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Alles für die braune Brühe

Ein Mann aus Sohland braut selbst Bier. Das dauert Stunden. Und wenn er nicht aufpasst, sind Hopfen und Malz verloren.

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© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Der heiße Dampf hat es in sich. Ronald Rosner muss gut aufpassen, damit er sich nicht verbrennt. Vorsichtig späht er durch die Dunstwolke. Im Inneren des Metallkessels brodelt und spritzt die braune Soße. Rosner rückt sich mit einer schnellen Bewegung die Brille zurecht. Dann schaut er auf die Uhr. „Noch sechs Minuten Kochzeit“, sagt er und zieht sich die gelben Arbeitshandschuhe an. Gleich zeigt sich, ob der Sud etwas taugt. Ob daraus ein Bier wird, das er seinen Gästen anbieten kann.

© SZ-Grafik: Gernot Grunwald

Noch mehr Genuss:Diese Ausflugstipps für Sohland und Umgebung haben wir noch für Sie.

Abhängen an der Baude  Alle schwärmen von der Aussicht vom Turm der Prinz-Friedrich-August-Baude in Sohland – der Marco-Polo-Reiseführer für die Lausitz ebenso wie das Internetportal „Urlaubsregion Oberlausitz“ und viele andere. Doch nach dem Weggang der Pächter Ende 2014 blieb die Baude lange Zeit geschlossen. Jetzt lohnt sich ein Besuch wieder. Seit Mai gibt es einen neuen Betreiber. Der setzt vor allem auf deutsche Küche. Auf der Karte stehen zum Beispiel Bauernfrühstück, Schnitzel, Sülze und Sauerbraten. Und der Ort bietet noch mehr. Zur Baude gehören ein Biergarten, ein Aussichtsturm, eine Minigolf-Anlage und ein Spielplatz.  Baudenweg 4, Sohland, Tel. 035936 332720, geöffnet außer montags täglich ab 11.30 Uhr.
Abhängen an der Baude Alle schwärmen von der Aussicht vom Turm der Prinz-Friedrich-August-Baude in Sohland – der Marco-Polo-Reiseführer für die Lausitz ebenso wie das Internetportal „Urlaubsregion Oberlausitz“ und viele andere. Doch nach dem Weggang der Pächter Ende 2014 blieb die Baude lange Zeit geschlossen. Jetzt lohnt sich ein Besuch wieder. Seit Mai gibt es einen neuen Betreiber. Der setzt vor allem auf deutsche Küche. Auf der Karte stehen zum Beispiel Bauernfrühstück, Schnitzel, Sülze und Sauerbraten. Und der Ort bietet noch mehr. Zur Baude gehören ein Biergarten, ein Aussichtsturm, eine Minigolf-Anlage und ein Spielplatz. Baudenweg 4, Sohland, Tel. 035936 332720, geöffnet außer montags täglich ab 11.30 Uhr.
Abtauchen in der Therme  Einen entspannten Tag verbringen Familien in der Körse-Therme in Kirschau. Das ist auch eine prima Schlechtwettervariante. In der überdachten Badehalle gibt es ein großes Becken mit Schwimmbahnen, Luftblubbern, Whirlpool und Strömungskanal. Das Planschbecken mit Mini-Rutsche ist bei den kleinen Gästen besonders beliebt. Außerdem können sich die Besucher auf eine Dampfkammer und ein beheiztes Außenbecken freuen. Das Besondere in der Körse-Therme ist aber das Solebad. Ein Bad in der Sole soll zum Beispiel bei Rheuma, bei Erkrankungen der Atemwege und bei Hautkrankheiten helfen. Seit ein paar Jahren gibt es an der Therme einen Biergarten, der auch unabhängig vom Badbesuch einlädt.  Badweg 3, Kirschau, Tel. 03592 515830; geöffnet täglich 10 bis 22 Uhr (Fr/Sa bis 23 Uhr, So bis 21 Uhr); Preise je nach Aufenthalt: Erwachsene ab 6, Kinder ab 3,50 Euro.
Abtauchen in der Therme Einen entspannten Tag verbringen Familien in der Körse-Therme in Kirschau. Das ist auch eine prima Schlechtwettervariante. In der überdachten Badehalle gibt es ein großes Becken mit Schwimmbahnen, Luftblubbern, Whirlpool und Strömungskanal. Das Planschbecken mit Mini-Rutsche ist bei den kleinen Gästen besonders beliebt. Außerdem können sich die Besucher auf eine Dampfkammer und ein beheiztes Außenbecken freuen. Das Besondere in der Körse-Therme ist aber das Solebad. Ein Bad in der Sole soll zum Beispiel bei Rheuma, bei Erkrankungen der Atemwege und bei Hautkrankheiten helfen. Seit ein paar Jahren gibt es an der Therme einen Biergarten, der auch unabhängig vom Badbesuch einlädt. Badweg 3, Kirschau, Tel. 03592 515830; geöffnet täglich 10 bis 22 Uhr (Fr/Sa bis 23 Uhr, So bis 21 Uhr); Preise je nach Aufenthalt: Erwachsene ab 6, Kinder ab 3,50 Euro.
Abkühlen im Stausee  Wenn die Hitze in den Ferien unerträglich ist, zieht es viele ans kühle Nass. Wer nicht im aber am Wasser eine Erfrischung sucht, der ist am Sohlander Stausee genau richtig. Dort stehen verschiedene Boote zum Ausleihen bereit. Die halbe Stunde kosten vier Euro, die ganze Stunde sieben Euro. Kinder, die ohne Erwachsene über den See schippern wollen, sollten mindestens zwölf Jahre alt sein. Und einen großen Spielplatz gibt es ebenfalls am Stausee. Nach der anstrengenden Bootspartie warten kühle Getränke auf die Besucher. Die gibt es im Biergarten am Stausee. Der punktet mit einem Grillplatz. Von ihrer Bank aus haben die Gäste den besten Blick auf die großen Wasserfontänen. Und das ist noch nicht alles. Der Stausee ist zudem Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen durch das Oberland.  Stausee 2, Sohland, Tel. 035936 31141, tgl. ab 10 Uhr.
Abkühlen im Stausee Wenn die Hitze in den Ferien unerträglich ist, zieht es viele ans kühle Nass. Wer nicht im aber am Wasser eine Erfrischung sucht, der ist am Sohlander Stausee genau richtig. Dort stehen verschiedene Boote zum Ausleihen bereit. Die halbe Stunde kosten vier Euro, die ganze Stunde sieben Euro. Kinder, die ohne Erwachsene über den See schippern wollen, sollten mindestens zwölf Jahre alt sein. Und einen großen Spielplatz gibt es ebenfalls am Stausee. Nach der anstrengenden Bootspartie warten kühle Getränke auf die Besucher. Die gibt es im Biergarten am Stausee. Der punktet mit einem Grillplatz. Von ihrer Bank aus haben die Gäste den besten Blick auf die großen Wasserfontänen. Und das ist noch nicht alles. Der Stausee ist zudem Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen durch das Oberland. Stausee 2, Sohland, Tel. 035936 31141, tgl. ab 10 Uhr.

