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Air Berlin feiert 30. Geburtstag in turbulenter Zeit

Im Jubiläumsjahr rechnet die zweitgrößte deutsche Fluglinie nur mit Wachstum in der Heimat.

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Von Sascha Meyer

Berlin. Für Air-Berlin-Chef Joachim Hunold wird es ein Festtag in turbulenter Zeit. Inmitten der Branchenkrise feiert Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft heute ihren 30. Geburtstag. Es ist die Geschichte eines Aufstiegs vom kleinen Unternehmen mit zwei Maschinen zum börsennotierten Luftfahrtkonzern. Zum Firmenjubiläum ist der selbstbewusste Boss nach Jahren in der Offensive aber als Krisenmanager gefragt. Wegen der Konjunkturflaute muss er Strecken streichen und Kapazitäten kappen, um die Kosten unter Kontrolle zu halten. Über Tarifgesprächen mit den Piloten schweben Streikdrohungen. Stabilisierung bringen sollen da zwei neue Großaktionäre. Als neuen Investor präsentierte Hunold die türkische ESAS Holding, Betreiberin der Fluglinie Pegasus, die 15,3 Prozent übernehmen will. Mit dem Reiseriesen Tui besiegelte der Manager zudem eine Allianz mit einer Überkreuzbeteiligung von jeweils 19,9 Prozent an Air Berlin und der Tui-Flugtochter Tuifly.

Den Jahrestag des Erstflugs am 28. April 1979 von Berlin-Tegel nach Palma de Mallorca begeht der 59-Jährige an zwei Schauplätzen: Vormittags bei der Eröffnung eines Hangars am Flughafen Düsseldorf, der seit dem Kauf des dortigen Ferienfliegers LTU die zweite wichtige Heimatbasis ist. Den Abend krönen soll eine Gala in einem Berliner Hotel, bei der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Aufwartung macht. Für Hunold sind es besondere Orte – stieg er doch einst als Marketingleiter bei der LTU aus, ehe er 1991 das Ruder bei Air Berlin übernahm, die 1978 als US-Unternehmen gegründet worden war.

Im Tagesgeschäft setzt der erklärte Angreifer notgedrungen schon seit mehreren Monaten auf kontrollierte Defensive. Nach dem Zuwachs auf 28,6 Millionen Reisende 2008 kalkulieren seine Planer für 2009 mit maximal 27,3 Millionen Gästen. Die Sitzauslastung der Jets von zuletzt 78,4 Prozent soll tunlichst über 77 Prozent gehalten werden. Denn Reiseveranstalter ordern wegen ausbleibender Buchungen derzeit weniger Plätze. Und auch der Geschäftsreiseverkehr, den Air Berlin sorgsam pflegt, schwächelt. Nur auf innerdeutschen Routen peilt Hunold 2009 Wachstum an, während das Interkontinentalgeschäft stark zurückgefahren wird. „Die Langstrecke ist fester Bestandteil der Strategie“, beteuert er aber nach wie vor.

Trotz Krise und des harten Konkurrenzkampfes in der Branche setzt Hunold denn auch auf Zuversicht: „Ich bin fest davon überzeugt, dass es uns auch noch in fünf bis zehn Jahren geben wird.“ (dpa)