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Also doch zurück in die 60er

Das Hochhaus am Pirnaischen Platz in Dresden wird wohl doch nicht so radikal verändert wie zunächst gedacht. Das sind die neuesten Pläne:

© Archecon

Von Sandro Rahrisch

Dresden. Verschlimmbesserung, ein städtebaulicher Albtraum, ein hässlicher Klotz: Für die Hochhaus-Pläne am Pirnaischen Platz hat es am Wochenende viel Kritik gegeben. Dabei liegt inzwischen schon ein neuer Entwurf vor, wie Projektentwickler Stefan Stift mitteilt. Dieser sei in den letzten Monaten in Zusammenarbeit mit der Dresdner Stadtverwaltung erarbeitet worden und greife deutlich weniger in den baulichen Charakter des 14-Geschossers ein.

So soll die Dachterrasse nicht mehr komplett überbaut und verglast werden. Stattdessen ist ein Staffelgeschoss geplant, das ein Schmetterlingsdach bekommt und damit mehr an das Flugdach aus den 60er-Jahren erinnern wird. Nach wie vor sieht der Entwurf vor, dass die auffällige Loggienfassade mit knapp 100 Balkonen zwar modernisiert wird, aber erhalten bleibt. Zur Grunaer Straße hin ist außerdem ein teilweise verglaster Fahrstuhlschacht vorgesehen. Der Durchgang am Fußweg soll zwar hinter Scheiben verschwinden. Ein Teil der massiven V-Stützen aus Beton wird aber nicht verglast. „Dresden Cityloft Apartments“ soll das komplette Ensemble einmal heißen.

Ein wenig anders sehen nun auch die Pläne für den Flachtrakt aus. Auf den Lidl-Markt soll weiterhin ein Staffelgeschoss draufgesetzt werden. Allerdings nicht in Form eines Kubus‘, wie zunächst angedacht. Inzwischen möchte die Stift Entwicklungsgesellschaft das Ende der 60er-Jahre errichtete und nach der Wende sanierte und zurückgebaute Haus deutlich näher ans Original heranrücken. So wird das Flachdach ein ganzes Stück über den Baukörper hinausragen und an den Rändern Stützen erhalten – eine Hommage an die Pergola-Idee, welche die Architekten früher hatten. Zunächst war die Fischgrillbar „Gastmahl des Meeres“ in dem Gebäude untergebracht. Auf der Dachterrasse konnte man beim Speisen auf den lebendigen Pirnaischen Platz schauen. Später zogen das Restaurant „Pirnaisches Tor“ und ein Delikatessenladen hinein. In der Zukunft könnten dort Künstler und Firmengründer arbeiten. Angedacht sind sogenannte Co-Working-Offices, also wochen- und monatsweise mietbare Büros.

Der Sächsischen Zeitung war zunächst der Erstentwurf zur Verfügung gestellt worden, der auch auf der Internetseite der Stift-Muttergesellschaft „Heftol Group“ zu sehen ist. Diese Pläne sind aber stark überarbeitet worden, so Stift. Vorschläge der Stadtverwaltung habe man so konstruktiv wie möglich versucht umzusetzen. Ein gewisser Rückhalt aus Dresden sei der Berliner Firma wichtig, nachdem der Ruf des Hauses in den letzten Jahren so gelitten habe. Derzeit prüfe die Stadtverwaltung die Pläne, wohl auch die statischen Berechnungen. Gibt es keine Einwände, soll der Bauantrag so schnell wie möglich eingereicht werden.

Der erste Entwurf sah noch viel Glas und eine überbaute Dachterrasse vor. © Archecon
Von vorn aus gesehen soll das Gebäude so aussehen. © Archecon
Die Zeichnung zeigt die Südseite des Hauses. © Archecon

Blick in das verkommene Hochhaus

Während sich die Initiative „Stadtbild Dresden“ weiterhin für einen Abriss des Hochhauses ausspricht, fordert das Netzwerk „Ostmodern“ den Erhalt des DDR-Riesen. „Der vorliegende Entwurf lässt einen Umgang mit den prägenden Elementen des Bauwerks im International Style erkennen“, sagt Matthias Hahndorf vom Netzwerk. Das Flugdach werde wieder angedeutet, das Fassadenmuster stärker betont und die V-Stützen blieben vom Straßenraum aus erkennbar. „Erst im gebauten Zustand wird sich dann allerdings zeigen, ob die punktuelle Filigranität und Leichtigkeit trotz der Flächenmaximierung noch erkennbar ist.“

Gebaut wurde das Haus von 1964 bis 1966 nach Plänen des Architekten Peter Sniegon sowie dem Architektenkollektiv Herbert Löschau, Hans Kriesche und Gerhard Landgraf. Bekannt wurde das Gebäude, weil es fast 20 Jahre lang den Schriftzug „Der Sozialismus siegt“ trug. Die Buchstaben haben nicht einmal die politische Wende erlebt. 1987 wurden sie abgebaut und existieren heute wahrscheinlich nicht mehr. Vor knapp zehn Jahren verkaufte die Stadt das Gebäude für vier Millionen Euro an die israelische Segal-Group. Diese veräußerte das Haus diesen Sommer an die Creo7 GmbH. Das Hochhaus ist so baufällig, dass die Stadtverwaltung vor wenigen Monaten auch eine Nutzungsuntersagung, also eine Räumung, nicht mehr ausschloss. Vor allem der mangelhafte Brandschutz wird kritisiert.