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Alte Hasen?

Eine Meißnerin glaubt, dass ihre Osterschokolade etwas zu lange durch die Filiale gehoppelt ist.

© Claudia Hübschmann

Von Franziska Klemenz

Es sollte eine liebe Geste für gute Freunde sein. Stattdessen gab es eine böse Überraschung – für sie selbst. Es ist Samstagnachmittag, 17. März. Birgit Gläser geht auf der Fabrikstraße einkaufen. „Bei Lidl gab es Reis im Angebot – und Hasen.“

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Weil bald Ostern ist, kauft die Meißnerin gleich sechs davon. Zwei weiße, zwei schwarze, zwei aus Vollmilch-Schokolade für je 1,29 Euro. Als sie abends Zuhause ist, zieht Gläser das goldene Aluminiumpapier von einem der Hasen ab. „Bevor ich sie verschenke, wollte ich wissen, ob sie auch schmecken.“ Sie beißt ab, wartet auf Geschmack. Fehlanzeige. Noch ein Biss, nichts passiert. „Ich war schockiert. Was ich da im Mund hatte, schmeckte erst nach gar nichts und dann alt und wässrig.“ Sie sieht nach, wie lange der Hase haltbar sein soll: Bis Juni 2018. Gläser stutzt. Für Schokolade scheint ihr die Haltbarkeitsdauer zu kurz. „Ich bin überzeugt, dass es sich um alte Ware handelt, die nicht verkauft wurde.“ Zwei Tage später steht sie wieder im Laden, beschwert sich bei einer Verkäuferin. „Ich habe sie darauf hingewiesen, dass die Haltbarkeitsdauer ungewöhnlich kurz ist.“

Das sieht man offenbar ein. Gläser bekommt das Geld für ihre Hasen zurück – selbst für den, von dem nur noch das goldene Alu-Kleid übrig ist. Gläser forscht weiter. Manche Artikel im Ostersortiment laufen sogar schon im April 2018 ab. „Nur die ummantelten Mandeln sind frisch“, sagt sie. Gläser geht in die Lidl-Filiale in der Meißner Poststraße und in die Filiale in Weinböhla. Überall die gleichen Ablaufdaten. An einen Einzelfall glaubt Gläser nicht mehr. Besuche in besagten Filialen bestätigen, was Gläser sagt. Es laufen tatsächlich fast alle Oster-Süßigkeiten im Juni diesen Jahres ab. Als sie das nächste Mal in die Filiale in der Fabrikstraße geht, sind die alten Hasen nach vorne zur Kasse gewandert, versehen mit neon-orangenen Angebotsschildern, die scheinbar suggerieren sollen: „Ich bin billig!“ Am Preisschild hat sich aber nur die Farbe geändert. Die Hasen kosten weiterhin 1,29 Euro. Per Telefon möchte eine Sprecherin von Lidl nichts zu den Vorwürfen sagen, bittet um schriftliche Anfrage. Mehr als 24 Stunden später antwortet sie – ebenfalls schriftlich – auf die Anfrage der SZ. Frische und Qualität hätten oberste Priorität bei Lidl, die Schokoladenhasen seien ab Weihnachten 2017 für die Saison 2018 produziert worden. Tests eines Labors und Verkostungen durch Experten hätten eine „einwandfreie Qualität“ des Produkts bestätigt. Auf Nachfrage konkretisiert der Konzern nicht, um welches Labor und was für eine Art von Experten es sich handeln soll. Die Sprecherin wiederholt lediglich, dass Lidl für jede Saison frisch produziere.

Die Mitarbeiterin eines Lebensmittel-Instituts überprüft für die SZ, wie lange Schokolade normalerweise haltbar ist. Die Mikrobiologin möchte anonym bleiben. „Die bei uns eingetragenen Sorten weißer, Vollmilch- und Zartbitterschokolade sind jeweils zwischen sechs und neun Monaten haltbar“, sagt sie. Ein wässriger Geschmack müsse aber kein Beleg dafür sein, dass der Hase abgelaufen ist. „Das kann auch damit zusammenhängen, wie viel Wasser und welche Geschmacksverstärker beigemischt wurden“, so die Expertin.

Einen Trost gibt es für Birgit Gläser: „Aus mikrobiologischer Sicht passiert mit abgelaufener Schokolade nicht viel, so lange sie bei Raumtemperaturen gelagert wird. Es bilden sich also keine für den Menschen schädlichen Keime.“