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Allianz gegen Schwarzkittel

Jäger und Bauern wollen stärker kooperieren, um die Tierbestände zu dezimieren – gerade auch wegen der Schweinepest.

© dpa

Von Anja Beutler

Oberlausitz. Dass die Afrikanische Schweinepest einen Bogen um sie macht – darauf wollen sich Landwirte und Jäger im Landkreis nicht verlassen. Deshalb haben die Mitglieder der Jagdverbände der Oberlausitz und des Bauernverbandes Oberlausitz beschlossen, eine Art neue Allianz gegen die Afrikanische Schweinepest zu schmieden. „Jäger und Bauern müssen stärker und besser zusammenarbeiten als bisher“, skizziert der Geschäftsführer des Bauernverbandes, Rainer Peter, das Ziel, das bei einem Treffen der Jagdverbände der Oberlausitz und des Bauernverbandes Oberlausitz Ende Februar vereinbart wurde.

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Rainer Peter ist Geschäftsführer des Bauernverbandes. Er plädiert für eine Kooperation von Bauern- und Jagdverbänden. © R. Sampedro

Landwirte und Jäger sind auch in „normalen Zeiten“ miteinander verbunden: Die Bauern wünschen sich, dass die Jäger vor allem die Schweinepopulation im Zaum halten, damit die Tiere auf den Feldern nicht zu viel Schaden anrichten. Die Jäger erwarten dafür im Gegenzug Unterstützung der Bauern bei der Jagd. „Manche Jäger sehen es gern, wenn eine Schneise zwischen Wald und Maisfeld gemäht wird, damit sie die Wildschweine besser schießen können, andere plädieren für Schneisen im Feld“, erklärt Peter. Eine einheitliche Handhabe gebe es nicht, das komme auf die natürlichen Gegebenheiten vor Ort an. „Deshalb muss alles zwischen Landwirten und Jägern individuell abgestimmt werden“, betont auch Detlef Eckert, der dem Jagdverband Oberlausitz vorsteht. „Aber natürlich menschelt es da auch immer“, umschreibt Eckert die Verständigungsschwierigkeiten, die es nach wie vor nicht nur in Einzelfällen gibt.

Die drohende Schweinepest könnte nun bewirken, dass beide Seiten stärker zusammenrücken. „Am besten ist es, wenn Landwirte selbst auch Jäger sind oder aber Jäger im Unternehmen haben, die beide Seiten kennen“, wirbt Bauernverbandschef Peter für den Optimalfall. Genau diese Art von Personalunion verkörpert beispielsweise der Geschäftsführer der Miku Agrarprodukte GmbH in Mittelherwigsdorf, Hagen Hartmann. Wenn geerntet wird, schlüpft er immer wieder in die Rolle des Jägers, um Wildschweine zu schießen, die vor den Erntemaschinen fliehen. „Für einige unserer Flächen habe ich selbst einen Begehschein, wenn nicht, spreche ich mit den Pächtern ab, ob es möglich ist oder sie selbst schießen wollen“, erklärt er. Denn natürlich brauchen Jäger eine Berechtigung, sonst gilt das als Wilderei.

Dass sich die Wildschweine stark vermehrt haben und höhere Abschusszahlen gerechtfertigt sind, darin sind sich Jäger und Landwirte einig. Robert Otto, Vorstand bei der Agrargenossenschaft Eibau, bilanziert für 2017 die größten Schäden der vergangenen Jahre. „Wir hatten an mehreren Stellen Probleme, besonders stark in Ruppersdorf, dort haben uns die Wildschweine eine Grünfläche komplett umgepflügt“, sagt er. Otto und seine Kollegen haben also einen doppelten Nutzen, wenn die Jäger mehr Schweine schießen: ein Rückgang der Schäden auf der einen Seite und mehr Schutz vor der Ausbreitung der Schweinepest. Denn die kann allen Landwirten Probleme bereiten, wenn sie einmal eingeschleppt ist. Was die Einrichtung eines Sperrgebietes auch für landwirtschaftlichen Handel und den Futternachschub generell bedeuten könnte, möchte sich niemand ausmalen.

Sowohl Robert Otto als auch Hagen Hartmann plädieren deshalb dafür, dass Jäger und Bauern stärker als bisher Kompromisse eingehen und vor allem mehr miteinander kommunizieren. Besonders von den großen Waldbesitzern wünschen sich viele Bauern mehr Entgegenkommen, denn in den größeren Waldflächen finden die Schweine gute Rückzugsgebiete. So hatte es offenbar Unmut gegeben, dass es im Stadtwald Zittau Ende 2017 keine größeren Jagden gegeben hat. Der Grund waren die Stürme Herwart und Friederike, die weder das Betreten der Wege, noch eine Jagd oder das Bergen des erlegten Wildes möglich machten. Die Sorgen der Bauern, so sagte die Betriebsleiterin des Stadtwaldes, Angela Bültemeier, könne sie absolut verstehen und signalisierte mit Blick auf die neue Allianz Unterstützungsbereitschaft. Zu dem Treffen sei sie leider nicht eingeladen gewesen, sagte sie.