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Als die Kamera noch Kasten hieß

Denkmalpfleger bauen in der Jugendbauhütte in Görlitz einen der ersten Fotoapparate nach. Der wird bald im Fotomuseum gezeigt.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Von Ines Eifler

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Görlitz. Eine Kamera aus den Anfangsjahren der Fotografie nachzubauen: Das passt zu Görlitz, dachten sich die Mitglieder des Dresdner Vereins „Wissensvermittlung in der Denkmalpflege“ und nahmen zum Görlitzer Fotomuseum Kontakt auf. Denn hier, in der Löbauer Straße 7, sind nicht nur Büsten der drei Fotopioniere William Henry Fox, Louis Daguerre und Joseph Niépce an der Fassade angebracht, hier wird an die Geschichte der Fotografie und der Kameraherstellung in Görlitz erinnert. Hier liegen Pläne und Konstruktionsanleitungen zu frühen Fotoapparaten, hier fanden die jungen Leute Unterstützung in ihrem Vorhaben, eine Kamera zu bauen, wie sie der französische Maler Louis Daguerre entwickelt und 1839 erstmals präsentiert hatte.

„Diese ersten Kameras waren aus Holz und wurden deshalb von Tischlereien hergestellt“, sagt Wolfgang Blachnik, Vorsitzender des Fotomuseums. Auch in Görlitz gab es Kunsttischlereien, die sich ab spätestens 1889 der Kameraherstellung zuwandten. Für eine Daguerreotypie-Kamera brauche es vor allem zwei genau ineinanderpassend Holzkästen, sagt Blachnik, und eine Linse, durch die für eine bestimmte Zeit Licht auf eine versilberte Kupferplatte fällt. Um das Bild scharfzustellen, schiebt man die beiden Holzkästen näher zusammen oder zieht sie weiter auseinander. Zum Verschließen der Linse dient ein einfacher Deckel. „Die ersten Fotos hatten ja eine Belichtungszeit von bis zu 15 Minuten“, sagt Blachnik, „dafür genügte der Deckel.“

Bereits vor zwei Jahren wandte sich der Verein „Wissensvermittlung in der Denkmalpflege“ ans Fotomuseum mit der Idee, diese Kamera nachzubauen. Jetzt hat die Umsetzung begonnen. Die Mitglieder dieses Vereins sind ehemalige Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres im Bereich Denkmalpflege. Sie haben ihr Freiwilligenjahr also nicht in Pflegeheimen, Kindergärten oder Krankenhäusern verbracht wie viele andere FSJler, sondern in Institutionen, Ämtern, Betrieben oder Vereinen, die sich ganz praktisch oder im weiteren Sinne mit Denkmalpflege beschäftigen. Koordinationsstelle für alle in Sachsen eingesetzten FSJler Denkmalpflege ist die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz geförderte Jugendbauhütte Sachsen mit Sitz im Scharfrichterhaus, direkt neben dem Finstertor in der Görlitzer Nikolaivorstadt.

Wolfgang Voigt, Leiter der Jugendbauhütte seit 2013, findet Jahr für Jahr im ganzen Freistaat Einsatzstellen für die 16- bis 26-jährigen Freiwilligen, ordnet die Bewerber diesen Stellen zu, ist Ansprechpartner für beide Seiten und organisiert die Seminare und öffentlichen Veranstaltungen, zu denen die FSJler in die Jugendbauhütte kommen. Interessenten für das Freiwilligenjahr gebe es genug, sagt Voigt. Schwieriger sei es, Einsatzorte für die 24 möglichen Stellen zu finden. Einen Teil der Kosten für die Betreuung und Entlohnung der Jugendlichen zahle zwar die Stiftung Denkmalschutz, vermittelt über die Jugendbauhütte. Aber auch die Firma, der Verein, das Amt, wo der FSJler im Einsatz sei, müsse einen Teil der Kosten tragen. „Nicht jeder Verein, der sich mit Denkmalpflege beschäftigt, kann sich das leisten“, sagt Wolfgang Voigt. Er ist selbst Restaurator und hat vor seiner Tätigkeit in der Jugendbauhütte an der Restaurierung mehrerer Kirchen, vor allem um Berlin herum und an der Ostseeküste, mitgewirkt. Für einen Steinmetz oder Restaurator, der einige ausgebildete Handwerker beschäftige und bezahle, sei es nicht immer einfach, zusätzlich Zeit und Geld in die Anleitung eines ungelernten Jugendlichen zu investieren, der vielleicht noch gar nicht wisse, welchen Beruf er später ausüben möchte, sagt Voigt.

Dennoch ist es ihm auch in diesem Jahr gelungen, wieder fast alle FSJ-Denkmalpflege-Stellen zu besetzen, zwei davon in Görlitz: Einer der Jugendlichen ist in der Unteren Denkmalschutzbehörde tätig, einer im Architekturbüro Weise.

Alle in Sachsen in der Denkmalpflege aktiven FSJler kommen an etwa 30 Tagen im Jahr zu Seminaren mit Workshops sowie zu denkmalpflegerischen Einsätzen in die Jugendbauhütte. „Die Sanierung des Scharfrichterhauses ist ja aus Fördermitteln bezahlt worden und wir sind verpflichtet, es zu erhalten“, sagt Voigt. Also wenden die FSJler direkt am Gebäude an, was sie an ihren Einsatzorten gelernt haben, oder festigen ihre Kenntnisse in Handwerkstechniken, etwa bei Mauer-, Stuck-, Holz- oder Steinmetzarbeiten. Nach ihrem Freiwilligenjahr können sie ihr Wissen in weiteren Seminaren in der Jugendbauhütte, etwa als Mitglied des Vereins „Wissensvermittlung in der Denkmalpflege“, vertiefen, der jetzt die Daguerreotypiekamera baut. In einem ersten Seminar Anfang Februar ist der Rohbau entstanden, die nötigen foto-optischen Teile hat das Fotomuseum beigesteuert. In einem zweiten Seminar soll die Kamera fertiggestellt werden. Ab April wird man sie im Fotomuseum besichtigen können.