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Alkanti vor dem Aus

Das Löbauer Projekt für suchtkranke Arbeitslose wird geschlossen. Dabei wird es dringend gebraucht.

© Matthias Weber

Von Constanze Junghanß

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Löbau. Eine schwierige Situation sei das. Kerstin Lauterbach von der Suchtberatungsstelle auf der Breitscheidstraße in Löbau mag es eigentlich gar nicht so richtig glauben. Das Alkanti-Projekt in den Räumen des Hauses steht vor dem Aus. Die Einrichtung für die Wiedereingliederung suchtkranker Menschen schließt zum 31. Mai endgültig ihre Pforten. „Ein Unding“, wie Kerstin Lauterbach findet. Als gebe es in Löbau keine Alkohol- und Drogensüchtigen mehr, fügt sie an. Aktuell werden bei Alkanti in der „Villa Sand“ an der Breitscheidstraße sechs Teilnehmer betreut. Ausgelegt ist das Projekt für bis zu zwölf Suchtkranke, die mit Hilfe der Betreuer wieder Arbeit finden sollen, um ein normales Leben führen zu können. Bereits im Oktober des vergangenen Jahres hatte sich die Leiterin Ivonne Kordula gewundert, dass die Plätze nicht mehr so gut ausgelastet waren. Zu Alkanti überwiesen wurden die Suchterkrankten vom Jobcenter. Mitarbeiter wurden dafür extra geschult.

Das Einzugsgebiet von Alkanti erstreckte sich nicht nur auf die Stadt Löbau selbst, sondern auch auf Ebersbach-Neugersdorf, Neusalza-Spremberg, Eibau und bis nach Reichenbach. Bei dem Projekt geht es darum, den Weg ins Erwerbsleben wieder zu finden. In einer Tischlerwerkstatt entstehen unter fachkundiger Anleitung Dekorationsgegenstände und sogar das eine oder andere Möbelstück. Frühstück und Mittagessen gibt es in gemeinsamer Runde. Und eigenes Obst und Gemüse wurde im Garten angebaut. Kurz: Einen geregelten Tagesablauf zu vermitteln, um wieder im Leben anzukommen, war und ist immer noch das Ziel von Alkanti. Denn diejenigen Menschen, die sich im Projekt befinden, sollen das noch abschließen können. So bestätigt das Kerstin Lauterbach. Mit dem Aus von Alkanti in Löbau im Mai verlieren allerdings auch die drei Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz dort.

„Das ist alles eine sehr schwierige Situation“, sagt die Suchtberaterin. Das Jobcenter überweise aktuell keine neuen Teilnehmer mehr, obwohl kurzfristig Suchterkrankte die zweimonatigen „Erprobungskurse“ jetzt noch mitmachen könnten. Wohin Alkoholkranke und Drogensüchtige in Zukunft geschickt werden, um diese Art der Unterstützung zu erfahren, ist bisher völlig offen. Allerdings gibt es ein zweites Alkanti-Projekt in Schöpstal bei Görlitz. Das wird nicht geschlossen. Darüber informierte vor einigen Tagen Amtsarzt Dr. Christoph Ziesch den Gemeinderat. Der Amtsarzt sagte aber auch, dass der Landkreis die drei anderen Projekte in Löbau, Zittau und Weißwasser schließt. Der Standort in Schöpstal wurde vorerst bis 2019 vom Landkreis genehmigt.

Bruno Priehäußer, einer der Leiter vom Sozialtherapeutischen Zentrum Görlitz-Weißwasser, sagt: „Wir bedauern die Schließung der drei Standorte sehr.“ Eine flächendeckende Versorgung im Landkreis sei auf alle Fälle weiter notwendig. Allein Priehäußer und sein Team beraten jährlich rund 600 Menschen. „Die Hälfte davon sind Langzeitarbeitslose“, sagt er. Insofern sei der Bedarf weiterhin hoch, Betroffenen in solchen Projekten wie Alkanti Unterstützung anzubieten. Diese Projekte richteten und richten sich ausschließlich an Langzeitarbeitslose. Die Hoffnung besteht nun darin, Alkanti in Schöpstal mit Personal aufzustocken, um mehr Klienten betreuen zu können. Denn mit dem Aus der anderen Einrichtungen fallen insgesamt 36 Betreuungsplätze dieser Art weg. Alkanti in Schöpstal allerdings ist bereits jetzt schon regelmäßig an der Kapazitätsgrenze. Freie Plätze gibt es dort im Moment nicht.

„Und wie sollen dann künftig Löbauer und Menschen aus dem Umland bis nach Schöpstal gelangen?“, fragt Kerstin Lauterbach. Mit dem öffentlichen Nahverkehrsangebot wäre das nicht machbar. Bestehen bleibt in der „Villa Sand“ jedoch die Suchtberatungsstelle. Während Alkanti ausschließlich für Hartz-IV-Empfänger gedacht war, ist die Beratungsstelle für alle Menschen mit Suchtproblemen und ihre Angehörigen da. „Wir können dann zum Beispiel den Kontakt zu den beiden Selbsthilfegruppen in Löbau vermitteln“, sagt Frau Lauterbach. Diese befinden sich beim CVJM und werden ehrenamtlich betreut.