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Alarm im Rathaus

Mehr als 50 Uniformierte rücken mit Blaulicht in den Klosterhof ein. Die Einsatzkräfte sind dabei ungewöhnlich jung.

© Sebastian Schultz

Von Christoph Scharf

Riesa. Schwer atmend liegt ein Junge auf einer Trage. Eine Kompresse verdeckt sein halbes Gesicht. Zwei junge Frauen in rotweißer Einsatzkleidung beugen sich über den Schüler. „Vorsichtig runterheben“, heißt es auf dem Riesaer Klosterhof. Die Trage wird gebraucht. Denn noch ist unklar, wie viele Verletzte es aus dem Untergeschoss des Klosters zu retten gilt. Vom Eingang zum Gewölbekeller steigt Rauch in den Nachmittagshimmel.

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Impressionen von der Feuerwehrübung

Denis Warkus erklärt den Truppführern welche Wege zum Brandpunkt möglich sind
Denis Warkus erklärt den Truppführern welche Wege zum Brandpunkt möglich sind

Um 14.10 Uhr hatte dort am Mittwoch die Brandmeldeanlage ausgelöst. Binnen Sekunden geht der Alarm automatisch an die Dresdner Leitstelle, die die Riesaer Feuerwehr alarmiert. Normalerweise. Dieses Mal wurde der Einsatz nach Strehla weitergemeldet. Denn dort in der Jugendherberge haben sich diese Woche die Jugendfeuerwehren aus Riesa, Stauchitz und Strehla zum jährlichen Ausbildungslager versammelt. Gemeinsam mit den Mädchen und Jungen vom Jugendrotkreuz des DRK Riesa sind es 52 Uniformierte, die die blaurote Kleidung der Jugendfeuerwehr oder das Rot-Weiß der Rettungskräfte tragen.

In Kolonne geht die Einsatzfahrt nach Riesa, wo Transporter und Löschfahrzeuge um 16.44 Uhr mit Blaulicht und Sirene auf dem Rathausplatz einfahren. Jetzt soll alles so laufen, wie es die große Feuerwehr auch machen würde. Der Einsatzleiter, selbst Schüler, begibt sich mit Rathaus-Haustechniker Denis Warkus zur Brandmeldeanlage. Die zeigt an, welcher Rauchmelder ausgelöst hat. „Im Gewölbekeller hat es bei einer Familienfeier eine Verpuffung gegeben“, schildert Martin Rohloff von der Wehr Riesa-Weida die angenommene Lage. Bis zu 60 Personen könnten dort feiern.

Den Weg dahin zeigt eine sogenannten Laufkarte, die für diesen Zweck dort zu finden ist. „Im Ernstfall hat die Feuerwehr einen Schlüssel für das Rathaus, sodass sie auch nachts reinkommt“, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler. Jetzt wirken der Einsatzleiter und seine Gruppenführer aber erst einmal etwas ratlos, während vor dem Rathaus Dutzende weitere Mädchen und Jungen auf Anweisungen warten. Doch viele Hinweise braucht es nicht, bis die Jungen und Mädchen wissen, was zu tun ist: Die Rettungskräfte richten einen Rettungsplatz im Rathaushof ein, mit einem Löschfahrzeug und vielen Schläuchen wird Wasser zum Gewölbekeller gelegt, wo noch immer eine Nebelmaschine für täuschend echte Rauchwolken sorgt. Gleichzeitig machen sich Trupps zum Erkunden und Retten der Verletzten auf.

Falsches Blut im Gesicht

In den Kellern werden sie immer wieder fündig. Hier liegt jemand, ganz benommen. Dort noch jemand. „Hier sind noch zwei“, ruft jemand aufgeregt. Jeweils zwei Kräfte stützen die „Verletzten“, denen aufgeschminktes Blut durchs Gesicht läuft. Sie bringen sie zum Verbandsplatz, wo andere junge Feuerwehrleute schon ungeduldig warten. „Ich war noch gar nicht drin“, drängelt ein Schüler. Als Feuerwehrmann muss man auch mal warten können.

Neben dem Kloster hat es ein Duo aus Junge und Mädchen besser: Die beiden halten mit Mühe einen Schlauch und spritzen Richtung Tierpark. Ihre Kameraden haben längst eine ordentliche Wasserversorgung aufgebaut. „Läuft doch ganz gut“, heißt es von einem Betreuer. Und am Ende sind auch alle „Verletzten“ wieder genesen.