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Alarm am Amtsgericht

Ein Mitarbeiter findet ein ominöses Päckchen unter der Eingangstür – und ruft die Polizei.

© Feuerwehr Glaubitz

Von Britta Veltzke und Christoph Scharf

Riesa. Aufregung am Amtsgericht: Ein Mitarbeiter hat am Dienstagmorgen gegen 7 Uhr ein mehrfach zusammengefaltetes Blatt entdeckt, das unter der Tür des Haupteingangs steckte. Nach Angaben von Amtsgerichtsdirektor Herbert Zapf war darauf etwas „grünes Glasartiges“ festgeklebt. „Es sah aus wie eine Glasscherbe.“ Da sich die Tür nicht öffnen ließ, ohne das verdächtige Bündel beiseite zu schieben, rief der Kollege die Polizei. „Aber weder die Polizei noch die Feuerwehr, die später dazu kam, wusste etwas damit anzufangen“, sagt Zapf. Das karierte Papier wurde offenbar mit einem Kuli beschrieben und der grünliche Gegenstand mit einem breiten Streifen Klebeband darauf befestigt.

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Dieser Brief steckte Dienstagmorgen unter der Tür des Amtsgerichts.
Dieser Brief steckte Dienstagmorgen unter der Tür des Amtsgerichts. © Amtsgericht Riesa

Speziell geschulte Einsatzkräfte rückten mit einem ABC-Erkundungswagen der Feuerwehr Glaubitz an. Mit dabei war auch Wehrleiter Martin Reichstädter: „Wir haben den Gegenstand zunächst mit Messgeräten, die zum Beispiel auf Chlor, Ammoniak, Schwefelwasserstoff oder atomare Strahlung reagieren, untersucht.“ Das habe zu keinem besorgniserregenden Ergebnis geführt. Dennoch arbeiteten die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft weiter und bugsierten den Gegenstand in eine Tüte. „Die haben wir schließlich der Polizei übergeben. An dieser Stelle endet unsere Zuständigkeit“, so Reichstädter. Die Feuerwehr Glaubitz verfügt laut eigener Aussage über einen von drei ABC-Erkundungswagen im Landkreis. „In diesem Jahr mussten wir damit schon zu sieben Einsätzen ausrücken. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das viel.“

Laut Polizei wurde der Brief inzwischen auseinandergefaltet. „Auf dem Papier ist unleserliche Schrift zu sehen“, sagt Polizeisprecher Marko Laske auf Anfrage der SZ. Sonst habe das Päckchen nichts weiter beinhaltet – kein Pulver, keine Flüssigkeit. Dennoch wird die Sendung weiter untersucht. Der Fund liegt nun in der Außenstelle der Kriminalpolizei in Meißen, genauer gesagt bei der Kriminaltechnik. „Dabei geht es auch darum, Spuren zu sichern. Schließlich wollen wir wissen, wer den Brief am Amtsgericht deponiert hat“, sagt der Polizeisprecher. Der Urheber sei bislang auf jeden Fall noch nicht gefunden. Die Polizei hat die Ermittlungen wegen Verdachts der „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“ eingeleitet. Wie teuer der Einsatz war, konnte Laske nicht beziffern.

In einem vergleichbaren Fall aus Bautzen war die Sache für den Verursacher am Ende ziemlich teuer geworden: Nach drei Jahren akribischer Arbeit ermittelte die Polizei einen Rentner aus Bayern, der 2007 einen Brief mit weißem Pulver an einen Bautzener Rechtsanwalt geschickt hatte. Der Fund hatte einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr ausgelöst, weil seinerzeit in den USA lebensgefährliche Milzbrand-Erreger ebenfalls als weißes Pulver verschickt worden waren.

Der Empfänger des Briefs landete in einer Quarantänestation im Krankenhaus, die Straßen um seine Kanzlei wurden weiträumig abgesperrt und eine Entgiftungsstation aufgebaut.

Zugang durch den Hintereingang

Der Sendung hatte damals eine Art Drohbrief beigelegen. Die Ermittler konnten eine DNA auf der Sendung sichern und die Herkunft räumlich auf den Raum Regensburg eingrenzen. Schließlich stießen sie auf einen Rentner, dessen Sohn von dem Bautzener Juristen in einer gewerberechtlichen Angelegenheit abgemahnt worden war. Laut Staatsanwaltschaft habe der Senior dem Anwalt wohl einen „Denkzettel“ verpassen wollen. Dafür erhielt der Verfasser des Briefs 2010 erst einen Strafbefehl über 5 000 Euro und anschließend noch eine Rechnung über 20 000 Euro für den Einsatz der Feuerwehr. Dabei half ihm auch nichts, dass sich das ominöse Pulver im Lauf der Untersuchung als harmloses Mehl herausgestellt hatte.

Wer weiß, vielleicht treffen sich der Urheber des jetzt aufgetauchten Briefs und Amtsgerichtsdirektor Herbert Zapf auch eines Tages: im Gerichtssaal. Solch weitreichende Auswirkungen wie in Bautzen hatte der Riesaer Vorfall allerdings nicht. Lediglich ein Einsatzwagen der Polizei war vor Ort. Auch der Betriebsablauf des Amtsgerichts war zu keinem Zeitpunkt gestört. „Besucher und Mitarbeiter konnten den Hintereingang benutzen, der normalerweise geschlossen ist“, teilt Herbert Zapf mit.