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Alt, allein und arm

Immer mehr Rentner sind auf Sozialhilfe angewiesen und landen bei der Schuldnerberatung der Diakonie.

© Archiv/André Braun

Von Peggy Zill

Schon zu DDR-Zeiten hat sich die Döbelnerin von ihrem Mann scheiden lassen. Danach blieb sie allein, verdiente nie besonders gut. Später fand sie gar keinen Job mehr, war auf Hartz-IV angewiesen. 648 Euro erhielt sie monatlich vom Amt. Wenn es eng wurde, suchte sie Hilfe bei der Schuldnerberatung der Diakonie in Döbeln. In letzter Zeit kam sie öfter. Denn sie hatte das Rentenalter erreicht. Finanziell besser ging es ihr damit aber nicht. Denn Arbeitslosengeld II wird am Anfang des Monats gezahlt, die Rente erst am Ende des Folgemonats. „Diese zwei Monate zu überbrücken, schaffen viele nicht“, sagt Schuldnerberaterin Marion Eckert. Den Betroffenen fehlt das Geld für Miete, Telefon oder auch Strom. Besonders Alleinstehende kommen in diese Situation.

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Eine Möglichkeit, den finanziellen Engpass zu überbrücken, ist die Beantragung eines Darlehens. „Das sollte zwei bis drei Monate vorher schriftlich erfolgen. Viele kommen leider zu spät“, so Marion Eckert. Im Fall der 65-Jährigen half die Stiftung „Lichtblick“ der Sächsischen Zeitung mit 150 Euro.

Immer häufiger kommt es vor, dass die Rente zum Leben nicht mehr ausreicht. Laut Statistischem Landesamt haben Ende 2012 499 Senioren im Kreis mit Grundsicherung aufstocken müssen. Davon waren 313 Frauen. „Das Problem Altersarmut nimmt zu“, sagt auch Marion Eckert. Dabei gibt es wenige alte Leute, die wirklich über ihre Verhältnisse leben. Und es sind auch nicht immer gebrochene Erwerbsbiografien, die zur Armut im Alter führen. Wenn zum Beispiel noch Kredite laufen oder der Ehepartner stirbt, wird schnell das Geld knapp. Genauso schnell üben Gläubiger wie Vermieter, Telefonanbieter oder der Beitragservice von ARD und ZDF Druck aus. Trotzdem trauen sich nur wenige Senioren zur Schuldnerberatung, wie Marion Eckert erklärt. Dabei kann die Sozialarbeiterin, sofern sie früh genug eingeschaltet wird, helfen, bevor der Schuldenberg den Leuten über den Kopf wächst. Sie setzt sich zum Beispiel dafür ein, dass auf Säumniszuschläge verzichtet wird oder hilft bei der Beantragung der Grundsicherung.

Immer häufiger stößt Marion Eckert aber auch auf üble Strategien, um mit alten Leuten Geld zu verdienen. Dazu gehören zum Beispiel die unzähligen Gewinnspiele, die die tollsten Sachen versprechen. „Das Thema Gewinnen ist bei Senioren immer ein großes Thema“, so Eckert. Doch den großen Hauptpreis gibt es meist nur, wenn vorher etwas bestellt wird. „Das machen die Leute dann. Und selbst wenn sie nichts bestellt haben, bekommen sie immer weiter Pakete. Sollten die Lieferungen dann nicht bezahlt werden, schreiben Inkassounternehmen und machen den Rentnern Angst.“ Auch auf Haustürgeschäfte lassen sich Ältere öfter ein. Wer schnell genug Rat sucht, kommt aus solchen Verträgen einfacher rau.