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Alte Teppichfreund-Filiale verfällt

Das ehemalige HO-Kaufhaus in der Grunaer Straße hat einen neuen Besitzer. Gebaut wird trotzdem noch nicht.

© Sven Ellger

Von Nina Schirmer

Der Putz bröckelt von den Wänden, die Fenster sind mit Spanplatten vernagelt und die Fassade mit Graffiti beschmiert. Neben der Eingangstür hat ein Baum Wurzeln geschlagen. Das ehemalige Kaufhaus der staatlichen Handelsorganisation an der Grunaer Straße macht einen kläglichen Eindruck. Seit fast drei Jahren steht das Gebäude inzwischen leer und gammelt vor sich hin.

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Der Rohbau der neuen Canaletto-Passage am Straßburger Platz ist fast fertig. In die Verkaufsflächen sollen 2016 unter anderem Rewe, Aldi und der Drogeriemarkt dm einziehen.

Rokko Smolik ärgert sich besonders über diesen Anblick. Der Dresdner hatte vier Jahre in dem Haus gearbeitet, als dort noch ein Teppichfreund seine Waren verkaufte. Der Einrichtungsmarkt war kurz nach der Wende eingezogen. „Im November 2012 mussten wir dann plötzlich raus, weil der Besitzer Eigenbedarf angekündigt hat“, erzählt der 35-Jährige. Die Teppichfreund-Filiale siedelte in ein neues Domizil in die Lingnerstraße um.

Eigentlich sollte der DDR-Bau daraufhin 2013 abgerissen werden. Die TLG Immobilien AG plante auf dem Gelände einen Neubau mit 47 Wohnungen auf fünf Etagen. Im Erdgeschoss sollte ein Biosupermarkt mit 1 000 Quadratmetern Verkaufsfläche einziehen. Doch daraus wurde nichts. Der Vertrag mit dem Supermarkt platzte, weil sich der Baubeginn trotz Genehmigung zu lange hinzögerte. Bis heute haben auf dem Gelände keine Arbeiten begonnen. Auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung teilte die Immobiliengesellschaft mit, das Gelände inzwischen an einen kleinen Investor verkauft zu haben.

Auch das Konzept des neuen Besitzers sah ursprünglich den Bau eines modernen Hauses mit Wohnungen und Geschäften vor. Die Stadtverwaltung hatte die Baugenehmigung bereits erteilt. Aber jetzt kommt es wieder zu Verzögerungen. Der neue Bauherr hat seine Pläne geändert – im Erdgeschoss sollen nun doch keine Ladenflächen entstehen. „Dem Bauaufsichtsamt liegt seit Kurzem ein neuer Bauantrag vor“, teilt die Stadtverwaltung mit. Dieser sei allerdings unvollständig und müsse vom Antragsteller noch konkretisiert werden. Ob und wann nun in der Grunaer Straße wirklich gebaut wird, steht also weiter in den Sternen.

Unter den Anwohnern haben sich die Pläne des neuen Eigentümers noch nicht herumgesprochen. „Wir wissen nicht, was aus dem Gebäude werden soll“, erzählt Ursula Petterlich. Die 80-Jährige findet es schade, dass das Umfeld so verkommt. „Es wird nicht mehr gemäht und alles ist runtergekommen“, sagt die Dresdnerin.

Besser sieht es schräg gegenüber am Straßburger Platz aus. Dort entsteht seit Jahresbeginn die neue Canaletto-Passage mit Büroflächen und Einkaufszentrum. Die hessische Immobilienfirma Dietz AG hat rund 25 Millionen Euro in den Neubau investiert. Im Frühjahr oder Sommer 2016 soll das Haus eröffnet werden.

Peter Vollmer freut sich über die neue Passage. Gleichzeitig stört ihn der Anblick des verfallenden Betonbaus an der Grunaer Straße. Der 48-Jährige wohnt in einem der Neubaublocks hinter dem Gelände. „Auf der einen Straßenseite werden zwar neue Häuser gebaut, aber hier bleiben die alten Buden stehen und der Platz verwahrlost“, sagt der Anwohner verärgert. Denn nicht nur das ehemalige HO-Kaufhaus steht leer. Auch das Nachbargebäude ist seit Jahren ungenutzt. „Irgendwann hieß es mal, dass das Haus saniert wird. Aber mehr als ein neuer Anstrich kam nicht“, so Vollmer.

Für den Leiter des Teppichfreunds, der vor drei Jahren ausziehen musste, hat die Geschichte noch einen weiteren unerfreulichen Effekt. „In der neuen Filiale in der Lingnerstraße haben wir weniger Laufkundschaft, weil sie so versteckt liegt“, bemängelt Rokko Smolik. Das mache sich beim Umsatz bemerkbar. Umso bedauerlicher findet er es, dass der alte Standort noch immer leer steht.