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Allianzen gegen große Asylunterkünfte

Höchstens 100 Bewohner pro Heim empfiehlt der Freistaat. Bürgerinitiativen fordert das nun auch im Landkreis.

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Von Stefan Schramm

Mehr als 400 Bewohner im Asylheim in Kamenz, über 200 Asylbewerber im Spreehotel in Bautzen. Und wahrscheinlich ab Sommer bis zu 260 Plätze in der Anfang des Jahres eröffneten Unterkunft an der Bautzener Flinzstraße. Der Bürgerinitiative Greenpark ist das zu viel. Sie engagiert sich seit Monaten für eine Verringerung der Kapazität des neuen Asylbewerberheims an der Flinzstraße, in dem derzeit knapp 60 Flüchtlinge aus aller Herren Länder untergebracht sind. Schon in wenigen Wochen – den genauen Termin konnte das Landratsamt gestern noch nicht benennen – werden nach Fertigstellung der zweiten Ausbaustufe bis zu 160 Asylbewerber in der Unterkunft Platz haben.

Für Christian Haase, den Sprecher der Bürgerinitiative, liegt diese Zahl schon weit oberhalb der Schmerzgrenze. Er möchte durchsetzen, dass die Empfehlungen und Erfahrungswerte von Experten auch im Landkreis Bautzen zur Anwendung kommen. So empfiehlt zum Beispiel der sogenannte Heim-TÜV, anhand dessen der sächsische Ausländerbeauftragte die Unterbringung von Asylbewerbern beurteilt, kleinere Unterkünfte mit einer Belegung von bis zu 100 Personen. Daran orientiert sich Haase mit seinen Mitstreitern. Zudem will er erreichen, dass der Landkreis Bautzen nach dem Vorbild anderer Kreise mehr auf die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge in Wohnungen setzt. Denn deren Anteil liegt nach Angaben des Landratsamts derzeit nur bei etwa 22 Prozent – und damit deutlich unter dem Durchschnittswert des gesamten Freistaates von rund 34 Prozent.

Beim Landratsamt sei Haase mit seinen Bemühungen jedoch auf taube Ohren gestoßen. „Der Landrat hält an seinen Plänen fest, 260 Leute an der Flinzstraße unterzubringen“, beklagt er. Deshalb beschreitet die Bürgerinitiative nun neue Wege. „Unser Ziel ist, den Landrat zur Wiederaufnahme des Dialoges zu bewegen. Asyl in Bautzen ja, aber kein Asylheim mit mehr als 100 Bewohnern“, bringt Christian Haase das Anliegen der Initiative auf den Punkt. Die Kundgebungen seien ab jetzt wöchentlich geplant. „Wir wollen aber keine Radikalen als Trittbettfahrer, sondern Kooperation und Sachdiskussion mit dem Landratsamt“, stellt Haase klar.

Zehn kleine besser als ein großes?

Landrat Michael Harig hat mehrfach öffentlich geäußert, dass ihm zehn kleine Gemeinschaftsunterkünfte lieber wären als zwei größere. Allerdings sind wir leider nicht in der Situation, dass wir am Markt frei wählen können“, sagt Landratsamtssprecherin Sabine Rötschke. Es gebe nicht genug kleinere Unterbringungsmöglichkeiten. In diesem Jahr rechnet der Landkreis mit einer Verdoppelung der Asylbewerberzahlen, weshalb auch große Gemeinschaftsunterkünfte notwendig seien. „Unabhängig von der Größe der Einrichtungen wird der Heim-TÜV eingehalten“, so die Landratsamtssprecherin. Zudem widersprach sie Vorwürfen seitens der Bürgerinitiative, das Landratsamt habe die Anmietung rund 30 leer stehender Wohnungen in Bautzen zur dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern abgelehnt. „Die Verhandlungen mit dem Wohnungsanbieter laufen derzeit konkret zum Abschluss von Mietverträgen“, so Sabine Rötschke.

Im Kampf gegen die großen zentralen Asylbewerberheime bahnt sich derweil ein Schulterschluss an, der noch vor wenigen Monaten nicht denkbar war. Das Bürgerbündnis Bautzen bleibt bunt, das sich für die Belange von Asylbewerbern einsetzt, verfolgt ähnliche Ziele wie die Bürgerinitiative. Manja Richter vom Bürgerbündnis erklärt, sie habe sich mit Christian Haase von der Initiative über Schnittmengen ausgetauscht. „Der Initiative geht es offenbar um mehr dezentrale Unterbringung und eine niedrigere Zahl der Bewohner des Asylbewerberheims an der Flinzstraße. Dafür sind wir auch“, sagt sie.