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Döbeln

Als der Eimer noch aus Holz war

Beim Hoffest zeigen Handwerker, wie viel Arbeit früher in den Produkten steckte. Das kommt an. Aber die Organisatoren sind noch nicht ganz zufrieden.

Eine Weile haben Andrea und Carsten Tröger dem Böttcher Roland Theißig bei der Arbeit zugesehen. Dann entscheiden sie sich für einen seiner handgefertigten Wassereimer –für die Deko.
Eine Weile haben Andrea und Carsten Tröger dem Böttcher Roland Theißig bei der Arbeit zugesehen. Dann entscheiden sie sich für einen seiner handgefertigten Wassereimer –für die Deko. © Thomas Kube

Waldheim. Weinfässer, Blumenkübel, Wassereimer – beim Waldheimer Hoffest zeigt Roland Theißig, wie viel Arbeit früher nötig war, ehe ein Böttcher ein solches Gefäß anbieten konnte.

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Theißig hat diesen Beruf Anfang der 1960er-Jahre bei seinem Vater in Roßwein erlernt und anschließend in einer großen Böttcherei in Dresden gearbeitet. Später wechselte er in die Textilindustrie und nach der Wende in den Fenster- und Rollladenbau. Die Böttcherei blieb aber immer sein Hobby. „Ich zeige das Handwerk jetzt bei Mittelaltermärkten und Erntedankfesten. Zum Weihnachtsmarkt bin ich auch wieder in Waldheim“, sagt der inzwischen 73-Jährige. Im Gebirge hätten die Leute allerdings eine andere Beziehung zu Holz und zu solch altem Handwerk, hat er festgestellt. Das bestätigt Carsten Tröger, der sich mit seiner Frau Andrea gerade einen Wassereimer aus Eichenholz herausgesucht hat. Der soll aber „zweckentfremdet“ als Deko genutzt werden. „Der Aufwand, der hinter solch einer Arbeit steckt, wird von vielen nicht mehr anerkannt“, meint Tröger. Für den Eimer hat Roland Theißig sieben Stunden gebraucht, davon waren etwa 90 Prozent Handarbeit.

Platz für weitere Handwerker wäre da

Neben dem Böttcher können die Gäste des vierten Hoffestes unter anderem noch einem Seiler, einem Steinmetz und einem Muldenhauer bei der Arbeit zuschauen. Neu dabei sind ein Steinbildhauer, ein Metalldrücker und die Löwenapotheke. Aber in Bergmanns Hof wäre noch mehr Platz.

Mit einem Kupferschmied hat Albrecht Bergmann zum Leisniger Altstadtfest bereits Kontakt aufgenommen. Auch einen Seifensieder könnte er sich vorstellen. „Ich weiß nicht, ob es auch noch Zinngießer gibt?“, fragt sich Bergmann, der als Bürgermeister Selle durch die Napoleon- und Bierausstellung sowie die Schau zur Tabakverarbeitung führt.

Bergmann lobt den Waldheimer Gewerbeverein. „Er hat sich großartig eingebracht.“ Dessen Vorsitzender Roman Petters ist mit der Resonanz ebenfalls zufrieden. Dass das Hoffest bis auf den Obermarkt erweitert wurde, habe sich gelohnt. Dort geht es am Präventionsmobil der Polizei um die Sicherheit im Haus und auf dem Grundstück und es werden die neusten Opel-Modelle präsentiert.

Mit Hüpfburg, Torwandschießen und Tombola gibt es erstmals auch Angebote für Kinder. Die Betreuer haben alle Hände voll zu tun. Ina Pugell vom Vorstand des Gewerbevereins freut sich zwar insgesamt über den nicht abreißenden Besucherstrom, findet es aber schade, dass nur ganz wenige Geschäfte der Bitte gefolgt sind, an diesem Tag länger zu öffnen. Die Verbindung von heutigem Handel und früherem Handwerk müsse noch geschaffen werden. Zumindest zeigen das Modegeschäft Mia Marie, Schuh-Jung sowie Uhren und Schmuck Popko Teile ihrer Kollektionen mehrfach am Tag in Modeschauen.