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Politik

AKK in Mali: Bloß keine Fehler

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ist in afrikanischen Krisenstaaten unterwegs. Dort konzentriert sie sich auf die Sicherheitspolitik.

Die Ministerin reist nach Westafrika, um deutsche Soldaten zu besuchen
Die Ministerin reist nach Westafrika, um deutsche Soldaten zu besuchen © dpa

Von Carsten Hoffmann und Anne-Beatrice Clasmann

Annegret Kramp-Karrenbauer schreibt und schreibt. Den Notizblock hat die Verteidigungsministerin immer dabei, wenn Kommandeure zu Lageberichten ansetzen. Oberst Christian Schmidt trägt am Montag in Koulikoro zur "Lage gegnerischer Kräfte" in Mali vor. Die Bundeswehr ist in dem westafrikanischen Krisenstaat, der von terroristischen Angriffen und organisierter Kriminalität erschüttert wird, an zwei Militäreinsatzen beteiligt - unter dem Dach der Vereinten Nationen und der Europäischen Union.

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Es ist der zweite Tag einer Reise, bei der die CDU-Chefin die Berliner Politik und womöglich auch eigene Parteifreunde stets im Nacken sitzen. In der Truppe hat sie sich seit dem Amtsantritt einen Ruf als gute Zuhörerin mit einer herzlichen Nahbarkeit erworben, die so vor den Fernsehkameras nicht rüberkommt. In der Heimat wird ihre Führungskraft wieder mal hinterfragt und ob sie als Kanzlerkandidatin der Union geeignet ist.

Die öffentliche Zustimmung scheint im Keller. In zwei neuen Umfragen erhielt AKK zuletzt wenig Unterstützung für eine mögliche Kanzlerkandidatur. Nur 29 Prozent der von Kantar Public für die sogenannte "Spiegel"-Politikertreppe Befragten wünschen sich für sie eine "wichtige Rolle". Im Vergleich zum vergangenen Dezember - also kurz nach ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden - ist das nur noch die Hälfte. In einer Insa-Umfrage für die "Bild"-Zeitung antworteten nur 29 Prozent auf die These "Ich traue Annegret Kramp-Karrenbauer das Kanzleramt nicht zu" mit "Stimme nicht zu". 63 Prozent stimmten der These zu.

Die "Bild" berichtete am Montag auch, das Verteidigungsministerium habe einen Auftritt ihres Unionskollegen und - man darf sagen - innerparteilichen Konkurrenten Jens Spahn vor der Truppe in Mali verhindert. Der Gesundheitsminister habe ihr mit einem Auftritt vor den Soldaten nicht zuvorkommen sollen. Das Verteidigungsministerium weist das zurück und erklärt, es habe keine offizielle Anfrage gegeben.

Und doch: Kramp-Karrenbauer ist nicht das einzige Kabinettsmitglied, das in diesen Tagen in Afrika seine Krisentauglichkeit unter Beweis stellen kann. Spahn war gerade im Kongo und drei anderen afrikanischen Ländern, um sich ein Bild vom Kampf gegen die Ebola-Epidemie zu machen. Spahn, der seit Monaten eine Initiative nach der anderen anschiebt, ist für einen Gesundheitsminister überhaupt recht oft international unterwegs - zum Beispiel um Pflegekräfte für Deutschland anzuheuern.

Sein Name wird - ebenso wie der von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet - häufig genannt, wenn in Unionskreisen intern über die schwachen Umfragewerte der CDU-Vorsitzenden und mögliche Alternativen für die Kanzlerkandidatur gesprochen wird. Dass in der K-Frage auf dem Bundesparteitag, der am 22. November in Leipzig beginnt, schon die Weichen neu gestellt werden, ist allerdings unwahrscheinlich.

Denn erstens wird sich erst zwei Wochen später - nach dem SPD-Parteitag - entscheiden, wie lange die große Koalition noch hält. Und zweitens will die CSU da auch noch ein Wörtchen mitreden. Zumal sich einzelne CSU-Mitglieder auch Ministerpräsident Markus Söder in dieser Rolle vorstellen könnten.

Dass über die Söder-Option überhaupt nachgedacht wird, offenbart aus Sicht mancher CDU-Funktionäre nur, wie groß die Ratlosigkeit ist. Und dass Grünen-Chef Robert Habeck in einer am vergangenen Wochenende veröffentlichten Umfrage im Auftrag des "Spiegel" deutlich mehr Zuspruch erhielt als Kramp-Karrenbauer, Söder oder Laschet trug denn auch nicht gerade dazu bei, die Laune zu heben.

Natürlich gibt es auch noch etliche CDU-Promis, die glauben, AKK könne mit Ministeramt und guter Beratung beliebter werden. Doch auch ihnen entgeht nicht, dass die Parteichefin nach der harschen Kritik von politischen Gegnern und Kommentatoren so vorsichtig geworden ist, dass sich so mancher Bürger fragt, wofür sie eigentlich genau steht.

Einige denken vielleicht auch noch an Friedrich Merz. Der frühere Unionsfraktionschef gilt manchen zwar irgendwie als Mann von gestern, war aber letztlich bei der Wahl zum Parteivorsitzenden im vergangenen Dezember nur knapp unterlegen.

Kramp-Karrenbauer gibt sich in Mali unbeeindruckt, setzt auf ihre Themen und den Kontakt zu den Soldaten. In Niger traf sie einen Kampfschwimmer, der dort bei der "Operation Gazelle" Spezialeinheiten für den Kampf gegen Terroristen und kriminelle Banden ausbildet. Er demonstrierte ein sogenanntes Tourniquet, mit sich Gliedmaßen abbinden lassen, um das Verbluten zu verhindern. "Frau Ministerin" wird zur Anprobe gebeten und hält dem Kampfschwimmer ihren linken Arm zu Demonstrationszwecken hin. (dpa)