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Afrikanische Schweinepest rückt näher

Mit Aufklärungskampagnen und Stabsübungen bereiten sich Sachsens Seuchenschützer auf den Ernstfall vor.

Auch Friedel, der zahme Wild-schweineber im Sonnenhof Ossig, könnte von der Krankheit betroffen werden. Damit sich die Afrikanische Schweinepest gar nicht erst ausbreiten kann, sollte jedermann einige Regeln beachten.
Auch Friedel, der zahme Wild-schweineber im Sonnenhof Ossig, könnte von der Krankheit betroffen werden. Damit sich die Afrikanische Schweinepest gar nicht erst ausbreiten kann, sollte jedermann einige Regeln beachten. © Dietmar Thomas

Dresden/Kamenz. Die Dänen bauen bereits einen Schutzzaun. Bis zum Herbst soll die Grenze zu Deutschland für Wildschweine komplett abgeriegelt sein. Und das, obwohl hierzulande noch kein einziger Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) aufgetreten ist. Dennoch darf die Gefahr auch in Sachsen nicht unterschätzt werden. Seit einigen Jahren breitet sich die Tierseuche aus Richtung Osteuropa gen Westen aus. In Polen hat sie die Gegend rund um Warschau erreicht, in Tschechien das mährische Zlin. Und voriges Jahr im September wurde sie bei belgischen Wildschweinen nachgewiesen. Die Einschläge rücken also näher. Würde die Schweinepest auf hiesige Mastanlagen übergreifen, hätte das für die Landwirte in der Region verheerende Folgen. Nicht nur, dass die betroffenen Bestände komplett gekeult werden müssten. Es würden außerdem Sperrbezirke eingerichtet, und die darin liegenden Agrarbetriebe unterlägen Handels-, Transport- und Schlachtverboten. Das kann an die wirtschaftliche Existenz gehen.

Was macht die Tierseuche so gefährlich?

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Vor allem die Tatsache, dass es bisher kein Gegenmittel und keinen vorbeugenden Impfschutz gibt. Nahezu 90 Prozent der befallenen Schweine verenden. Zudem kann die ASP sowohl über lebende Tiere als auch über Fleischprodukte weitergeschleppt werden. Das Virus überlebt besonders lange bei kalten Temperaturen. Etwa 1000 Tage in gefrorenem Fleisch und 140 Tage in luftgetrocknetem Schinken sind kein Problem. Hier liegt auch das Risiko der Weiterverbreitung durch den Menschen. Wird ein kontaminiertes Schinkenbrötchen weggeworfen und von einem Wildschein gefressen, erkrankt dieses an der Afrikanischen Schweinepest und steckt die anderen Tiere in der Rotte ebenfalls an. Die gute Nachricht: Für den Menschen ist das ASP-Virus absolut ungefährlich – niemand muss sich vor einer Übertragung durch Lebensmittel fürchten.

Was bedeutet das nun für die Landwirte?

Strikt verboten ist die Verfütterung von Speise- und Küchenabfällen. Sie können aus Regionen stammen, in denen die ASP grassiert und kontaminiert sein. Außerdem müssen Schweinehalter Biosicherheitsmaßnahmen ergreifen, durch die der Kontakt zu Wildtieren ausgeschlossen wird. Das gilt auch für Hobbyhalter, die beispielsweise Hängebauchschweine haben.

Wie können Jäger zur Seuchenprophylaxe beitragen?

Vor allem durch stärkere Bejagung. Dichte Wildschweinbestände können die Ausbreitung von ASP beschleunigen. Der Freistaat Sachsen hat deshalb die ganzjährige Jagdzeit für Schwarzwild eingeführt. Die vorgeschriebene Trichinenuntersuchung bei erlegten Schwarzkitteln kann auch für die ASP-Beprobung genutzt werden.

Welche Verhaltensregeln sollten die Bürger beachten?

Speise- und vor allem Wurstreste nicht an öffentlichen Stellen wie zum Beispiel Rastplätzen entsorgen. Schon gar nicht außerhalb der dafür vorgesehenen verschließbaren Mülltonnen. Tote Wildschweine immer beim zuständigen Jäger oder bei der Jagdbehörde des Landratsamtes melden. Bei Wildunfällen den direkten Kontakt mit einem verendeten oder verletzten Tier unbedingt vermeiden. Möglichst keine Schweinefleischprodukte aus dem Ausland mitbringen.