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Allein gegen die Abrissbagger

Die Radebergerin Margitta Walter kämpft um die morsche Verleger-Villa. Chancenlos?

© Willem gr. Darrelmann

Von Jens Fritzsche

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Kann sie die Abriss-Bagger tatsächlich noch stoppen? Die Radebergerin Margitta Walter ist jedenfalls hörbar empört, dass gleich am Eingang zur Radeberger Innenstadt ein echter Blickfang verschwinden soll. Die alte Verleger-Villa gegenüber des Kaiserhofs an der Hauptstraße soll bekanntlich noch in diesem Jahr abgerissen werden. Samt der dahinter befindlichen Gebäude der alten Druckerei, die bei etlichen Brandstiftungen massiv beschädigt worden war.

Rund 350 000 Euro werden für den Abriss fließen – das hatte Dienstagabend der Technische Ausschuss der Stadt beschlossen. Wobei ein Großteil davon aus dem Förderprogramm „Brachflächen-Revitalisierung“ des Freistaats Sachsen kommt. Dort werden bis zu 90 Prozent der Kosten gefördert, allerdings mit der Maßgabe, die folgenden zehn Jahre nichts auf der Fläche zu bauen. Ansonsten muss der Bauherr Teile der Fördermittel zurückzahlen. Mithilfe dieses Programms waren ja in Radeberg beispielsweise auch schon das nur wenige hundert Meter entfernte morsche Kulturhaus „Maxim Gorki“ am anderen Ufer der Röder abgerissen worden und auch die alte Hans-Beimler-Schule in der Südvorstadt. Auch hier durfte bisher nicht gebaut werden – wobei sich zumindest für das Areal der Beimlerschule ja bekanntlich die Radeberger Wohnungsbaugenossenschaft interessiert, die hier einen Neubau errichten will. Interessenten für das Areal der alten Verleger-Villa zwischen Hauptstraße und Röder gibt es aktuell hingegen nicht – und so wird die Fläche dann vorerst zur Wiese.

Radeberg verliert an Gesicht

Die Abrissbagger für die alte Villa können jedenfalls schon mal quasi zur Tankstelle fahren. „Aber wenn wir immer alle historischen Häuser wegreißen, nur weil sie derzeit nicht schön aussehen, verliert Radeberg mehr und mehr seine Geschichte“, ist die Radebergerin Margitta Walter überzeugt. Und zitiert einen Spruch aus der Bibel: „Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten…“ Geht es nun also nach Margitta Walter, dann sollten sich möglichst viele Radeberger finden, die sich für den Erhalt der alten Villa stark machen. „Vielleicht finden wir ja alle gemeinsam doch noch die passende Nutzungsidee – und auch jemanden, der das notwendige Geld dafür hat“, hofft sie.

Sanierung viel zu teuer

Eine Hoffnung, die eher eine trügerische sein dürfte, ist jedenfalls Radebergs Stadtsprecher Jürgen Wähnert überzeugt. „Erstens ist der Zustand des Gebäudes mittlerweile so, dass uns mehrere Baugutachten bestätigt haben, eine Sanierung wäre nur mit einem eigentlich nicht mehr zu rechtfertigendem finanziellen Aufwand zu schultern“, sagt er. Zudem habe auch die Stadt – die das Areal samt der Gebäude bekanntlich vor einigen Jahren gekauft hatte – mögliche Nutzungen durchgespielt. „Wir haben ja auch immer wieder mit Investoren gesprochen, haben Konzepte abgewogen – aber wir sind leider nie zu einem Ergebnis mit den Investoren gekommen“, bedauert auch der Stadtsprecher. Andere Ideen – wie zum Beispiel die Ansiedlung der Supermarktkette Aldi – scheiterten vor allem am fehlenden Platz auf der Fläche und auch an schwierigen Zufahrtswegen.

„Der Abriss ist zudem längst beschlossen“, unterstreicht Jürgen Wähnert. Denn schon vor gut anderthalb Jahren hatte der Stadtrat beschlossen, die Villa abzureißen. Schuld an der Verschiebung war dann die schlimme Brandstiftung in der alten Druckerei, begründet der Stadtsprecher. „Das Projekt war ja schon fertig, die Fördermittel beantragt und wir hatten auch im Stadthaushalt die notwendigen Gelder parat – aber durch den Brand mussten wir alles noch mal neu planen und berechnen“, so Jürgen Wähnert. Zum einen, weil Versicherungsleistungen flossen, zum anderen erhöhten sich mittlerweile auch die Abrisskosten.

Villa und Druckerei sind dabei durchaus geschichtsträchtige Orte. Hier lebte seit Ende des 19. Jahrhunderts die Verlegerfamilie Hordler. Herman Hordler hatte hier eine Zeitung gegründet, die seine Söhne Waldemar und Willy 1909 übernahmen, „Radeberger Tageblatt“ nannten und fortan täglich erscheinen lassen hatten.

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