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Aids-Hilfe berät bis zu 1 000 Betroffene pro Jahr

Aus ganz Deutschland melden sich Menschen bei dem Verein aus der Neustadt. Bei Weitem nicht alle sind mit HIV infiziert.

Von Annechristin Bonß

Die Dresdner Aids-Hilfe betreut zurzeit 48 Menschen, die positiv auf den HIV-Virus getestet wurden. In den Beratungen geht es nicht nur um Fragen zur Therapie. Die Probleme der Betroffenen sind vielschichtig. Schulden, Arbeitslosigkeit, mitunter Obdachlosigkeit und Diskriminierung zum Beispiel am Arbeitsplatz machen es den Menschen schwer. Und immer wieder die Frage, wie und wann erzähle ich wem von der Infektion. Es ist vor allem der Kampf gegen die Stigmatisierung, mit dem die drei Mitarbeiter der Aids-Hilfe zu tun haben.

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Seit 1990 gibt es den Verein. Prävention, Beratung und Betreuung sind die Hauptaufgaben. Bis zu 100 Veranstaltungen zur sexuellen Aufklärung an Schulen stehen auf dem Programm des Vereins. Hinzu kommt die Beratung von Ärzten und Pflegepersonal. Zwischen 800 und 1 000 Menschen suchen zudem pro Jahr Beratung. Die meisten am Telefon, durchaus auch von außerhalb Sachsens. Die Dresdner beteiligen sich an einem deutschlandweiten telefonischen Beratungsangebot. „Unser großes Thema sind nicht die therapierten positiv getesteten Personen“, sagt Mitarbeiter Christian Willno. „Unser Problem sind die, die sich nicht testen lassen.“ Gerade die Ungewissheit mache es schwer, zu helfen. Dabei sind Medizin und Forschung bei HIV schon sehr weit. „Nach einem halben Jahr funktionierender Therapie ist ein HIV-positiver Mensch nicht mehr infektiös“, sagt der 38-Jährige. Ein Fakt, der kaum bekannt ist.

Mit verschiedenen Aktionen sorgen der Verein und ein Team von 16 Ehrenamtlichen für Aufklärung. Das junge Team ist in Dresdens Nachtleben, auf Partys und zum Beispiel auf dem Christopher Street Day unterwegs. Noch immer gelten schwule Männer als die Hauptgruppe, wenn es um eine Infektion mit HIV geht. Die Ehrenamtlichen der Aids-Hilfe verteilen Kondome, informieren über die Gefahren und stehen bereit für Anfragen. Die kommen durchaus auch in den Dresdner Clubs. Die Präsenz soll Scham und Angst nehmen, über HIV, eine mögliche Ansteckung und Vorsorge zu sprechen. Unter anderem auch über den HIV-Test. Der ist in Sachsen kostenfrei und anonym. 2017 wurden 2 800 dieser Tests in Dresden durchgeführt.

Unter anderem für ihre ehrenamtliche Arbeit will die Aids-Hilfe die 1 000 Euro nutzen, die sie jetzt als Spende bekommen hat, sagt der Vereinsvorsitzende Ricardo Schulze. Das Geld stellen die AOK Plus sowie die Hersteller der Dresdner Essenz zur Verfügung. Anlass ist die Aktion der Stadt „DresdenzeigtSchleife“ Ende Dezember. Zwar wird die Aids-Hilfe zu 90 Prozent von Stadt und Land finanziert. Auf Spenden sind die Helfer dennoch angewiesen.