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Agrarminister für schonendere Tierhaltung

© dpa/Paul Zinken

Für bessere Tierhaltung, die zudem stärker dem Klimaschutz beiträgt, haben sich Regierungsvertreter aus 69 Staaten am Rande der Agrarmesse Grüne Woche bekannt. Zugleich gab es in Berlin eine Demo für die Agrarwende.

Berlin. Regierungsvertreter aus 69 Staaten haben sich am Rande der Agrarmesse Grüne Woche zu einer besseren weltweiten Tierhaltung bekannt, die auch stärker zum Klimaschutz beitragen soll. Für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung müsse die Produktion weiter ausgebaut werden, sagte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) am Samstag nach einer Konferenz mit internationalen Amtskollegen in Berlin. In der globalisierten Welt dürften das Tierwohl und Folgen für Umwelt und Klima aber nicht vernachlässigt werden. In der Abschlusserklärung des Treffens werden als Instrumente unter anderem eine verstärkte Forschung und der Erhalt von Weideflächen genannt.

Mit Treckern und Kochtöpfen zogen am Samstag tausend Bauern und Umweltaktivisten ins Regierungsviertel in Berlin: Unter dem Motto „Wir haben es satt“ traten sie für eine ökologischere Landwirtschaft ein. Mit dem Protestmarsch wollten sie parallel zur Grünen Woche und am Ende der Agrarministerkonferenz ein Zeichen gegen die Industrialisierung der Agrarwirtschaft setzen. Die Demonstranten forderten mehr Tempo für eine Ernährungswende. Eine bunte Parade aus Dutzenden Traktoren begleitete den Protestzug. Transparente wie „Wir haben’s glyphosatt“, „Kein Schwein braucht Tierfabriken“ und „Ohne Bienen ist kein Staat zu machen“ waren neben bunten Luftballons zu sehen.

„Die industrielle Land- und Ernährungswirtschaft verursacht lokal und global Probleme für Bauern, Klima, Tiere und Umwelt“, sagte Jochen Fritz, Sprecher der mehr als 100 Organisationen, die zur Demo aufgerufen hatten. „Der Umbau hin zu einer umwelt-, tier- und klimafreundlichen Landwirtschaft, in der Bauern gut von ihrer Arbeit leben können, darf von der Politik nicht weiter aufgeschoben werden.“ Essen sei politisch - und eine Agrarwende dringend nötig.

Das Demonstrationsbündnis rief die Regierungsparteien auf, in einem ersten Schritt das Unkrautgift Glyphosat zu verbieten. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hatte sein Ja zur EU-Zulassung im vergangenen Jahr im Alleingang gegeben. Die Protestierer forderten darüber hinaus mehr Geld für den Umbau der Tierhaltung. „Damit Schweine wieder Tageslicht sehen und Kühe auf Weiden grasen können“, sagte Fritz.

Die Liste der Forderungen ist lang: Sie reicht von der Kennzeichnungspflicht bei tierischen Lebensmitteln über das Verbot von Reserve-Antibiotika in der Tierhaltung bis hin zu fairen Marktregeln zum Schutz von Bauernhöfen. Es gehe auch darum, Exportorientierung und Landkonzentration weltweit zu überdenken, sagte Fritz. „Es gibt gute Gründe, die Dinge zu verändern: Artensterben, Grundwasserverschmutzung und Billigexporte nach Afrika“, ergänzte Anton Hofreiter, der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag.

Nach Angaben der Veranstalter kamen mehr als 20 000 Menschen zur Demonstration, darunter rund 150 Bauern samt ihrem Trecker. „Einige Landwirte sind per Traktor sogar aus Süddeutschland angereist. Trotz des Sturms“, sagte Sprecher Christian Rollmann. Das Netzwerk „Wir haben es satt“ wird unter anderem von den Organisationen „Brot für die Welt“, Deutscher Tierschutzbund sowie den Umweltverbänden Nabu und BUND unterstützt. (dpa)