengen, strukturierten Lebensregeln. „Für mich war es ein wunderbares Erlebnis, Adjoa kennengelernt zu haben und mehr über das Leben der Afrikanerinnen zu erfahren. Leider endet diese Zeit am Sonnabend“, so Heider. Die Lehrerin hat nicht nur ihr Deutsch verbessert. Sie kann jetzt auch einige sächsische Worte und hat jede Menge Spaß dabei, sie auszusprechen.