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Alle wollen Alstom

Siemens und die Japaner bieten den Franzosen Geschenke. Wird Rivale GE sein Angebot jetzt nachbessern?

Die französische Regierung dürfte sich seit gestern entspannt zurücklehnen. Zumindest im Poker um Alstom. Nach dem erwarteten Angebot der deutsch-japanischen Allianz aus Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) dürften alle Beteiligten nicht nur klarer sehen. Der Bieterwettkampf wird wohl auch zu besseren Bedingungen führen: zu mehr Jobs und wohl auch zu einem höheren Verkaufspreis.

Was planen Siemens

und Mitsubishi?

Siemens und die Japaner haben vorgelegt: Demnach will sich MHI mit bis zu zehn Prozent an Alstom beteiligen. Das Gasturbinen-Geschäft der Franzosen will Siemens komplett übernehmen und dafür 3,9 Milliarden Euro in bar zahlen, wie der Elektrokonzern gestern mitteilte. Insgesamt beinhaltet das Angebot eine Barkomponente von rund sieben Milliarden Euro, 3,1 Milliarden Euro davon soll MHI leisten. Mit der Offerte wollen die beiden Unternehmen ein Gebot des amerikanischen Siemens-Rivalen General Electric (GE) kontern. Falls das deutsch-japanische Bündnis zum Zuge kommt, solle Alstom als eigenständiges Unternehmen erhalten bleiben, heißt es in Branchenkreisen. Teile des Geschäfts der Franzosen könnten dann in Joint Ventures eingebracht werden.

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Welche Angebote hatte

General Electric gemacht?

GE bietet 12,35 Milliarden Euro für die Energietechnik von Alstom und hat zugesagt, 1 000 neue Arbeitsplätze in Frankreich zu schaffen. Den gleichen Vorschlag sollen auch Siemens und MHI eingebracht haben. Nach Medienberichten sollen diese neuen Stellen innerhalb von drei Jahren entstehen. Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hatte zuletzt auch wissen lassen, dass GE sein ursprüngliches Angebot in den vergangenen Wochen durch neue Vorschläge verbessert habe. Demnach bietet auch GE eine Stärkung der Alstom-Transportsparte und Gemeinschaftsprojekte für die Bereiche Energienetze und erneuerbare Energien an.

Wie stehen Alstom und die französische Politik zu den Offerten?

Von Beginn an hatte sich der Alstom-Verwaltungsrat hinter das GE-Angebot gestellt und den Aktionären die Offerte der Amerikaner empfohlen. Dabei dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass Alstom-Chef Patrick Kron als Gegner eines Deals mit Siemens gilt. Die Münchner sollen 2004 versucht haben, einen mit Staatsgeldern finanzierten Rettungsplan für Alstom zu stoppen, weil sie schon damals Teile des Konzerns übernehmen wollten. Bei der französischen Regierung wiederum schlug das Pendel heftig in die Gegenrichtung aus. Zwar betonte Paris immer wieder, „keine Präferenz“ für einen bestimmten Bewerber zu haben, doch favorisierte die Regierung klar eine europäische Lösung. Den Einstieg von MHI in den Übernahmekampf hatte Paris als Verbesserung des Siemens-Angebotes gewertet – und gleich auch einen Wink mit dem Zaunpfahl an GE hinterhergeschickt: „Ich denke, GE wird sein Gebot ebenfalls verbessern“, sagte Frankreichs Finanzminister Michel Sapin.

Wie könnte ein Zeitplan

aussehen?

Auch nach dem erwarteten Angebot von Siemens und MHI scheint keine schnelle Entscheidung in Sicht. Neben der Reaktion von Alstom bleibt auch abzuwarten, wie sich GE verhält. Das Angebot der Amerikaner läuft noch bis 23. Juni. Bis dahin dürfte sich aber zumindest herauskristallisieren, mit wem exklusive Gespräche begonnen werden. (dpa)