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Kamenz

Als man in Kamenz noch zum Bader ging

Zum Kaffeeklatsch am 3. September geht es im Malzhaus auch um das „unehrliche“ Handwerk. Sonntag lockt die Führung am Ersten.

Blick in den an der Schillerpromenade gelegenen Garten der Baderei. Das Haus ist nach vielen Jahres des Leerstandes endlich wieder in privater Hand engagierter Kamenzer.
Blick in den an der Schillerpromenade gelegenen Garten der Baderei. Das Haus ist nach vielen Jahres des Leerstandes endlich wieder in privater Hand engagierter Kamenzer. © Anne Hasselbach

Kamenz. Wer sich für die Geschichte seiner Heimatstadt interessiert, der kommt in der ersten Septemberwoche wieder voll und ganz auf seine Kosten. Ragnit Michalicka von der Stadtgeschichte im Malzhaus lädt am Sonntag, dem 1. September, zur Führung am Ersten ein (Treffpunkt um 17 Uhr im Foyer des Museums der Westlausitz). Auf historischen Spuren geht es dann durch die Lessingstadt, und versteckte historische Orte und Spuren werden lebendig.

Bereits zwei Tage später schließt sich der Kaffeeklatsch im Malzhaus an – die Gesprächsrunde zur Geschichte der Stadt. Wie immer ist das Themenspektrum recht weit gefasst. Im Mittelpunkt stehen die in der Tendenz eher angenehmen Dinge: die Baderei in Kamenz und die Geschichte des Stadttheaters. Darüber hinaus wird die Vergangenheit der Kamenzer Tuchindustrie eine Rolle spielen, mit der sich Norbert Portmann intensiv beschäftigt hat.

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Der Bader oder auch Stübner genannt, ist ein längst ausgestorbener Beruf des Mittelalters, aus dem weitere hervorgegangen sind, wie der Wundarzt oder der Barbier. Ihrerseits sind sie in dieser Form bereits Vergangenheit. Überlebt hat er jedoch als Familienname. Als „unehrliches Handwerk“ war die Baderei nicht in Zünften organisiert, einige Regionen in Süddeutschland waren da allerdings eine Ausnahme. Nicht nur das Badehaus betrieb der Bader, sondern er war gewissermaßen Arzt der kleinen Leute, die sich den studierten Mediziner nicht leisten konnten. Auch Haareschneiden und Zähneziehen war in manchem Badehaus üblich, nicht wenige galten als Orte der Prostitution. In Kamenz ist eine Baderei bereits für das Jahr 1396 nachgewiesen, niemand weiß allerdings, wo sie sich befand. Später war der Bader an der heutigen Pulsnitzer Straße ansässig. Der Abschnitt zwischen Rosa-Luxemburg-Straße und Zwingerstraße hieß einstmals Badergasse. Im Zusammenhang mit dem Thema werden die jüngsten Ergebnisse der Hausforschung vorgestellt.

Aber auch das Kamenzer Stadttheater steht im Fokus. Vor 20 Jahren wurde es in heutiger Gestalt eröffnet. Begangen wird das Jubiläum mit einer Ausstellung zur Geschichte, allerdings nicht nur der letzten Jahrzehnte, sondern rückblickend bis zur Theaterentstehung. Die Ausstellung erinnert nicht zuletzt an die Zeit in den späten 1940er-Jahren, als das Theater ein eigenes Ensemble besaß und die Lessing-Klassiker in eigenen Produktionen zu sehen waren.

3. September, 15.30 Uhr, Malzhaus. Eintritt frei.