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Alle wollen den Sachsen-Whisky

Schottland war gestern: In Meißen tüftelt Siegbert Hennig am eigenen Brand – und kann sich vor Nachfrage nicht retten.

© hübschmann

Von Christoph Scharf

Es gluckst. Es zischt. Es plätschert. Zahllose Röhren durchziehen den Arbeitsplatz von Siegbert Hennig. Der 54-Jährige dreht an Stellschrauben, behält große Thermometer im Auge, nimmt Proben. In einem der Kupferkessel wird gerade die Maische für den nächsten Traubenbrand gerührt. Daneben läuft der Meißner Schlehengeist durch die Röhren.

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Die gefragteste Rarität lagert aber längst im Fasskeller: Der Meißner Whisky, abgefüllt 2003. Seitdem reift die goldbraune Kostbarkeit im Eichenfass. 360 Liter hochprozentiges Destillat hat Siegbert Hennig vor elf Jahren eingelagert. Davon werden nächstes Jahr wohl nur noch 300 Liter übrig sein. „Der Rest geht in der Zwischenzeit durch die Holzporen verloren.“ Verhindern könnte das ein voll klimatisiertes Fasslager – aber für diese Investition müsste die 1998 gegründete Manufaktur im Dorf Reichenbach bei Meißen erst einmal eine fünfstellige Summe übrig haben. „Aber wir wollen nur in kleinen Schritten wachsen“, sagt Siegbert Hennig.

Für die Liebhaber des ersten sächsischen Whiskys dürfte das tragisch sein. Denn schon jetzt ist klar: Die 300 Liter Destillat werden nicht reichen. Die erste Auflage des Meißner Whiskys war 2012 „binnen eines Wimpernschlags“ ausverkauft. Am Tag, als die Zeitung verkündete, dass der Whisky fertig sei, klingelte Punkt drei Minuten nach sieben zum ersten Mal bei Siegbert Hennig das Telefon – um fortan nicht mehr stillzustehen. „Mit einer regen Nachfrage hatten wir gerechnet. Wir wurden aber förmlich überrannt!“ Die insgesamt 926 Halbliterflaschen der ersten Auflage waren quasi weg, noch bevor überhaupt überall Etiketten draufklebten.

Deshalb hat der Chef der Meißner Spezialitätenbrennerei es längst aufgegeben, eine Warteliste zu führen. „Die wäre sowieso viel zu lang – für das bissel, was da ist.“ Und deshalb gilt auch 2015 wieder: Es gibt keine Anteilsscheine, keine Optionen, keine Voranmeldung. Aber der Destillateurmeister verspricht: Die SZ wird informiert, wenn es so weit ist. Und der Whisky soll nicht erst Weihnachten abgefüllt werden, sondern eher Mitte des Jahres. „Aber immer nur unter der Voraussetzung, dass er mir gefällt!“, beeilt sich der Mann in der blauen Latzhose zu sagen. „Andernfalls trinke ich ihn selbst.“

Das dürfte allerdings selbst für den Hersteller ein teurer Spaß werden: Muss er doch für jeden Liter produzierten Alkohols allein 13,03 Euro Alkoholsteuer abführen. Doppelt gesicherte Röhrensysteme, 170 verplombte Stellen an der Anlage und ein spezielles Zählwerk sorgen dafür, dass dem Zoll nichts entgeht. Nicht einmal die zwei Zentiliter, die Siegbert Hennig zwischenzeitlich zum Kosten abzapft. „Wenn in Europa alles so stark überwacht werden würde wie die Brennereien, hätte es nie zu einer Finanzkrise kommen können.“

So verdient der Staat an jeder Halbliterflasche Traubenbrand oder Whisky kräftig mit. Über den bürokratischen Aufwand mit Kontrollvorschriften dick wie Telefonbücher könnte sich der Ingenieur ewig aufregen – schaut aber doch lieber danach, was die Maische im Kupferkessel macht. Um den Whisky nebenan braucht er sich erst nächstes Jahr wieder zu kümmern.