Merken

Als Obama zur Kanzlerin auf Deutsch „Dankeschön“ sagte

Sie kennen sich noch nicht lange – und es ist sein erster Deutschlandbesuch im neuen Amt. Aber auf dem Marktplatz von Baden-Baden begrüßen sich die Kanzlerin und der neue US-Präsident am Freitagnachmittag wie alte Freunde.

Teilen
Folgen

Von Ulrich Scharlack und Dorothée Junkers, Baden-Baden

Sie kennen sich noch nicht lange – und es ist sein erster Deutschlandbesuch im neuen Amt. Aber auf dem Marktplatz von Baden-Baden begrüßen sich die Kanzlerin und der neue US-Präsident am Freitagnachmittag wie alte Freunde. Angela Merkel erhält zum Auftakt von Barack Obama ein Küsschen rechts und ein Küsschen links. Auch seine Gattin Michelle herzt die Gastgeberin, die ihren Mann Joachim Sauer zur Begrüßung vor der Stiftskirche mitgebracht hat.

Verglichen mit dem Wirbel, den Obama zuvor in Großbritannien und Frankreich entfacht hatte, geht es zu Beginn des neuen Kapitels im deutschen-amerikanischen Verhältnis recht unaufgeregt zu, fast wie bei einem Routinetermin. Die Ehrenformation der Bundeswehr ist angetreten. Es ertönen die Nationalhymnen. Am Ende führt der Gast Merkel über den roten Teppich. Nur ein paar Bürger durften sich ihnen in der Hochsicherheitszone nähern.

Später in der Pressekonferenz fassen die beiden in Worte, was ihr Auftritt vorher symbolisieren sollte: Wir verstehen uns. Insbesondere Obama übergibt verbale Blumen. Deutschland sei „ein ausgezeichneter Bündnispartner“. Die Kanzlerin habe ihn schon auf dem G20-Gipfel in London tief beeindruckt mit ihrer „Weisheit, Beharrlichkeit und Führungsstärke“. Merkel ist sich sicher, dass sich die langen deutsch-amerikanischen Beziehungen weiter gut entwickeln werden.

Am Anfang noch reserviert

Die Kanzlerin hat sich gegenüber der grassierenden „Obamania“ ziemlich reserviert gezeigt. Als viele Deutsche vor einem Jahr in Verzückung für den Wahlkämpfer Obama gerieten, sorgte sie dafür, dass aus einer Rede Obamas am Brandenburger Tor nichts wurde. Der damalige Senator aus Illinois redete schließlich an der Berliner Siegessäule – vor 200 000 begeisterten Menschen. Auch nach seiner Amtseinführung hielten sich die Kontakte zwischen Merkel und Obama zunächst in Grenzen. Beide waren mit Krisenmanagement eingedeckt. Ein 25-minütiges Gespräch kurz nach Obamas Amtseinführung und am Donnerstag eine 40-minütige Videokonferenz – das war es. Auf dem G20-Gipfel legte Obama schon vertrauensvoll den Arm um die Schulter der Kanzlerin.

Diese Bande wurden in Baden-Baden fester geknüpft. Streitfragen gibt es kaum. Dem Klimaschutz räumt Obama im Gegensatz zu Vorgänger George W. Bush Priorität ein. Die Deutschen sagen, dass die neue Afghanistan-Strategie der USA auch von ihnen stammen könnte – vor allem der neue Akzent, dass mehr für die Bevölkerung am Hindukusch getan werden müsse. Auch in Baden-Baden dankte Obama der Kanzlerin für die Beiträge der Deutschen. Kein Wort über weitere deutsche Soldaten oder höhere finanzielle Beiträge. Merkels Leute nicken zufrieden.

In London unterstützte der Neue im Weißen Haus die Deutsche beim Versuch, die Finanzmärkte zu bändigen. Das Einzige, was der Bundesregierung Sorgen macht, sind die enormen Schulden, die die USA in Kauf nehmen, um die Wirtschaft zu beleben.

Obama muss das von seinen Beratern gehört haben. Am Ende bedankt sich Obama auf Deutsch mit einem „Dankeschön“. (dpa)