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Air France-KLM will Alitalia kaufen

Der angestrebte Verkauf der maroden italienischen Fluggesellschaft Alitalia geht in die nächste Runde.

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Rom/Paris - Air France-KLM hat am Donnerstag schriftlich ihr Interesse an einer Übernahme erklärt. Jedoch wollte der französisch-niederländische Konzern angesichts der großen Risiken kein verbindliches Kaufangebot abgeben. Auch die zweitgrößte italienische Airline Air One und ein Konsortium um den Juristen Antonio Baldassare kündigten an, Interesse zu haben. Die Deutsche Lufthansa will hingegen derzeit nicht für eine Übernahme bieten. Alitalia hatte zuletzt eine neue Frist für die Abgabe von Angeboten gesetzt, die am Donnerstag auslief.

„Nach derzeitigem Erkenntnisstand bietet die Lufthansa bei Alitalia nicht mit, obwohl die Marken gut zusammenpassen.“ In der Gesamtschau seien die Kosten zu hoch, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther. Eine Sprecherin fügte hinzu, für eine Übernahme würden der interessante Markt in Italien, das gute Management und das ausgebaute Netz der Alitalia sprechen. Nachteilig sei aber die Finanzplanung und der drohende Verlust der guten Bonitätseinstufung der Lufthansa im Fall einer Übernahme.

Die italienische Regierung versucht schon länger, mindestens 39,9 Prozent ihres 49,9-Prozent-Anteils an Alitalia zu veräußern. Ein erstes Bieterverfahren war im Juli jedoch an den hohen Preisvorstellungen und strengen Bedingungen aus Rom gescheitert. Interessenten wie Aeroflot waren dabei schließlich ganz ausgestiegen. Die Fluglinie häuft bereits seit Jahren massive Verluste an und gilt als Sanierungsfall.

„Wir brauchen jetzt einen Unternehmensplan, der die Gesellschaft saniert und stärkt und der den italienischen Bürgern wieder eine effiziente Fluglinie zurückgibt“, hatte Ministerpräsident Romano Prodi am Mittwoch erklärt. Wer der neue Besitzer werde, sei unwichtig, nur die Strategie zähle, betonte er. Bis Mitte Dezember soll nun der Kandidat ausgewählt werden, mit dem Exklusivverhandlungen geführt werden sollen.

In einem Brief an den Alitalia-Verwaltungsrat schlug Air France-KLM ein „Projekt zur Rückeroberung des italienischen Marktes“ unter dem Dach der Air France-KLM vor. Die Marke Alitalia solle erhalten bleiben. Einen Kaufpreis nannte die nach Umsatz weltgrößte Fluggesellschaft nicht. Nach Informationen der Pariser Finanzzeitung „La Tribune“ ist Air France-KLM nicht bereit, den als „überzogen“ gewerteten Börsenwert von 1,1 Milliarden Euro zu zahlen.

Die italienische Finanzpresse schrieb, dass auch die Lufthansa und die italienische Air One Angebote für Alitalia vorlegen wollten. Die Lufthansa soll danach geplant haben, 3500 bis 5000 Stellen bei Alitalia zu streichen und 50 der 185 Flugzeuge aus dem Verkehr zu ziehen. Die Franzosen wollen Alitalia angeblich um 2700 Stellen und 30 Flugzeuge verkleinern und die Flüge künftig mehr über den römischen Flughafen Fiumicino statt über Mailand-Malpensa abwickeln. Air One plant nach Medienberichten hingegen einen Ausbau der Langstreckenverbindungen mit 17 neuen Flugzeugen und rund 2500 Stellenkürzungen. Baldassare, der früher Chef des Staatsfernsehens RAI war, werden hingegen nur wenige Chancen eingeräumt. Verbindliche Angebote werden bis zum Frühjahr erwartet.

Dem „Handelsblatt“ (Donnerstag) zufolge ist Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber mit seinem Wunsch, Alitalia zu kaufen, am Mittwochabend im Aufsichtsrat auf Widerstand gestoßen. Aufsichtsratschef Jürgen Weber und Vertreter der Arbeitnehmerseite seien gegen den Plan.

Air France-KLM verfügt über rund 600 Flugzeuge und ist hoch profitabel. Angesichts des schnellen Wachstums der Golf- Fluggesellschaften sucht das Unternehmen aber Übernahmemöglichkeiten. Im Visier ist neben Alitalia vor allem die spanische Iberia. An der Börse legten die Aktien von Air France bis zum Mittag um 4,86 Prozent auf 24,39 Euro zu. (dpa)