Sechs Stunden zuvor: Der Tag beginnt früh für den Mann aus Sohland. Um vier Uhr steht er auf. Der erste Weg führt ihn in den kleinen Lagerraum. Dort stapeln sich die Malzsäcke. Eine entscheidende Zutat. Pilsner Malz für helle Biere, karamellisiertes Malz für dunkle Biere. „Auf die Mischung kommt es an“, sagt Rosner. Er hat immer ein Notizbuch dabei. Darin schreibt er, welche Mengen er benötigt. Experimente gibt es nicht. „Es soll ja nach Möglichkeit immer gleich schmecken.“

Rosner schnappt sich die Schrotmaschine. Vorsichtig schüttet er die Getreidekörner in den Trichter. Den Rest übernimmt das Gerät. Leise brummt es vor sich hin. Das Ergebnis landet in großen Plastikeimern. Nur ein paar Schritte sind es bis zum Braukessel. Rosner schüttet das geschrotete Getreide hinein, gibt Wasser und Hopfen hinzu. Dann wird der Sud erhitzt. 200 Liter Hefeweizen sollen heute entstehen.

Der Sud muss abkühlen

Diese Zutaten braucht jedes Bier:

1. Das Brauwasser:

Es ist der Hauptbestandteil des Bieres. Zu mehr als 90 Prozent besteht es daraus. Gute Brauer achten auf die Qualität. Einige haben sogar ihre eigenen Brunnen und Quellen.

2. Das Malz: Es bestimmt wesentlich die Farbe und den Geschmack des Bieres. In der Mälzerei werden Getreidekörner mit Wasser zum Keimen gebracht und dann getrocknet. Bei untergärigen Bieren darf nur Gerstenmalz verwendet werden. Für obergärige Sorten darf auch anderes Malz, zum Beispiel Weizen-, Roggen- oder Dinkelmalz zum Einsatz kommen.

3. Der Hopfen: Er gilt als „Seele des Bieres“, denn er verleiht dem Bier seinen herben Geschmack und sorgt für die Schaumkrone. Hopfen ist ein Klettergewächs, das als Heilpflanze anerkannt ist. Seine beruhigende Wirkung nutzt der Mensch seit Jahrhunderten.

