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Alle Augen auf „Albis“

Die Schaulustigen feiern die gelungene Rettung des Schiffes. Auf den Reeder warten viele Rechnungen.

© Sven Ellger

Von Sandro Rahrisch

Eine Applauswelle schwappt über das Käthe-Kollwitz-Ufer. Die Freude über die geglückte Rettungsaktion des Salzfrachters „Albis“ kann Reeder Lukas Hradsky zumindest einen kurzen Moment lang teilen. Doch während die Dresdner froh sind, dass ihre Elbe wieder frei ist, wird der 42-Jährige noch über Monate mit der Havarie beschäftigt sein.

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„Früh, mittags, abends – seit letztem Dienstag bin ich jeden Tag auf der Elbwiese und fotografiere, wie sich der Tiefgang ändert“, sagte Hobbyfotograf Günter Gonschorek.
„Früh, mittags, abends – seit letztem Dienstag bin ich jeden Tag auf der Elbwiese und fotografiere, wie sich der Tiefgang ändert“, sagte Hobbyfotograf Günter Gonschorek. © Sven Ellger
„Die Albis kann wieder selbst fahren. Wir haben den Motor während der Entladung repariert. Jetzt geht es nach Decin“, sagte Lukas Hradsky, Chef der tschechischen Reederei „EVD Spedition“
„Die Albis kann wieder selbst fahren. Wir haben den Motor während der Entladung repariert. Jetzt geht es nach Decin“, sagte Lukas Hradsky, Chef der tschechischen Reederei „EVD Spedition“ © Sven Ellger
„Wir haben zwei Boote raugeschickt, damit die Bergung nicht von anderen Schiffen gestört wird, die in den Sperrbereich eindringen“, sagte Jens Große, Hauptkommissar der Wasserschutzpolizei.
„Wir haben zwei Boote raugeschickt, damit die Bergung nicht von anderen Schiffen gestört wird, die in den Sperrbereich eindringen“, sagte Jens Große, Hauptkommissar der Wasserschutzpolizei. © Sven Ellger

Er hat zugesichert, die gesamte Bergungsaktion bezahlen zu wollen – angefangen bei der Entladung der 800 Tonnen Salz bis hin zum Einsatz der beiden tschechischen Bergepanzer, die das Schiff am Montagmittag mit dröhnenden Motoren von der Albertbrücke zurück in die Fahrrinne gezogen haben. Hradsky rechnet mit mehreren 10 000 Euro Kosten. Die Versicherung werde nur für einen Teil aufkommen, sagt er. Die Zwischenlagerung des Salzes im Alberthafen etwa müsse sein Unternehmen selbst bezahlen.

Immer wieder wird er von Journalisten gefragt, wie es überhaupt passieren konnte, dass sich die „Albis“ am vergangenen Montagabend plötzlich drehte und von der Strömung gegen die Pfeiler der Albertbrücke gedrückt wurde. Tschechische Medien spekulierten sogar, dass der Frachter falsch beladen worden sein könnte. Das Heck wäre so schwer gewesen, dass es auf Grund lief, während sich der Bug drehte. Lukas Hradsky stellt kurz nach der Rettungsaktion klar, dass der Motor versagt hatte.

Als Feuerwehr und Schifffahrtsamt einen Rettungsplan schmieden, beziehen sie den Reeder von Anfang an als Fachberater ein. Das erweist sich als Glücksfall, wie Dresdens Feuerwehrchef Andreas Rümpel rückblickend sagt. Denn Hradsky hätte unter anderem die Bergepanzer von der tschechischen Feuerwehr organisiert. In Dresden verfüge man gar nicht über solche Geräte, sagt Rümpel.

Rund 180 Polizisten, Feuerwehrleute sowie Mitarbeiter des Ordnungs- und Schifffahrtsamtes sind bei der Rettungsaktion im Einsatz. Sie richten eine Sperrzone ein und erklären Schaulustigen manchmal geduldig, manchmal mit Nachdruck, dass sie weder die Elbwiesen noch die Albertbrücke betreten dürfen. Zu groß ist die Gefahr, dass eines der gespannten Drahtseile reißen und jemanden treffen könnte. Einpacken muss auch Günter Gonschorek, der mit Kamera und Stativ seit Dienstag festhält, wie der Schiffsrumpf langsam aus dem Wasser auftaucht.

Am vergangenen Dienstag steckte der Frachter noch fast zwei Meter tief in der Elbe, damals noch mit vollen Laderäumen. An diesem Montag ist er nur einen Meter im Wasser. Gonschorek ist Hobbyfotograf, habe schon die Sanierung der Albertbrücke und die Ausgrabungen am Neumarkt fotografiert und Alben angelegt, sagt er. „Für die Nachwelt.“ Solch ein Ereignis sei historisch. Tatsächlich ist es die schwerste Schiffshavarie auf dem sächsischen Abschnitt der Elbe seit 1978. Damals hatte sich ein Frachter gegen die Marienbrücke gelegt.

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Auf dem Wasser hat am Montagmittag Jens Große das Sagen. Er ist Hauptkommissar bei der Wasserschutzpolizei und wacht über die Sperrzone auf der Elbe, die während des Einsatzes erst recht nicht von Booten und Schiffen durchbrochen werden darf. Einen Mann hat er auf die „Albis“ geschickt, um den Schiffsrumpf im Auge zu behalten. Immerhin weiß niemand, ob sich ein Leck auftut, sobald der Frachter wieder frei ist. Lukas Hradsky hatte bereits ein Loch, etwa fünf Zentimeter im Durchmesser, entdeckt, bevor die heikle Mission begann. Sorgen bereitet es ihm aber nicht, da kaum Wasser eindringt. Er schickt die „Albis“ nur wenige Minuten nach ihrer Befreiung zurück in die Heimat. Die letzten Tage hat die Besatzung genutzt, um den Motor zu reparieren.