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Akrobatik ohne Zirkuszelt

Chinesischer Nationalcircus gastiert in Löbau. Aber die Bühne der Messehalle war nicht für alle Zuschauer gut einsehbar.

© Rafael Sampedro

Von Constanze Junghanß

Löbau. Europaweit tourt der Chinesische Nationalcircus. Die als legendär angepriesene Originalproduktion aus dem Reich der Mitte zog seit 1989 bis heute mehr als zehn Millionen Besucher in ihren Bann. Diese Zahl wird in der Broschüre des Nationalcircus genannt. Und am Sonnabend kamen durch das Gastspiel in Löbau weitere rund 900 Besucher dazu.

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Zutritt nicht verboten, sondern erwünscht

Den Politikern über die Schultern schauen und die Zeitungsproduktion live erleben – das geht auch zusammen. 

Trotz teils eisglatter, verwehter Straßen hatten sich die Zuschauer auf den Weg gemacht, um die Aufführung der berühmten Künstlergruppe in der Messehalle zu erleben. Mit dabei Gudrun Hohenwald aus Zittau. „Meine Enkelkinder schenkte mir die Eintrittskarte zum Geburtstag“, sagte sie und freute sich sehr auf das Programm. Das war für Löbau auch eine Premiere, wie Messepark-Geschäftsführer Joachim Birnbaum der SZ bestätigte. Der Chinesische Nationalcircus gastierte erstmals in der Stadt am Berge. Allerdings mit Startschwierigkeiten, die nicht am Programm gelegen hatten. Die Messehalle bot schlicht und einfach nicht den idealsten Überblick für alle Zuschauer. Vor allem die Besucher links von der Bühne in den vorderen Reihen bekamen da Probleme: Als im ersten Teil der Vorstellung eine Akrobatin direkt vor dem mittigen Bühnenbild ihre Kunst zeigte, war sie schlicht und einfach überhaupt nicht zu sehen. Ebenso wenig das Bühnenbild selbst: eine Leinwand mit Kronenleuchtermotiv. Nur die Fußspitze der Künstlerin blitze ab und an hinter einem schwarzen Vorhang hervor.

So machte sich anfangs einiger Unmut in den vorderen Rängen breit. „Die Karten waren mit immerhin fast 40 Euro pro Person nicht ganz billig“, sagte Frank Schubert, der zusammen mit seiner Frau Ingrid und Tochter Sybille die Veranstaltung besuchte. Das Ambiente gefalle dementsprechend eigentlich nicht – „trotz der tollen Künstler“ - wie Frank Schubert extra betonte. Doch für den Preis wolle man auch etwas sehen können. „Wir hoffen, dass es da auf die Kritik hin künftig Verbesserungen beim Veranstaltungsort gibt“, sagte er. Joachim Birnbaum und das Thomann-Künstler Management als Veranstalter hatten das Problem allerdings auch recht schnell erkannt und Gästen, denen der ideale Blickwinkel fehlte, spontan einen Platzwechsel in Richtung Mittelgang angeboten. Dort waren noch Stühle frei . Das Angebot drang jedoch nicht bis zu Familie Schubert, die aus Herrenhut angereist waren, durch. Bedeutend besser sichtbar wurde das Programm dann auch für alle Zuschauer im Saal, als die Darbietungen ausschließlich im vorderen Bühnenbereich stattfanden.

Die Truppe präsentierte eine Kunst fernab von Vorführungen, die üblicherweise hierzulande mit dem Begriff „Zirkus“ verbunden sind. Die Künstlerformation zeigte eine bunte Mischung aus Varieté, Akrobatik, Tanz und Clownerie – durchgängig begleitet von einem Pianisten. „Hongkong Hotel – Die Welt zu Gast im Reich der Mitte“, heißt die aktuelle Tournee vom Chinesischen Nationalcircus, der 2017 durch Frankreich reiste und nach eigenen Angaben jährlich bis zu 160 Gastspielstätten besucht. In Löbau gab es trotz der Sichtproblematik am Anfang ein dankbares Publikum, gepaart mit Zwischenapplaus. Diabolos und Strohhüte flogen durch die Luft, eine Künstlerin im pinken Kleid wirbelte und drehte mit ihren Händen und Füßen sieben Papierschirme gleichzeitig im Liegen. Der Tanz eines Paares erinnerte an Ballett und fand seinen Höhepunkt im einarmigen Handstand der Tänzerin auf dem Kopf des Artisten. Hoch hinaus ging es ebenso auf einer Stuhlpyramide, auf deren Spitze die Artistin – gesichert mit einem Seil - turnte.

Zwei Frauen aus Bautzen haben die Karten für die Veranstaltung bei einer Verlosung gewonnen, wie sie erzählten. „Wir warten noch auf irgendetwas besonders Spektakuläres“, sagte eine von ihnen in der Pause. Es sind jedoch eher die leisen und fein ausgearbeiteten Kunststücke, die der Nationalcircus zeigt: Biegsame Mädchen, die im Vierergespann übereinander Brücken bilden oder sich durch Röhren schieben, der Clown, der mit zusammen geklebten Koffern über die Bühne schwankt, als wären die Koffer zu jonglieren. Ein Zirkus, der ohne Tiere auskommt – auch das schätzten die Besucher.