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Alles gut im neuen Schuljahr?

Die Elternbescheide zur Schule der künftigen Fünftklässler sind jetzt verschickt. Doch viel Spannung liegt noch in der Luft.

© dpa

Von Carola Lauterbach

Noch immer wird bei der Bildungsagentur und im Kultusministerium fleißig gerechnet. Auch am Tag, nach dem die Eltern künftiger Fünftklässler endlich Klarheit haben, an welcher Oberschule oder welchem Gymnasium ihr Kind ab 1. September lernen wird. Welche konkreten Auswirkungen auf die Klassenbildung die nach dem Machtwort des Ministerpräsidenten vergangene Woche freigegebenen 185 Lehrerstellen haben, ist in den Kultusbehörden auch heute noch nicht zu erfahren. Nur so viel: Die befürchteten prallen Eingangsklassen wird es wohl nicht geben.

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Carmina Burana Konzerte am See
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Nachdem der um eine Woche verschobene Termin für die Elternbriefe sachsenweit für Empörung sorgte, kann die Situation an den Schulen heute nur als etwas gemildert beurteilt werden. Zwar scheine der Schuljahresbeginn nun gesichert zu sein, sagt der Vorsitzende des Landeselternrates, Peter Lorenz, der SZ. Dennoch rechne er mit weiterem „Klassenauffüllen“. Der Landeselterrat werde darauf dringen, dass zu den geplanten Lehrerstellen im jetzt entstehenden Doppelhaushalt 2015/16 jährlich zusätzlich 700 Stellen hinzukommen: „Als Steuerzahler und Wähler werden wir es nicht zulassen, dass jedes Jahr das peinliche Theater um Unterrichtsabsicherung und Lehrerstellen neu beginnt.“

Auch die Dresdner Kreiselternratsvorsitzende Annett Grundmann, die sich in der vergangenen Woche mit einem leidenschaftlichen offenen Brief an Eltern, Medien und politische Entscheidungsträger gewandt hatte, sieht zwar das Bemühen um Entspannung, ist sich aber sicher, es wird nicht reichen. „Hier werden nur die Stellen der Lehrer ersetzt, die ausscheiden. Die Zahl der Schüler wächst aber. Vieles, was für Schule so wichtig wäre, bleibt weiter auf der Strecke.“

Schlechtes Stimmungsbild

Das sehen Schulleiter und Lehrer nicht anders. Der Vorsitzende des Philologenverbandes und Leiter des Gymnasiums Dresden-Klotzsche, Frank Haubitz, sagt: „Wir leben weiter von der Hand in den Mund.“ Mit den 185 – befristeten – Stellen hätten die Schulen ein Jahr Luft. „Das enthebt uns nicht der Frage, legen wir im neuen Schuljahr die achten Klassen zusammen oder im übernächsten die neunten?“

Wie Haubitz können viele Lehrer die „Einstellungspolitik nach Kassenlage“ nicht nachvollziehen. Verantwortlich dafür machen sie den Ministerpräsidenten, den Finanzminister und den CDU-Fraktionschef. Heftig machten sich die Pädagogen am Mittwochabend in der Regionalgruppe Dresden des Philologenverbandes Luft. Sie zeichneten ein Stimmungsbild an den Schulen des Landes, das alles andere als erfreulich ist, wie auch der FDP-Bildungspolitiker Norbert Bläsner erkennen musste. Die ebenfalls zu dieser Runde eingeladenen Landtagsabgeordneten der CDU-Fraktion hatten sich wegen anderer Verpflichtungen entschuldigt.

Ein Viertel der Lehrer an ihrer Schule, erzählt eine Pädagogin, sei über 60 Jahre alt. Nur eine Kollegin sei unter 40. Sie selbst, Mathe-/Physiklehrerin und 57, würde sich gern schrittweise in die Altersteilzeit zurückziehen. Zwei Jahre lang habe sie jetzt eine Referendarin betreut. Nur wisse die nicht, ob ihre Bewerbung erfolgreich sein wird. Dieser Umgang mit Absolventen und Referendaren ist einer der Hauptkritikpunkte der Gymnasiallehrer. „Schofelig“ ist das in diesem Zusammenhang meist gebrauchte Wort. Es könne nicht sein, dass sie Mitte Juni noch keinen Bescheid auf ihre Bewerbung hätten. „Woanders werden sie mit Kusshand genommen – und Sachsen lässt sie ziehen.“ Ob schon einmal jemand ausgerechnet habe, fragt eine Dresdner Lehrerin polemisch, wie viel Geld des sächsischen Steuerzahlers bereits verschenkt worden sei, indem junge Lehrer hier ausgebildet und dann an andere Länder „verschenkt“ würden.

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