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Action in der Sächsischen Schweiz

© Daniel Förster

Zwei Tage lang werden Szenen für eine nächste Folge von „Alarm für Cobra 11“ gedreht. Eine Hauptrolle spielt: die Landschaft.

Von Daniel Förster

Zwischen zwei Felsen unter einer Brücke aus Gitterrost baumelt ein Mann an einem Seil. Er ist gefesselt, sein rechtes Bein und sein linker Arm sind in Gips. Eine schier ausweglose Situation für Kommissar Semir Gerkhan. Augenblicklich könnte er in die Tiefe stürzen. Dass er auch noch von der vietnamesischen Mafia bedrängt wird, macht die Sache für ihn nicht unbedingt besser.

Mit einer am Kran befestigten Kamera wird die dramatische Szene an der Gitterrost-Brücke eingefangen. Kommissar Semir Gerkhan (Erdogan Atalay) wird von der Mafia-Anführerin Ling Ma (Soogi Kang) bedrängt. © Daniel Förster

Eine Szene, die in diesen Tagen in der mittelalterlichen Felsenburg Neurathen gedreht wurde – für eine neue Folge der RTL-Actionserie „Alarm für Cobra 11“. Neugierige Touristen und Einheimische sahen dem Fernsehteam auch auf der Basteibrücke und auf Festung Königstein zu. Zwei Tage Action in der Sächsischen Schweiz.

Gespielt wird Autobahnkommissar Semir Gerkhan von Erdogan Atalay (50), seine Kontrahentin ist die Mafia-Anführerin Ling Ma (Soogi Kang, 60). Gedreht wird nicht irgendetwas, sondern die Pilotfolge für die 32. Staffel, die als dritter Teil der „Ost-Trilogie“ im Frühjahr 2018 ausgestrahlt wird. Warum sie den Arbeitstitel „Klassenfahrt“ trägt, bleibt zunächst das Geheimnis der Crew.

Kein Geheimnis ist, dass die Situation des todgeweihten Autobahnkommissars doch nicht ausweglos ist. Eine Szene später kommt ihm sein Partner, Kripokommissar Paul Renner, gespielt von Daniel Roesner (33), zu Hilfe. Fäuste fliegen auf dem Gitterrost über dem Abgrund. In haargenau dem gleichen Outfit, in den gleichen Sachen und genauso gestylt wie Roesner steht ein Stuntdouble bereit und erklärt dem Darsteller die richtigen Kampfbewegungen.

Vor der Kamera kommt das Double nicht zum Einsatz. Daniel Roesner und Erdogan Atalay machen viele Actionszenen selber, erzählen die Filmemacher am Set. Nur wenn es wirklich nicht anders geht oder das Risiko und groß ist, würden ihre Doubles einspringen. Ein Stuntteam sichert die Darsteller. „Paul kann in letzter Sekunde Semir vor dem Sturz von der Brücke retten“, verrät Elke Schubert von der Film- und Stuntproduktionsfirma „action concept“, die mit einem 60-köpfigen Team angerückt ist. „Es sind sehr anspruchsvolle spannungsgeladene Szenen. Schon allein, weil sie vor dieser wunderschönen Kulisse spielen, werden sie sehr eindrucksvoll rüberkommen.“ Und es sind die Schlüsselszenen am Schluss der Pilotfolge. Regelmäßig wird „Alarm für Cobra 11“ donnerstags 20.15 Uhr im Fernsehen gezeigt.

Auf der historischen Basteibrücke wird später der Showdown gedreht. Geplant ist die Übergabe des Lösegeldes an den Mafia-Boss. Doch die geht schief. Vor der Kamera fällt die Klappe für Martin Brambach („Tatort Dresden“), der Ronny Dubinski, einen fiktiven, verlorenen Sohn von DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker, mimt. Mit am Start ist Michael Specht (41), er kommt mit einem Paket voller Geldscheine angelaufen. Eigentlich hätte die Szene bereits am frühen Morgen im Kasten sein sollen. Doch der dichte Nebel über dem Elbtal hielt sich hartnäckig, sodass das Team erst am Abend drehen konnte.

Mit dem Barkas nach Weißig

Nach der Szene hat Martin Brambach einen Blick für die Felsenlandschaft. „Manchmal hat unser Job auch was Gutes. Ich bin von der Gegend völlig verblüfft. Vor allem wie unsere Vorfahren die Brücke zwischen die aufragenden Felsen gebaut haben, ist erstaunlich“, sagt der 50-Jährige, der im westfälischen Recklinghausen zu Hause ist. Bei seiner Kollegin Carina Wiese (49), in der Rolle von Semirs Frau, werden indes Erinnerungen an ihre Jugend wach. „Nicht weit von hier, in Pirna, hat meine Schauspielkarriere begonnen. Im Wismut-Theater auf dem Markt stand ich als Gerda in ‚Die Schneekönigin‘ auf der Bühne. Das war meine erste Rolle“, erzählt die gebürtige Dresdnerin. Und im Stück ‚Der kaukasische Kreidekreis‘ war sie die wahre, gute Mutter.

Während die Cops Semir Gerkhan und Paul Renner am Mittwoch zwischen Struppen, Thürmsdorf und Weißig in einem Barkas hin und herfahren, rennten Semirs Frau und der verlorene Honecker-Sohn für eine Dramaszene über die Festung Königstein. Auf dem Plateau suchen sie das passende Schloss zu einem geheimnisvollen Schlüssel. Aber das ist schon wieder ein anderes Kapitel im Film „Alarm für Cobra 11“.