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Als die Elektronik mikro wurde

Die kleine DDR wähnte sich auf manchem Gebiet ganz groß. Tatsächlich erreichte sie nicht nur im Sport Höchstleistungen. In der Elektronik war die Deutsche Demokratische Republik zumindest im Ostblock Spitze.

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Dresden. Sie galt lange Zeit als Hoffnungsträger in der DDR und hat im Kern die Wende überlebt: Die Mikroelektronik hat 2011 in Dresden ihren 50. Geburtstag gefeiert und wird nun mit einer Ausstellung in den Technischen Sammlungen der Elbestadt bedacht. Auf wenigen Quadratmetern Fläche sind hier bis 7. Oktober Meilensteine der Branche zu sehen. Deren Geburtsstunde schlug 1961 mit einer in Dresden gegründeten Arbeitsstelle für Molekularelektronik.

Über politische und wirtschaftliche Brüche hinweg ist daraus ein Hochtechnologie-Cluster entstanden, das heute zahlreiche Firmen und Forschungsinstitute in der Region Dresden vereint. Dresden gilt inzwischen als bedeutendster Standort der Mikroelektronik in Europa.

Die Ausstellung in den Technischen Sammlungen zeigt neben Prototypen und elektronischen Bauelementen auch Anwendungen der Mikroelektronik, darunter den ersten Taschenrechner der DDR und den ersten Herzschrittmacher „made in GDR“. Auch das legendäre Megabit-Projekt spielt eine Rolle. Mit ihm sollte mehr Unabhängigkeit von westlicher Technologie erzielt werden. Zugleich unterlag die DDR zwischen den Fronten des Kalten Krieges einem Embargo für bestimmte elektronische Güter.

DDR-Staatschef Erich Honecker überreichte noch 1998 den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow den Prototyp des Megabit-Chips. Rund 11 Milliarden DDR-Mark soll das ehrgeizige Vorhaben gekostet haben. Aber schon bald wurde deutlich, dass die DDR vom technischen Fortschritt anderswo überholt worden war. (dpa)