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Alles, nur keine langweilige Märchentante

Beim dritten SZ-Märchenfest wird Jolanda Querbeet mal wieder die Welt mit Händen und Füßen erklären.

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© Rebecca Schmidt

Von Lisa Albrecht

Radebeul. Ein kleines rotes Zelt mit Baldachin ist die Bühne, von der aus die Schauspielerin Jolanda Querbeet ihr Publikum stets lebhaft unterhält. Regelmäßig ist sie Gast auf dem SZ-Märchenfest – auch an diesem Sonnabend und Sonntag wieder – und Straßenmärkten. Ganz gleich, ob sie eine feste Geschichte erzählt oder eine Live-Improvisation macht, die vom Publikum durch Zuruf mitgestaltet werden kann – Querbeet verlangt viel Aktion von ihrem Publikum und interagiert ständig.

Wer schon einmal erlebt hat, wie sie Geschichten mit Lautmalerei, raumgreifenden Gesten und viel Humor präsentiert, vergleicht ihre Auftritte eher mit einer Solo-Theatershow als mit einer gemütlichen Erzählstunde. Deshalb wehrt sie sich auch gegen die Bezeichnung Märchentante, denn die verbindet sie mit Passivität und Langeweile. Sie erzählt so, wie sie die Märchen selbst gerne sehen würde: Laut, lustig, knapp, mit viel Spiel. Eine davon begeisterte Familie erfand dafür sogar den Begriff „Action-Märchen“.

Dass sie meistens mehr darstellt als erzählt, immer viel Körpereinsatz zeigt, geht auf ihre praktische Schauspielausbildung am Theater zurück. Danach tourte sie einige Jahre mit einem Puppenspielzelt über Mittelaltermärkte, bevor sie sich vor 15 Jahren in Radebeul niederließ.

Der Künstlername „Querbeet“ ist Programm, erzählt die gebürtige Berlinerin. Wenn sie nur eine Sache mache, dann fehle etwas. Denn außer dass sie mit ihren Geschichten unterwegs ist, arbeitet sie als Leiterin einer Jugendtheatergruppe oder führt als Museumspädagogin Besucher durchs Schloss Moritzburg. Wenn sie nicht gerade als Clownin oder Stand-up Comedian auftritt. Über die Vielfalt ihrer Arbeit sagt sie, dass sich die unterschiedlichen Projekte gegenseitig befruchten.

Den Satz „He who laughs most, learns best“ (Wer am meisten lacht, lernt am Besten) des englischen Monty-Python-Schauspielers John Cleese bezeichnet sie als Motto ihrer Arbeit. „Wenn die Leute bei mir waren, sehr gelacht haben und rausgehen und glücklich sind, voller Gelächter und die Welt ein kleines bisschen anders sehen, dann bin ich zufrieden.“

Den Prozess vom Märchen zum Programm beschreibt sie so, dass sie vielleicht hundert Märchen lese, zehn ihr gefielen und sie aus einem oder zwei dann etwas mache. Generell bemühe sie sich, jedes Jahr mindestens eine neue Geschichte in ihr Repertoire aufzunehmen. Doch für dieses Jahr in der Hoflößnitz verspricht sie auf jeden Fall das bei ihrem Stammpublikum schon bekannte Märchen „Das Rübchen“.

Als Kriterium für ihre Geschichten nennt sie, dass sie ein modernes Weltbild vermitteln und an der Lebenswirklichkeit der Zuhörer dran ist. Oder Querbeet wird gleich selbst als Autorin aktiv, zum Beispiel für ihren Film „Keine Spur von Dings“, der die Frage behandelt, was eigentlich passiert, wenn Rumpelstilzchen nicht in seinem Märchen auftaucht.

Auf die Frage, was das Schönste bei ihren Auftritten ist, antwortet sie mit einem Foto auf ihrem Handy. Darauf zu sehen: Jolanda Querbeet von hinten, ihr Publikum frontal, gebannte Blicke. Dazu erklärt sie: „Wenn ich das sehe, dieses Leuchten, dieses Strahlen in den Gesichtern, dann weiß ich: Guten Job gemacht! Dann weiß ich, aller Schweiß, alle Anstrengung haben sich gelohnt.“