merken

Alpiner Ski-Star kämpft um Gold und seinen Sohn

Bode Miller will es in seinem letzten Olympia-Winter noch einmal wissen – und das Sorgerecht für Nate zurück.

© Reuters

Von Marco Mader

Bode Miller schrieb nach Platz 23 beim Super-G von Lake Louise am Sonntag noch schnell einige Autogramme. Dann war er auch schon wieder weg. Sagen wollte der Olympiasieger nichts. Es dürfte ihm bewusst gewesen sein, dass die Reporter mit ihm nicht nur über seine Rückkehr in den Weltcup nach gut anderthalb Jahren Auszeit sprechen wollten. Denn mehr noch als der Kampf des alpinen Ski-Stars um einen letzten, goldenen Höhepunkt seiner glanzvollen Karriere bei den Winterspielen im Februar in Sotschi beschäftigt derzeit sein Privatleben die Öffentlichkeit.

Anzeige
Spaß und Nervenkitzel pur
Spaß und Nervenkitzel pur

Im Laserland Dresden können auch Erwachsene mal wieder Kind sein: Ein einzigartiges Erlebnis für Kollegen, Freunde und Familie und ideales Geschenk!

Am vergangenen Montag erlitt Miller die größte Niederlage seines Lebens – nicht auf der Piste, sondern in einem Gerichtsraum in New York. Da musste er seinen etwa neunmonatigen Sohn dessen Mutter Sara McKenna übergeben. Ein Familiengericht kassierte das Urteil der kalifornischen Justizbehörden, die das Sorgerecht davor Miller zusprachen. Am nächsten Montag folgt in Manhattan der entscheidende Prozess. Bis dahin bleibt Nate bei seiner Mutter. Skifahrer Miller ist jetzt auch der Vorkämpfer für die Rechte von Vätern.

Der Fall Miller gegen McKenna füllt in den USA daher längst nicht mehr nur die Klatschspalten oder den Sportteil. Verbände, die sich für Belange alleinerziehender Mütter einsetzen, entdeckten die Sache ebenso für sich wie entrechtete Väter. Miller wirft McKenna vor, ihm Nate mit dem Umzug von Kalifornien nach New York entzogen zu haben. Ein Richter in Manhattan nannte das „unverantwortlich“ und „verwerflich“ und sprach Miller das Sorgerecht zu. McKenna hält dem entgegen, sie sei nach New York umgesiedelt, um da an der Columbia-Universität zu studieren. Für Miller ist das Verfahren ein weiterer Tiefpunkt auf der Achterbahnfahrt, die er in den vergangenen Monaten erlebte. Da war zunächst die kurze, heftige Affäre mit McKenna. Der 36-Jährige lernte die 27-Jährige im April 2012 auf einer Datingseite im Internet kennen. Einen Monat später wurde sie schwanger. Im Oktober heiratete Miller die ehemalige Volleyballerin Morgan Beck. Sie erlitt kurz danach eine Fehlgeburt. Im Dezember wechselte McKenna, damals im siebenten Monat schwanger, von Kalifornien nach New York. Da brachte sie im Februar Nate zur Welt. Er hieß damals noch Samuel Bode junior.

McKenna nannte ihren Sohn so, „damit jeder weiß, was für ein Versager sein Vater ist“. Miller ersetzte Bode junior später durch Nathaniel, um an seinen im April gestorbenen gleichnamigen Bruder, einen Snowboarder, zu erinnern. Im Internet rechtfertigt er sich gegen Kritik: „Wir fühlten, dass ein mit Liebe besetzter Name besser für Nate passt.“ Miller kümmert sich liebevoll um seinen Sohn. Das sahen alle im Oktober beim Saisonauftakt in Sölden.

Da gab Miller den ambitionierten, offenherzigen Familenvater, der auch noch eine fünfjährige Tochter aus einer anderen Beziehung hat. Die Motivation sei zurück, und er greife in Sotschi noch einmal an. Beim Riesenslalom in Sölden belegte Miller Position 19. Bei der Abfahrt am Sonnabend in Lake Louise kam er auf Rang 16. „An einem guten Tag ist Bode zu allem fähig“, sagte Patrick Riml, Alpindirektor des USA-Skiverbandes. Der Einstieg in den Weltcup nach zwei Knie-Operationen und der langen Pause sei in Ordnung gewesen und bald mehr zu erwarten.

Noch vor zwei Wochen grinste Miller, Nate auf dem Arm, der Internetgemeinde entgegen. Das Sorgerecht lag damals noch bei ihm. Auch skimäßig lief es. Vater und Sohn tragen auf dem Bild Sonnenbrillen. Seine Überschrift: „Unsere Zukunft ist sonnig!“ Derzeit sieht es eher wolkig aus. (sid)