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Alles Bio oder was?

In ihrem Laden in Colmnitz setzt Angela Lorenz auf Naturkost. Die bringt sie sogar bis zum Kunden.

© Egbert Kamprath

Von Anja Ehrhartsmann

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Colmnitz. Die Türklingel schrillt. Angela Lorenz streckt den Kopf aus der Tür und winkt. Ihre Lieferantin aus Jesewitz bei Leipzig steht auf dem Hof und bringt Bio-Gemüsebrühe vorbei, die sie dann selbst weiterverkauft. Denn auf dem Dreiseithof in Colmnitz betreibt die 56-Jährige einen kleinen Naturkostladen mit Lebensmittelhandel, die Firma Backhaus. Neben der Bäckerei Sauer, in der es auch einige Grundnahrungsmittel gibt, hat sie mit die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort, die fußläufig zu erreichen ist. Denn der Hofladen von Essig Schneider liegt in dem Teil von Colmnitz, der direkt an Klingenberg anschließt, also etwas vom Ortskern entfernt.

Auf den rund 70 Quadratmetern Verkaufsfläche hat sich Angela Lorenz eingerichtet. Dort stehen Regale mit haltbaren Soßen und Aufstrichen, Eingelegtem und Eiern aus ökologischer Erzeugung. Der Kühlschrank gegenüber ist mit Milchprodukten gefüllt. Zu ihrem Sortiment gehören aber auch Mehl, das sie auf Wunsch frisch mahlt, Säfte, Waschmittel, Drogerieprodukte und vielerlei mehr. Natürlich sind auch frisches Obst und Gemüse erhältlich. An der Wand im Eingangsbereich stehen außerdem Kisten mit Kohlrabi, Pastinaken, frischem Kurkuma, Avocados und Gemüsezwiebeln. „Ich habe heute Morgen erst die Lieferung bekommen“, sagt sie – mit Blick auf das noch nicht eingeräumte Gemüse – sich beinahe entschuldigend. Bis auf wenige Ausnahmen ist bei Angela Lorenz alles bio. Ihre Produkte versucht sie, so regional wie möglich zu beziehen. Beliefert wird sie aus Colmnitz, dem Gimmlitztal, Oberbobritzsch, aber auch vom Großhandel.

Ihr Laden hat regelmäßig zweimal in der Woche geöffnet, dienstags und freitags von 18 bis 19 Uhr, und nach Vereinbarung. Wenn jemand etwas braucht, reicht ein kurzer Anruf. Und der lässt auch nicht lange auf sich warten. Am anderen Ende spricht ihre langjährige Kundin, die gleichzeitig mit über 80 Jahren auch die älteste ist. Es geht um die Bestellung der neuen Lieferkiste. Denn alles, was im Laden steht, kann auch bei Angela Lorenz geordert werden. Immer freitags macht sie ihre Tour durch die alte Heimat im Landkreis Mittelsachsen, dorthin liefert sie auch heute noch die meisten Lebensmittelkisten. Pro Woche hat sie etwa zehn Stammkunden, dazu zählen Familien und ältere Menschen, auch ein Kindergarten ist dabei.

Die Kisten packt sie auf Bestellung. Es gibt Kunden, die wollen jede Woche ein Kilo Kartoffeln und zwei Stück Kochgemüse, aber auch welche, die ihre Kiste immer neu zusammenstellen. Dabei versucht Angela Lorenz, nach Möglichkeit alle Wünsche zu erfüllen. Egal, ob es ein bestimmter Hersteller sein soll, vier Eier oder 30. Auch was den Kilometerradius angeht, den sie beliefert, ist sie flexibel. Da sie auf vielen Märkten unterwegs ist, kommt sie bis Bad Liebenwerda (Landkreis Elbe-Elster), Nünchritz (Landkreis Meißen), Freital, Tharandt, Wilsdruff, Brand-Erbisdorf, Klosterbuch und Freiberg. Ab einem Warenwert von 20 Euro liefert sie das Bestellte aus, für die Anfahrt im Umkreis berechnet sie zusätzlich zwei Euro.

Mit ihrem Lebensmittelhandel ist Angela Lorenz schon seit fast 15 Jahren selbstständig. „Es ist eine sehr schöne Arbeit, ich möchte nichts anderes machen“, sagt sie. Ursprünglich stammt sie aus Dittersbach bei Frankenberg im Landkreis Mittelsachsen. Ganz am Anfang hat sie auch noch Obst und Gemüse aus eigenem Anbau verkauft, außerdem Backwaren aus einem mobilen Ofen. Daher kommt auch noch der Firmenname. Zwischenzeitlich hat sie den tonnenschweren Backofen aber nicht mehr in Betrieb. Nach Colmnitz kam sie vor gut eineinhalb Jahren eher durch Zufall. „Es war mein großer Wunsch, eine Ladenfläche zu finden und nach Möglichkeit auch noch im gleichen Haus zu wohnen.“ Mit dem Dreiseithof im Tännichtweg wurde dieser Wunsch wahr.

Die meisten ihrer Kunden hat sie schon seit vielen Jahren, aber es kommen auch immer noch neue dazu. Im Laden selbst könnten es allerdings ein paar mehr sein oder wie sie mit einem Lachen sagt: „Die Leute treten sich hier noch nicht auf die Füße.“ Trotzdem ist die 56-Jährige zufrieden: „Ich nehme es so, wie es kommt.“

Und was kaufen ihre Kunden am liebsten? Am meisten nachgefragt seien Ketchup ohne Zucker, pflanzliches „Speckfett“, Brühen ohne Glutamat und Hefewürze, Lackritzschlangen und Marmeladen ohne Zucker mit bis zu 100 Prozent Frucht.

Angela Lorenz steht voll hinter den Produkten, die sie anbietet, und hinter dem Bio-Konzept generell. Auf konventionell hergestellte Lebensmittel verzichtet sie persönlich nahezu ganz. „Ich selbst gehe gar nicht mehr in den Supermarkt“, sagt die 56-Jährige. „Früher stand ich dort aber auch in der Schlange. Dann habe ich mich immer mehr mit dem Thema befasst.“

Mit einem Käse-Kurs bei der Volkshochschule fing alles an, erinnert sie sich. Sie habe dann immer mehr selbst gemacht und konsequenter eingekauft. Trotz allem habe sie noch längere Zeit den Fleischsalat im Supermarkt gekauft, einfach weil es geschmeckt hat. „Irgendwann habe ich die Zutatenliste gelesen und gesagt: Jetzt nicht mehr“, sagt sie. „Trotzdem bin ich nicht für das Fanatische. Ich habe mich nie gezwungen und esse auch heute noch eine einzige konventionelle Wurst, damit habe ich kein Problem.“ Sie möchte nicht missionieren, sondern lieber informieren. In ihrem Laden gibt es deshalb auch Prospekte und Zeitschriften, die sich mit dem Thema Naturkost befassen. „Aufklärung ist mir wichtig“, sagt sie. „Ich will, dass die Leute begreifen, was in den Lebensmitteln drin ist, die sie kaufen.“

Backhaus Lorenz, Tännichtweg 19, Colmnitz. Der Laden hat dienstags und freitags von 18 bis 19 Uhr geöffnet. www.backhaus-colmnitz.de.