merken

Als sich schlesische Schulbücher der Hygiene widmeten

Görlitz hatte auch eigene Fibeln, mal aus der Schulträgerschaft, mal aus Mangel an Material.

Auch Lesebücher sind Zeitzeugen. Sie geben Auskunft zur territorialen Zugehörigkeit jener Schule, zu deren Schulpflichtliteratur sie gehörten. So auch das „Lesebuch für Schlesien“. Es wurde nicht nur in Görlitz, sondern auch in Weißwasser, Bad Muskau und in Niederschlesien östlich der Neiße im Unterricht an römisch-katholischen Schulen als Standardlesebuch verwendet – bis zu deren Schließung durch den Nationalsozialismus. Ähnliches galt für die Lesebücher an den evangelischen Schulen.

Anzeige
Mutige Gründerinnen gesucht

Am Anfang stehen die drei Buchstaben T U N", sagt eine der beiden Gewinnerinnen des Sächsischen Gründerinnenpreises 2019. Jetzt noch für 2020 bewerben.

Man erhielt dieses „Lesebuch für Schlesien“ für 2,10 Reichsmark, den dauerhaften Originalband für 2,85 RM. Es erschien in drei Bänden. Besondere Beachtung schenkte man damals der Schulhygiene. So enthielten die Innenseiten Hinweise für gesundes Leseverhalten unter der Überschrift „Schone Deine Sehkraft“ an die Schüler und ihre Eltern. Viel Aufmerksamkeit widmete man der Heimatliebe. Das „Lesebuch für Schlesien“ gliederte sich in Abschnitte wie „Eltern und Kinder“, „Aus der Welt der Arbeit und des Verkehrs“, „Volkswirtschaftliches“, „Krieg und Frieden“, „Aus dem Leben der Kirche“, „Naturkunde“ und auch „Heimatgeschichte“.

Auch nach 1945 schrieb die Stadt noch einmal mit eigenen Schulbüchern Zeitgeschichte. Weil nach dem Zweiten Weltkrieg Schulmaterial rar war, stellten im Auftrag des Schulamtes die Lehrer Erich Röhr und Artur Pohl eine „Görlitzer Fibel“ zusammen. Noch 1945 wurde sie auf dem Demianiplatz (damals „Druckerei Hoffmann & Reiber“) gedruckt und avancierte zu einem „rührenden Zeugnis ungebrochenen Aufbauwillens“, wie es der Historiker Ernst Kretzschmar formulierte. (jw/rs)