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Alles nur „Netzwerkkontakte“

Welche Verbindungen bestehen zwischen der Gesellschaft „Sächsische Begegnungsstätte“ und der Muslimbruderschaft? Die Macher eines islamischen Gebetsraums relativieren.

© Repro/Montage: SZ

Von Christoph Scharf

Riesa. Integration statt Isolation: Wer könnte daran etwas aussetzen? Unter diesem Motto lud die Gesellschaft „Sächsische Begegnungsstätte“ (SBS) im November 2016 zu einer Veranstaltung in Dresden ein. Auf dem Werbezettel dafür prangen unter anderem auch die Ortsangaben Riesa und Meißen: In Meißen hat Geschäftsführer Saad Elgazar Räume für einen islamischen Gemeindetreff angemietet, in Riesa war er auf der Suche nach solchen Räumlichkeiten. Nach Angaben auf dem Werbeblatt organisiert die SBS ein Begegnungstreffen mit dem Ziel, „Einwanderer auf eine nachhaltige Integration vorzubereiten“.

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Was die Organisation darunter versteht, lässt sich den Stichpunkten darunter entnehmen: Dort geht es etwa um eine moralische Kinderausbildung, muslimisches Verhalten vor allem für die Jugend und Ehebeziehungen („nachhaltige Problemlösungen sparen Zeit und Geld“). Als Referenten der Dresdner Veranstaltung waren fünf islamische Prediger angekündigt.

Ausweichende Antwort

Für bemerkenswert hält Sachsens Verfassungsschutz allerdings etwas, das unter dem Tagungsprogramm abgebildet ist: Neben vier anderen Logos ist dort auch das Symbol der „Islamischen Gemeinschaft in Deutschland“ (IGD) abgedruckt. Damit ist für die Verfassungsschützer klar: Es gibt eine Verbindung zwischen der im Landkreis aktiven SBS und der sogenannten Muslimbruderschaft. Denn die IGD wird etwa vom Verfassungsschutz Baden-Württemberg als „Ableger“ der Muslimbruderschaft gewertet.

Die Bruderschaft selbst ist nach eigenen Angaben in 70 Ländern weltweit vertreten. „Sie verfolgt das Ziel, einen islamischen Staat zu gründen beziehungsweise bestehende Staatssysteme durch Unterwanderung zu übernehmen und in ihrem Sinne umzugestalten“, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2015 von Nordrhein-Westfalen. Die Arabischen Emirate haben die IGD 2014 sogar – als einzige deutsche Gruppe – auf einer Liste von 83 dem islamischen Terrorismus zuzurechnende Organisationen aufgeführt, neben Namen wie Al Quaida, Boko Haram oder Abu Sayyaf.

Die Dresdner Gesellschaft SBS tritt dagegen in einer aktuellen Pressemitteilung betont moderat auf: Man vertrete einen „unpolitischen“ Islam und bekenne sich zu „demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien“. Und warum taucht dann das Logo der vom Verfassungsschutz beobachteten IGD auf dem Flugblatt der im Freistaat aktiven SBS auf? „Die Verwendung der Logos in dem Flyer besagt lediglich, dass wir zu vielen Organisationen Netzwerkkontakte pflegen“, sagt SBS-Geschäftsführer Saad Elgazar.

Die SBS sei unabhängig und habe zu keiner dieser Organisationen „organisatorische oder finanzielle Verbindungen“. Die Einschätzung der Verfassungsschützer zur IGD möchte Elgazar nicht kommentieren – und verweist an die in Köln ansässige Gesellschaft selbst.

Auf die Frage, wie die in Dresden ansässige Gesellschaft SBS selbst zur Einführung der Scharia in Deutschland steht, antwortet Geschäftsführer Saad Elgazar eher ausweichend: „Die SBS vertritt in dieser Frage Auslegungen, die mit dem demokratischen System der Bundesrepublik Deutschland in keinem Interessenskonflikt stehen.“

Neue Räume schon gefunden

In Riesa gibt es dennoch Aufregung darum, wer hinter den Muslimen steht, die bis zum Jahreswechsel einen Gebetsraum auf der Goethestraße angemietet hatten und dann auf die Suche nach neuen Räumlichkeiten gingen. Der NPD-Kreisverband hatte am Dienstag schon einmal „Dauerdemonstrationen oder ständige Mahnwachen“ vor dem Riesaer Gebäude angekündigt, das „radikale Muslime“ nutzen wollen. Laut Saad Elgazar habe die SBS inzwischen neue Vereinsräumlichkeiten in Riesa gefunden.