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Alles ein bisschen Bauhaus? 

Zum 100-jährigen Jubiläum wird die alte Idee ins neue Licht gesetzt – doch es ist längst nicht alles Bauhaus, was so bezeichnet wird.

Beeindruckend: Das Bauhaus selbst. Es steht in Dessau.
Beeindruckend: Das Bauhaus selbst. Es steht in Dessau. © Bild: Tadashi Okochi © Pen Magazine, 2010, Stiftu

 Nein, das Bauhaus ist kein einzelnes Haus. Ein Baumarkt? Ja, auch, aber auch wieder nicht. Hier geht es um mehr, hier geht es um die Idee. Und die Idee wird jetzt 100 Jahre alt. Ins Leben gerufen wurde sie 1919 von Walter Gropius. Er gründete in Weimar eine Kunstschule mit dem Anspruch, die Gesellschaft zu verändern: „Die Verwirklichung einer modernen Architektur, die, gleich der menschlichen Natur, das ganze Leben umfasst.“ Neben der Architektur sind es auch Kunst und Möbel, die das Bauhaus ausmachen. Außerdem gehören Geschirr, Tapeten und Stoffe, ja bis hin zur Fotografie und zu Bühnenbildern dazu. Die große Klammer ist die Idee vom modernen Wohnen und Leben inmitten der Klassischen Moderne. Obwohl das Bauhaus als Schule nur 14 Jahre existierte, hat sich die Idee zu etwas Zeitlosem entwickelt.

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Quadratisch & praktisch? Nicht immer Bauhaus!

Um es besser zu verstehen, lohnt eine Reise zurück in die Geschichte: Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Jugendstil fast alles besetzt. Aus Großbritannien schwappte die Arts and Crafts-Bewegung aufs europäische Festland. Gleichzeitig entwickelte sich der Deutsche Werkbund zur wirtschaftskulturellen Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Sachverständigen. Diese Wege führten zum Bauhaus, mit dem nun alle Künste zusammengeführt werden sollen.

Neue Bauhaus Ausstellung in Weimar

Davon inspiriert formuliert Gropius seine Vision: „Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.“ Bereits in den mittelalterlichen Bauhütten arbeiteten vom Architekt bis zum Steinklopfer alle zusammen. Daher übrigens auch der Name: nicht mehr Bauhütte, sondern Bauhaus. Egal, ob Häuser, Möbel oder Kunst – alles sollte möglichst schnörkellos und leicht sein, funktional und haltbar, und bestenfalls als gut designte Massenware taugen. Im Prinzip hat der soziale Wohnungsbau dort seinen Ursprung. Allerdings: Zu seiner Zeit wurden die von den verschiedenen Bauhaus-Künstlern und -Handwerkern entworfenen Häuser wie Möbel, nicht wirklich Massenware. Das, was für den Normalbürger gedacht war, galt plötzlich als chic und war Vorzeigedesign für Reiche.

Seit diesem Frühjahr zeigt die neue Bauhaus Ausstellung in Weimar etwa 1 000 Objekte. Darunter die Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld und Carl Jakob Jucker und die Teekanne von Marianne Brandt wie auch der Lattenstuhl von Marcel Breuer und Möbel von Ludwig Mies van der Rohe. Die Wände zieren Arbeiten von Paul Klee, László Moholy-Nagy und Lyonel Feininger. Thessa Wolf