Teilen:

Alle Nerds nach Köln

© Nintendo

Zocken, Gucken und vielleicht auch Kostümieren – zur Spielemesse Gamescom werden Hunderttausende erwartet.

Von Renate Grimming

Virtuelle Realitäten werden die Gamescom in Köln in diesem Jahr beherrschen. Die Veranstalter erhoffen sich erneut eine große Breitenwirkung für die gesamte Branche – und weit darüber hinaus. Auch außerhalb der Unterhaltung würden die Industrie sowie andere Branchen stark von der neuen Technologie als Plattform für das digitale Zeitalter beeinflusst, sagte Maximilian Schenk, Geschäftsführer des Branchenverbands BIU. Die Gamescom habe sich „von einer Videospiel-Messe zu einem 360-Grad-Event des digitalen Entertainments“ entwickelt. Das Thema Virtual Reality steht für die wachsende Bedeutung der Spiele-Branche über die eigenen Grenzen hinaus als Trend.

Von Donnerstag an steht die Messe allen Besuchern offen. Rund 500 000 Spiele-fans erwartet die Koelnmesse in der Stadt. Der Andrang war bereits Wochen im Voraus enorm. Für private Besucher gibt es seit Wochen keine Tagestickets mehr. Wer einen bestimmten Spieletitel ausprobieren will, musste sich vielfach vorab registrieren und bekam einen bestimmten Termin zugewiesen. Nintendo hat zum Beispiel nur 50 Besucher zugelassen, die den neuen Titel der Zelda-Reihe „Breath of the Wild“ in Köln anspielen wollen – für mehr reicht der Platz nicht. Auch Sony riet Messebesuchern, sich vorab registrieren zu lassen, um sich einen Platz zu sichern.

Suchtpotenzial berücksichtigt

Einen großen Teil seines Standes will Sony der neuen Rennsimulation „Gran Turismo Sport“ widmen, der erstmals die Nordschleife des Nürburgrings befahrbar macht. Den Fokus will das Unternehmen in diesem Jahr auf seine Virtual-Reality-Brille legen, die voraussichtlich im Oktober auf den Markt kommen wird. Allein 50 Anspielstationen wird es für das Headset auf der Messe geben, über die die Messebesucher in die Welten von „Robinson: The Journey“ oder „Resident Evil 7 biohazard“ eintauchen können. Auch die VR-Systeme HTC Vive oder die Oculus Rift wird es in Köln zum Ausprobieren geben. Inzwischen sind erste Geräte für virtuelle Welten verfügbar. Es gibt zwar immer noch Lieferschwierigkeiten. „Die neue Technik ist aber jetzt im Markt angekommen“, sagt Stephan Freundorfer, Branchenkenner und Chefredakteur der Website gamez.de. Auf der Gamescom 2017 werde man dann sehen können, wo es hingeht – „oder sich die Wunden lecken“, weil die Erwartungen zu hoch waren.

Viele schöne, neue Titel werde es auf der Messe zu sehen geben, aber darüber hinaus werde es eine „relativ normale Gamescom“ werden, schätzt Freundorfer. Große Neuigkeiten oder gar Überraschungen dürften in diesem Jahr ausbleiben. Alle drei großen Konsolenhersteller verzichten diesmal auf eine eigene Pressekonferenz.

Microsoft wird sicherlich seine neue Xbox One S mitbringen, für den Marktstart des neuen, schlankeren Modells wollte das Unternehmen aber offenbar die Gamescom nicht abwarten. Sony will seine neue Playstation Neo möglicherweise schon in diesem Jahr auf den Markt bringen. In Köln wird von ihr jedoch voraussichtlich nichts zu sehen sein. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die Konsole auf einem Event in New York präsentiert wird, das Sony für Anfang September angesetzt hat.

„Ich halte die Gamescom für eine großartige Publikumsmesse“, sagte Freundorfer. Zusammen mit dem Business-Bereich biete die Messe eine gute Mixtur, die etwa der reinen Fachmesse E3 in Los Angeles fehle. Für die Relevanz in Bezug auf Produkte und Neuheiten fehle es ihr aber an Internationalität. Nach Angaben von Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse, werden Aussteller aus 53 Ländern erwartet.

Unter anderem ging zur Gamescom ein neues Online-Beratungsangebot für Internetsüchtige an den Start. Der an der Uniklinik Bochum angesiedelte „Online-Ambulanz-Service für Internetsüchtige“ (OASIS) richtet sich sowohl an Betroffene als auch an deren Angehörige. Auf der Seite können Betroffene oder Angehörige etwa testen, ob sie selbst oder ein Familienmitglied gefährdet sind. Beratung per Webcam im Videochat soll im September folgen. (dpa)