4. Die Hefe:

Sie bringt die Bierwürze zur Gärung und wandelt dabei Malzzucker in Alkohol und Kohlensäure um. Hefe, das sind mikroskopisch kleine Einzeller, die fast überall in der Natur vorkommen.

Quelle: Deutscher Brauer-Bund

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Schief gehen kann einiges. Rosner kennt viele Geschichten. Vor mehr als zehn Jahren fing er mit dem Bierbrauen an. Auf dem Herd in der heimischen Küche köchelte er die Brühe. Der gelernte Koch kaufte sich Fachbücher, probierte vieles aus. Damals war es nur ein Hobby. Schmeckte das eigene Bier nicht, war das nicht so schlimm. Heute muss Rosner seinen Lebensunterhalt damit verdienen. Knapp 20 000 Euro hat er in die Bierkessel investiert. Verglichen mit den Geräten in anderen Brauereien ist das eine sparsame Ausstattung. „Man muss ja mal klein anfangen“, sagt er. Das Bier verkauft er in Fässern und Krügen. Das meiste aber schenkt er an seine Gäste aus. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt Rosner in Sohland ein kleines Lokal. Das selbst gebraute Getränk ist das Markenzeichen der Kneipe. „Ohne hätten wir sicher nicht so viele Gäste.“

Ein aufdringlicher Geruch zieht sich durch die Küche mit weißen Fliesen und Holzdecke. Herb und gleichzeitig süß. Der Bierkessel ist still geworden. Rosner hat den Kochprozess beendet. Jetzt überprüft er die Schläuche, mit denen er zwei Kessel verbindet. Die kleinste Lücke und die wertvolle Flüssigkeit wäre für immer verloren. Dann schaltet er die Pumpe an. Es zischt. Die heiße Brühe fließt von einem Gefäß in das andere. Alles klappt, nichts geht daneben. „Der Sud muss nun abkühlen“, sagt er zufrieden. – Ronald Rosner hat alles auf eine Karte gesetzt. Er hat seinen Job gekündigt, um sich voll und ganz der Hofbrauerei zu widmen. Nun muss er ran. Zweimal pro Woche steht er an den Kesseln. Im Sommer öfter als im Winter. Rosner setzt damit eine Tradition fort. Schon sein Urgroßvater besaß eine Brauerei, Limonaden und Mineralwasserfabrik. 1916 ging das Unternehmen pleite. Danach wurde nicht mehr gebraut. Dafür gab es bis Mitte der 80er-Jahre auf dem Grundstück in Sohland eine Gaststätte. Dank Rosner gibt es jetzt wieder beides.

Ein Thermometer für die Würze

Pro Monat braut er 1 500 Liter Original Rosners Bier in fünf verschiedenen Sorten. Um da nicht den Überblick zu verlieren, überprüft er ständig seine Vorräte. Eine logistische Meisterleistung. Rosner muss langfristig planen, weil das Bier einige Wochen stehen muss, bis es genießbar ist. Zu lange darf er es aber auch nicht lagern, weil er unfiltriertes Bier herstellt. Das ist zwar kräftiger im Geschmack, hält sich aber nicht so lange.

Inzwischen hat sich der Dampf verzogen. Gleich hat die Hefe ihren großen Auftritt. Doch vorher zückt Rosner eine Glasspindel, taucht sie in die braune Flüssigkeit. Das Röhrchen sieht aus wie ein langes Thermometer. Doch es misst nicht die Temperatur, sondern die Stammwürze. Damit sind vor allem Zucker, Eiweiß, Vitamine und Aromen gemeint. Von der Stammwürze hängt auch der spätere Alkoholgehalt beim Bier ab. Der sollte bei Rosners Bier mindestens 5,2 Prozent sein. Der 55-Jährige schaut kritisch auf die Anzeige. Dann huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Die Glasspindel zeigt 12,3 Prozent Stammwürze. Genau richtig.

Die Hefe wartet schon. Dann beginnt die Gärung. Ronald Rosner wird sein Bier in dieser Phase der Produktion nicht mehr aus den Augen lassen. Den ganzen Tag über will den Schaum betrachten, der ihm sagt, was die Hefe gerade treibt. Erst 18 Uhr wird er fertig sein. Trinken kann man das Bier noch nicht. Sechs Wochen muss es ruhen – im Kühlhaus, abgefüllt in Fässern. Dann kann Ronald Rosner den ersten Schluck nehmen. Prost!

Die Hausbrauerei Rosner, Taubenheimer Straße 1 in Sohland, hat immer freitags bis sonntags von 14 Uhr bis 22 Uhr geöffnet. Kontakt unter  035936 41685.