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Als Kunst noch von Können kam

Das Stuhlbaumuseum Rabenau zeigt zum Tag des traditionellen Handwerks alte Arbeitstechniken. Dabei kann es auch gefährlich werden.

© E. Kamprath

Von Hauke Heuer

Rabenau. Das Stuhlbaumuseum in Rabenau öffnet anlässlich des Tages des traditionellen Handwerkes im Erzgebirge am Sonntag seine Türen und gibt einen Einblick in fast vergessene Kunstfertigkeiten, aber auch moderne Adaptionen alter Handwerkstechniken. „Dieser Tag ist für uns der Höhepunkt des Jahres“, freut sich Museumsleiterin Daniela Simon. So gibt es nicht nur die schönsten und eindrucksvollsten der rund 300 historischen Stühle sowie alte Maschinen und Werkzeuge zu sehen. Echte Handwerksmeister kommen in das Museum und zeigen den Besuchern ihre besonderen Fähigkeiten.

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So auch Horst Schlosser: Der 85-Jährige hat sein gesamtes Leben im VEB Polstermöbel-Kombinat Oelsa-Rabenau gearbeitet und im Laufe der Jahrzehnte den Wandel seines Handwerks miterlebt. „Früher wurden Stuhlpolster aus Federn hergestellt, die auf der Unterseite der Sitzfläche mit Gurten vernäht wurden. Verfüllt wurden die Polster mit Afrik – den Fasern von Palmen. Diese Arbeit macht sich heute kaum noch jemand. Die Polster werden aus Schaumstoffen hergestellt“, erklärt Schlosser, der am Sonntag im Museum alle Fragen zu alten Sitzbezügen und Ähnlichem an historischen Beispielen beantworten wird.

Auch Helfried Mende (83) ist ein Meisterhandwerker vom alten Schlag. Der Bildhauer hat von 1958 bis 1997 in seiner eigenen Werkstatt in Oelsa kunstvolle Verziehrungen für Holzmöbel aller Art geschnitzt. Von Barock bis zum Jugendstil beherrscht er alle Gestaltungsformen der Stilepochen der osterzgebirgischen Handwerkskunst. Er wird den Besuchern seine Fähigkeiten vorführen. Gerade Kinder können bei ihm auch einmal selbst zum Schnitzmesser greifen und sich an der Bearbeitung von weichem Holz versuchen.

Programm in der Region

Mittelmühle & Bäckerei Gerold Zahn: Grimmsche Hauptstraße 26, Glashütte OT Reinhardtsgrimma; Mühlenbesichtigung, Holzbackofen, Müllerhandwerk, Bäckerhandwerk

Flechtwerkstatt im Ferienhof Näcke: Mühlenstraße 30, Klingenberg OT Beerwalde; Flechthandwerk

Bäckerei & Konditorei Sauer: Zur Kirche 4, Klingenberg OT Pretzschendorf; Bäckerei und Konditoreihandwerk

Apotheker Hermann Zwetz: Am Tharandter Wald 12, Mohorner Grund; Räucherkerzenherstellung

Deutsches Stuhlbaumuseum Rabenau: Lindenstraße 2, Rabenau; Polstern, Biegen, Flechten, Intarsienschneiden, Holzbildhauerei, Grünholzdrechseln, Stuhlbauen, Blütenbildnerei

Alle Werkstätten und Museen haben von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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Auch Mende hadert ein wenig mit den Folgen der modernen industriellen Produktion in seinem ehemaligem Gewerbe: „Heute geht es immer um den Preis. Die jungen Leute sind nicht mehr bereit, viel Geld für Möbel auszugeben“, sagt er.

Im Stuhlbaumuseum gibt es am Sonntag noch viel mehr zu sehen. So zeigt Petra Köhler, wie die Lehne eines Stuhles aus Peddigrohr geflochten wird. Die Handwerker Johann Spensberger und Stephan Malek setzen eine alte Biegemaschine wieder in Gang und bringen mit viel Wasserdampf und brachialem Druck Holz in die richtige Form. Ganz besonders gefährlich ist das Vorhaben des Rabenauer Stuhlbauers Dietmar Bormann, der eine Bockfräse vorführt. Diese Maschine wird heute kaum noch genutzt – sie hat schon vielen Arbeitern die Finger gekostet.

Insgesamt zwölf Handwerker zeigen im Museum und auf dem Hof ihr Können. Darüber hinaus kann im Stuhlbaumuseum noch bis zum 19. November die Sonderaustellung „Das Beste vom Holz-Furnier – schön und einzigartig“ bestaunt werden. Gezeigt werden etwa Arbeiten des Dresdner Unternehmens Ligno Tube, das Lampen aus durchscheinendem Furnier herstellt, oder der Firma Danzer aus Kesselsdorf, die bereits das UN-Hauptquartier in New York mit ihren Furnieren ausgestattet hat. Beide Unternehmen zeigen, dass auch heute die Arbeit mit dem traditionellen Werkstoff Holz eine Zukunft hat.