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Alle Sachsen-Winzer in einem Haus

Das sanierte Pressenhaus in der Hoflößnitz wird am Wochenende offiziell eröffnet. Dann kann jeder zur Besichtigung kommen.

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© Norbert Millauer

Von Ines Scholze-Luft

Radebeul. Drei Jahre Planung, ein Jahr Bauzeit – so bringt Hoflößnitz-Geschäftsführer Jörg Hahn die jüngste Geschichte des fast 200 Jahre alten Pressenhauses auf den Punkt. Bis Freitagabend soll hier alles fertig sein – das Pressenhaus selbst und auch die Außenanlagen, die den Bauherren einige Kopfschmerzen bereiteten. Musste doch mitten im Bau die Firma gewechselt werden, wie Stephan Cramer, Vorstandschef der Stiftung Hoflößnitz, sagt. Aber das nachfolgende Unternehmen, die Natur und Stein Landschaftsbau GmbH aus Dresden, habe die Lücke sehr gut gefüllt.

So brauchte die Eröffnung nur um eine Woche auf den kommenden Sonnabend verschoben zu werden. Für diesen Termin wird nun alles mobilisiert. Jede Menge Fahrzeuge stehen rund ums Hoflößnitz-Areal. Noch ist der Zugang nur bis zum Weinverkauf im Kavaliershaus möglich. Drum herum wuseln die Handwerker. Auch im Pressenhaus selbst, in der neuen Tourismus-Zentrale ebenso wie im Wein-Informationszentrum. Hier soll der Besucher alles zum sächsischen Wein und zu seinen Produzenten erfahren.

Den Schauraum bezeichnet Jörg Hahn als modernsten Raum im historischen Haus. Mit ständig aktualisierter Datenbank und einer Medienstation, unter anderem mit Filmen zum Weinbau. An den Wänden stellen sich die Winzer in Wort und Bild vor – und mit einem ihrer Weine in der Vinothek. Dass es gelungen ist, hier tatsächlich alle 38 sächsischen Weingüter und Winzer – im Haupt- und Nebenerwerb mit Verkauf – zusammenzuführen, ist für Hahn ein großer Erfolg. Seines Wissens gibt es kaum ein anderes Weinbaugebiet mit einer derart komplexen, für die Winzer kostenfreien Präsentation. So ist die komplette Sächsische Weinstraße in der Hoflößnitz vertreten, mit ganz speziellen Auskünften zu Rebsorten, Bodenprofil, Führungen und weiteren Veranstaltungen bei jedem einzelnen Weinbauern.

Moderne Ergänzung zur Historie

Hoffest in der Hoflößnitz

Das Weingut Hoflößnitz eröffnet mit Unterstützung der SZ am Wochenende das Infozentrum Sächsische Weinstraße mit einem Hof-Fest.

Sonnabend, 14 bis 19 Uhr: 14.30 Uhr Interview mit Weinhoheit, 15.15 Uhr Kinderprogramm mit R.-T. Lincke, 16/16.30 Uhr Auftritt Musikschule Radebeul, 17 Uhr Hammondorgel-Trio.

Sonntag, 12 bis 18 Uhr: 13 Uhr Tanzgruppe, 14 Uhr Interview mit Weinhoheit, 14.30 Uhr Kinderprogramm, 16 Uhr El Choclo.

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Bevor sich die ersten Besucher im Wein-Informationszentrum einfinden, müssen noch Holzplatten eingepasst und Elektroleitungen verlegt werden. Die Treppe hoch zum Winzersaal bekommt den letzten Schliff. Auch die behindertengerechte Toilette ist in Arbeit. Mit brombeerfarbenen Wänden. Als moderne Ergänzung zur Historie. Die Farbe findet sich im Winzersaal wieder – so in den Bezügen der Stühle. Anstelle von einst vier kleinen Wohnungen entstand eine große Veranstaltungsfläche mit bis zu 120 Plätzen – für Tagungen, private Veranstaltungen, Kulturelles überhaupt.

Was den Festsaal im gegenüberliegenden Berg- und Lusthaus mit seinen empfindlichen Deckengemälden entlasten soll. Das trifft aber nicht auf die überaus gefragte Kammermusikreihe zu. Diese Besonderheit mit historischen Instrumenten bleibt dem Berg- und Lusthaus treu, bestätigt Jörg Hahn. Für den Winzersaal planen die Verantwortlichen ebenfalls an einer Musikreihe. Ab 2017 soll es dort heißen: „Jugend musiziert“. Der Akustikputz an den Wänden wird für guten Klang und wenig Schall nach außen sorgen.

Darüber, was das Pressenhaus denn nun insgesamt gekostet hat, will Stiftungsvorstand Stephan Cramer noch nicht reden. Noch seien nicht alle Schlussrechnungen da. Im Gespräch für das historische Gebäude und die Außenanlagen waren bisher 1,5 Millionen Euro.

Fakt ist, die Stadt hatte sich mit einer größeren Summe zur Hoflößnitz-Sanierung bekannt, 1,75 Millionen Euro gab es für Gästehaus, Berg- und Lusthaus sowie Pressenhaus. Ohne die Förderung durch das Wirtschaftsministerium mit Mitteln für den Tourismus wäre es Stephan Cramer zufolge jedoch nicht gelungen, das Pressenhaus zu finanzieren. Wo auch zweieinhalb neue Arbeitsplätze entstehen.

Weshalb das Pressen- vor dem benachbarten Kavaliershaus dran war, erklärt OB Bert Wendsche (parteilos) mit dem Raumproblem. Denn Wein- und Museumsverkauf müssen aus dem Kavaliershaus vor einer Erneuerung genauso heraus wie die Toiletten. Das ist jetzt mit dem Umzug ins Pressenhaus gelungen.

Nach der Bauhektik will die HoflößnitzMannschaft Luft holen und die Finanzen klären, bevor es im Kavaliershaus weitergeht. Bis dahin ist dort vor allem fürs Museum mehr Platz.