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Alte Handelsstraße wird neue Radpiste

© Karl-Ludwig Oberthür

Die Butterstraße von Somsdorf nach Höckendorf soll asphaltiert werden. Von hier aus sollen Radler bequem bis nach Tschechien kommen.

Von Annett Heyse

Freital. Eine Straße windet sich zwischen den letzten Häusern von Somsdorf hindurch, dann tauchen rechts Kleingärten und linker Hand Wanderschilder auf. „Butterstraße“ steht auf einem, kurz darauf wird es ungemütlich. Denn der Asphaltstreifen geht in einen rumpeligen Feldweg über. Wer hier Radfahren möchte, braucht mindestens ein Trekkingrad, besser ein Mountainbike. Tief ausgefahrene Spuren, teilweise mit Schotter aufgefüllt, führen Richtung Höckendorf über den Acker. Hin und wieder versperren große Pfützen den Weg und zwingen zur Slalomfahrt.

Mit dem Abenteuer soll es allerdings bald vorbei sein. Die Stadt Freital hat sich das Projekt „Radweg Butterstraße“ vorgenommen. Ziel ist es, den Feldweg zur Radpiste auszubauen.

Dass die insgesamt 3,1 Kilometer lange Strecke zwischen Somsdorf und dem Klingenberger Ortsteil Höckendorf befestigt und asphaltiert werden soll, ist zwar eine Initiative der Stadt Freital. Die Idee geht jedoch auf die sächsische Radverkehrskonzeption zurück. Dort ist eine Route II-19 verankert, die in Coßmannsdorf beginnen, steil bergauf nach Somsdorf und weiter entlang der Butterstraße Richtung Dippoldiswalde und Altenberg führen soll. Anschließend könnte die Route nach Tschechien fortgesetzt werden. Teilweise liegt die Strecke dabei auf unbefestigten Wegen wie jener über die Somsdorfer, Lübauer und Höckendorfer Äcker.

Die Freitaler wollen nun ihre Lücke schließen, sind dabei aber auf die Nachbarkommunen Rabenau und Klingenberg angewiesen. Denn die Butterstraße führt auch über deren Territorien. Und der Ausbau ist nicht billig. Für die drei Kilometer werden etwa 670 000 Euro Baukosten geschätzt, in die sich alle drei Anrainer je nach Länge auf ihren Gemarkungen teilen müssten.

Vorgesehen ist ein drei Meter breites und gut einen halben Meter dickes Asphaltband, da die Butterstraße auch vom Landwirtschaftsverkehr genutzt wird und demzufolge schwere Last ertragen muss. Rechts und links davon soll der Weg von Bankettstreifen begrenzt werden. Zudem werden Ausweichstellen angelegt. Die Bäume, überwiegend Obstgehölze, sollen größtenteils stehen bleiben.

Freital will das Vorhaben federführend übernehmen und hat dafür eine Förderung beim Programm für die ländliche Entwicklung Leader beantragt. Darüber könnten allein 80 Prozent der gesamten Bausumme finanziert werden. Das entspräche einem Zuschuss von 536 000 Euro zu den Gesamtbaukosten. Allerdings gibt es noch keine Entscheidung, ob Leader den Radwegbau unterstützt. Dessen ungeachtet haben die Rabenauer Stadträte bereits beschlossen, ihren Anteil von 54 000 Euro bereitzustellen. Freital müsste 267 000 Euro beisteuern. Beide wollen 2018 loslegen.

Klingenberg, das mit circa zwei Kilometer den größten Butterstraßen-Abschnitt hat, müsste den Rest von rund 350 000 Euro übernehmen. Genau das könnte zum Problem werden. Denn die Klingenberger würden das Bauvorhaben zwar gerne unterstützen, wie Bürgermeister Torsten Schreckenbach sagt, haben aber dafür im Haushaltsplan kein Geld eingeplant. „Das heißt, es liegt nun an uns, dieses mit aufzunehmen und zu prüfen, inwieweit wir die Finanzierung sicherstellen können.“ Man sei in der Vorbereitung der Haushaltplanung und werde erst am Abschluss sagen können, welche Priorität dieses Projekt bekomme.

Priorität genießt zumindest seitens des Freistaates das Thema Radwege inzwischen, eine Aufholjagd hat begonnen. Wie das Wirtschaftsministerium kürzlich mitteilte, sind in Sachsen derzeit 40 Kilometer im Bau und 367 Kilometer in Planung.