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Kamenz

Alte Schule in Großnaundorf neu belebt

Viele Jahre war die Einrichtung geschlossen, jetzt lernen Kinder in der Freien Keulenbergschule. Das wurde am Freitagnachmittag gefeiert.

Wo sonst Schulkinder sitzen, nahmen am Freitag lauter Erwachsene Platz. Sie waren Gäste der offiziellen Eröffnung der Freien Keulenbergschule in Großnaundorf, darunter Botschafter a. D. Dietrich Lincke (l.)
Wo sonst Schulkinder sitzen, nahmen am Freitag lauter Erwachsene Platz. Sie waren Gäste der offiziellen Eröffnung der Freien Keulenbergschule in Großnaundorf, darunter Botschafter a. D. Dietrich Lincke (l.) © Bernd Goldammer

Großnaundorf. Auch amtliche Prognosen gelten nicht für die Ewigkeit. Dafür gibt es nun ein weiteres Beispiel: Großnaundorf hat sich seine Grundschule zurückgeholt. Die Keulenbergschule war fast 19 Jahre geschlossen. „Zu geringe Schülerzahlen“, lautete die Begründung. Nun wurde sie wieder in Betrieb genommen, weil es die Dorfgemeinschaft so wollte. 18 Erstklässler nahmen hier zu Schuljahresbeginn am 17. August ihre Zuckertüten in Empfang.

Die Schulkapazität ist auf 100 Plätze angelegt. Ganztagsbetreuung gehört zum Schulkonzept. Die pädagogische Arbeit stützt sich auf moderne Lernformen. Komplexlernen und Fachunterricht in Kursformen gehören zum Schulalltag. Ein christliches Menschenbild steht im Mittelpunkt der Werteerziehung. Landwirtschaft und Freibad, die Keulenbergschule kann auf ein gutes Umfeld für die Unterrichtsgestaltung zurückgreifen.

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Eines wurde durch die zahlreichen Redebeiträge zur offiziellen Schuleröffnung am Freitagnachmittag deutlich: Vom Himmel gefallen ist dieser Erfolg nicht, auch wenn sich Kirchgemeinde und das Trägerwerk Soziale Dienste in Sachsen und die Dorfgemeinschaft gemeinsam für die Wiedererweckung der Schule in Großnaundorf stark gemacht haben. Es gab viele Probleme zu lösen. Die ersten Schülerzahlen muten klein an. Das wird sich aber sicher ändern. Mit 20 Erstklässlern aus der örtlichen Kita können die Schulbetreiber im nächsten Jahr rechnen. „Dabei sind auswärtige Interessenten noch nicht mit eingerechnet“, betont Sandra Kästner vom Schulförderverein. An einem so freudigen Tag ist all das Bohren dicker Bretter vergessen. Auch die anfängliche Skepsis der Schulbehörden ist verschwunden. „Der sächsische Kultusminister gab uns am 5. Juli die offizielle Genehmigung für unsere „Freie Keulenbergschule – Evangelische Grundschule in Großnaundorf“, ist auf der Homepage der Schule zu lesen.

Jürgen Kästner, der ehemalige Bürgermeister von Großnaundorf, hat die Schule mit auf den Weg gebracht. Dafür gab es einen Blumenstrauß.
Jürgen Kästner, der ehemalige Bürgermeister von Großnaundorf, hat die Schule mit auf den Weg gebracht. Dafür gab es einen Blumenstrauß. © Bernd Goldammer

Anfänglich waren um die 700 000 Euro für die anstehenden Bauarbeiten geplant. Letztlich wurde die Millionenmarke geknackt. Bildung braucht vor allem gute Voraussetzungen. Wer die Schule am Freitagnachmittag besichtigt hat, weiß, dass dieses Geld gut investiert wurde. Zur Schule gehört eine moderne gemeindeeigene Turnhalle. In den Abendstunden steht sie für die Sportvereine als Trainingsstätte zur Verfügung. Das bringt neuen Schub für Schule und Dorfgemeinschaft.

Für den ehemaligen Bürgermeister Jürgen Kästner war die Einweihung ein besonderer Festtag. Er hat leidenschaftlich um die Wiedereröffnung der Schule gekämpft und dafür so einige Hindernisse überwinden müssen. „Jetzt freue ich mich über die heute vollzogene Eröffnung. Als Gemeinde haben wir auf die richtigen Partner gesetzt. Zusammen haben wir Einsatz und Nervenstärke bewiesen“, freut sich Jürgen Kästner. Nach seiner Rede überreichte Pfarrer Raik Fourestier den Schulbetreibern einen Nussknacker. „Für all die Nüsse, die künftig noch geknackt werden müssen“, macht er klar. Doch das Unterstützerfeld ist groß.

Aus dem Saarland war Benedikt Otto, der Aufsichtsratsvorsitzende des Trägerwerkes Soziale Dienste AG, nach Großnaundorf gekommen, um den Schulbetreibern seine Glückwünsche auszusprechen. Botschafter a.D., Dietrich Linke, brachte in seinem Statement zum Ausdruck, dass vom Großnaundorfer Standort ein deutschlandweiter Impuls ausgehen wird. „Schule gehört ins Dorf“, machte er klar. Dafür bekam er großen Beifall. Dietrich Linke ist seit vielen Jahren Kuratoriumsvorsitzender des Trägerwerks Soziale Dienste, das seine Zentrale in Weimar hat.